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VMB mit Pflege der Südschiene

Der Montag dieser Woche stand beim VMB ganz im Zeichen der Partnerschaft mit den milchwirtschaftlichen Organisationen im benachbarten Baden-Württemberg und der Pflege der "Südschiene". VMB-Vorsitzender Wolfgang Scholz war mit der Geschäftsführung einer Einladung zur Mitgliederversammlung des Milchwirtschaftlichen Vereins Baden-Württemberg nach Merklingen gefolgt. Da traditionell neben der Mitgliederversammlung des Vereins auch die Mitgliederversammlung des dortigen Milchprüfrings abgehalten wird, war auch der zweite stellvertretende VMB-Vorsitzende Alfred Enderle, in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Milchprüfring Bayern vor Ort.

Über die ehrenamtliche Schiene mit dem Vereinsvorsitzenden Manfred Olbrich an der Spitze und dem gemeinsamen Engagement in den bundesweiten Arbeitsgruppen zur Abstimmung der Kriterien von ITW Rind und QM Tierwohl oder auch über die länderübergreifende Tochter AiM GmbH bestehen sehr intensive Verbindungen zwischen beiden Ländern. Und im hauptamtlichen Bereich unter Federführung von Geschäftsführer Dr. Markus Albrecht haben sich die Abstimmungen der beiden Bundesländer in der Funktion als Regionalstellen für QM-Milch genauso als fruchtbar erwiesen wie der Austausch im Zuge der 2021 endlich in der Neufassung in Kraft getretenen Rohmilchgüteverordnung.

Beide Bundesländer haben tatsächlich viel gemein und laufen auch politisch weitgehend parallel. Beim Grußwort des dortigen Landesministers für Ernährung, ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk (CDU), seit 2016 wieder und bereits schon einmal Agrarminister von 2005 bis 2010, war deutlich spürbar, dass ehemals dunkelschwarz regierte Länder auch politisch weiterentwickelt wurden. Während in Baden-Württemberg bereits in der zweiten Legislaturperiode eine grün-schwarze Koalition regiert, wird im Freistaat vom großen Koalitionspartner mindestens mit gleicher Intensität schwarz-grün gedacht.

Hauk hob in seinem Grußwort vor allem die Verbindung von Milchwirtschaft mit einer funktionierenden Grünlandbewirtschaftung und dem Natur- und Umweltschutz hervor. Rückblickend auf das Corona-Jahr 2020 betonte er zu Recht, dass die regelmäßige Abholung der Milch von den Höfen, die Verarbeitung in den Molkereien und die Vermarktung - mit Blick auf die Fleischwirtschaft - beileibe kein Selbstläufer war. Gerade die sichere Versorgung der Bevölkerung mit auch in Krisenzeiten ebenso sicheren Lebensmitteln sollte die Bevölkerung mehr zu schätzen wissen. Ohne Widerspruch war auch seine Einschätzung zu werten, dass die kleinen Strukturen im Süden der Republik heftigen Gegenwind verspüren: Vom Lebensmitteleinzelhandel mit seinen hochgeschraubten Forderungen an die Kriterien des Tierwohls und auch von der norddeutschen Milchwirtschaft, die sich dadurch ein größeres Stück vom Kuchen erwartet. Der Aussage, wonach die (ganzjährige) Anbindehaltung bei Gesellschaft und Verbraucherschaft nicht mehr vermittelbar sei, konnte man realistisch auch nicht widersprechen. Allein die Geschwindigkeit dieses Transformationsprozesses gilt es mit zu steuern, möglichst zu entschleunigen. Nachdem es auf allen Ebenen Süddeutschlands diesbezügliche Abstimmungen gegeben hat, sprach sich Hauk auch folgerichtig für die Kombihaltung aus. Allerdings sieht es der VMB kritisch, wenn bei Kombihaltung immer nur Verbindung mit Weidehaltung hergestellt wird und die Kombihaltung als Übergangsform bezeichnet wird. Auch in Baden-Württemberg unterstützt die Landesregierung die Weiterentwicklung der Landwirtschaft und der Tierhaltung mit den bekannten Programmen und Förderungen. Besonders interessant war auch die Initiative eines "regionalen Kälberkonzeptes" zur Vermeidung der in die Kritik geratenen Kälbertransporte.

Einige Zahlen aus der Versammlung des Milchprüfring Baden-Württemberg e.V. : 2020 wurden in Baden-Württemberg an 18 Molkereistandorten insgesamt 2,15 Mio. Tonnen Milch erzeugt. Das waren 0,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor, die Milchmenge geht tendenziell ebenso wie in Bayern kontinuierlich zurück. Am Jahresende 2020 betrug die Zahl der Milchviehbetriebe 5.219, das ist ein Minus von 4,4 Prozent. Bei den Milchkühen wurden 320.852 Tiere gezählt, das waren 3,1 Prozent weniger als im Vorjahr.

Was die Rinderhaltung angeht, sind in Bayern und Baden-Württemberg bei vergleichbaren Strukturen ähnlich gelagerte Probleme vorhanden, die die Betriebe hüben wie drüben umtreiben. Neben dem weiter nicht nachlassenden Druck auf die Haltungsform, vor allem die ganzjährige Anbindehaltung wird das Thema Klima die Rinderhalter als vermeintlichen Mitverursacher sehr schnell und ganz massiv beschäftigen. Bei den vielen gemeinsamen Herausforderungen und den überschwappenden Rohmilchströmen ist also für die Milchwirtschaft die Autobahn A 7 keine natürliche Grenze mehr.

 

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