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Werbelüge? Windbeutel für Hochland ist richtig Käse!

Wenn einem Akteur der Wertschöpfungskette, der nicht den eigenen Reihen angehört, der "Goldene Windbeutel" verpasst wird, hält sich der Beschützerinstinkt der Erzeugerlobby eher in Grenzen. Erstens: Nicht unser Bier! Zweitens: Wird wohl nicht alles in Butter gewesen sein! Und drittens: Schadenfreude kommt im steuerfreien Ranking gleich nach Freibier! Aber die kürzliche Verleihung dieses Publikumspreises durch die Verbraucherorganisation „Foodwatch“, die selbsternannten Essensretter, an den bayerischen Käsespezialisten Hochland, ist nicht nur grenzwertig, sondern stellt einmal mehr die Wertigkeit von Verbraucherumfragen und deren Alltagskompetenz im Besonderen in Frage!

Worum ging es Mitte September? Hochland hatte im November vergangenen Jahres angekündigt, dass ab Januar 2020 Milch für die Marke Grünländer ab Beginn dieses Jahres ausschließlich von "Freilaufkühen" stammen würde. Soweit, so gut und gar nicht so einfach, wo doch noch fast die Hälfte der bayerischen Milchbauern ihre Tiere in gesellschaftlich gewünschten "kleinbäuerlichen" Beständen halten, aber eben in gesellschaftlich nicht (mehr) gewünschter Anbindehaltung. Und die sind gerade in allergrößter Sorge, dass die Milch ihrer Kühe, sofern sie noch in ganzjähriger Anbindehaltung mit Familienanschluss und traditioneller (Kuh) Namensgebung stehen, demnächst keine Molkerei, keinen Absatz und keinen Verbraucher mehr finden wird. Verbraucher, die einerseits die Anbindehaltung als "Tierquälerei" brandmarken, aber jetzt bereits an der eher zweideutigen Definition "Freilaufkühe" grandios gescheitert sind!

Dass der Zitronenfalter keine Zitronen faltet, ist hinlänglich bekannt. Aber wie kann sich bitte eine repräsentative (?) Verbraucherschaft mehrheitlich getäuscht fühlen, wenn er/sie/div. einen Käse von Freilaufkühen konsumiert. Sofern man der einfachen Worttrennung mächtig ist, handelt sich dabei schlicht und einfach um Kühe, die frei laufen (können). Ob sie diesen Freilauf nun in einem Laufstall, in einem angeschlossenen Laufhof oder auf einer Weide "praktizieren", ist mit diesem Wort nicht gemeint, nicht einmal hinterkünftig! Angesichts dieser fundamentalen Fehleinschätzung müssen sich unsere Milcherzeuger leider fragen, ob man es dem gemeinen Verbraucher bei anderen Sonderwünschen im Bereich Tierwohl wirklich recht machen kann: Welcher Sonnenanbeter weiß, dass eine Kuh ihre Wohlfühl-Temperatur bei weit unter 20 Grad Celsius hat, Temperaturen im Minusbereich kein Problem darstellen.

Was kann man von solchen zweifelhaften Awards wie den "Goldenen Windbeutel" in Zukunft noch erwarten? Bekanntlich ist die Marke "Grünländer" ein Schnittkäse, wird aber dem Verbraucher nicht nur in geschnittenen Scheiben angeboten sondern auch manchmal am Stück! Ist das auch Verbrauchertäuschung, wenn der geneigte Verbraucher nach dem Kauf bemerkt, dass der Käse nicht geschnitten ist? Und wenn man schon beim Käse ist: Bekanntlich ist im Leberkäse kaum Leber und vor allem kein Käse enthalten? Und die Verbraucher konsumieren dieses bayerische kulinarische Kulturgut bisher (noch) ohne größere Aufregung - zumindest solange sie Hunger haben und sich auf das Wesentliche, ein schmackhaftes Essen, konzentrieren!

 

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