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VMB INFOtreff Milch Mettenheim: Handlungsdruck beim Tierwohl

Die vierte und letzte Veranstaltung der diesjährigen Reihe VMB INFOtreff Milch, für die Gebiete mittleres und östliches Oberbayern sowie für den ostbayerischen Raum, in Mettenheim, konnte unter den bereits aufziehenden dunklen Wolken steigender Corona-Inzidenzzahlen gerade noch durchgeführt werden. Zwar unter verschärften Vorgaben und der kurzfristigen Ausladung fast der Hälfte des angemeldeten Personenkreises. Aber der maximal mögliche Besucherkreis mit 25 anwesenden Teilnehmern brauchte sein Kommen nicht zu bereuen, es gab umfangreiche Informationen und noch interessantere Diskussionen.

Auch in Mettenheim hatte der VMB mit Alexander Rasch aus Hörbach im Landkreis Fürstenfeldbruck einen Vertreter der Generation 30 eingeladen, die ihre Betriebs- und Lebensplanung bereits mit Blick auf die aktuellen Anforderungen ausrichten müssen: Nicht nur unter den seit langem bei der Milch bekannten Preisdruck, sondern jetzt auch noch unter der Vorgabe einer dynamisch steigenden Erwartungshaltung an das Tierwohl. Diese Herausforderung hat der 31-jährige Alexander Rasch, der Mitte des Jahres den Betrieb seiner Eltern übernommen hat, nicht nur im heimischen Betrieb bereits Stück für Stück umgesetzt, sondern dies in Mettenheim auch noch exzellent präsentiert.

Die Familie Rasch stellt ihren Betrieb auf zwei Standbeine: Einmal die etwa 55 Milchkühe mit weiblicher Nachzucht. Dazu eine Photovoltaik-Anlage und ein Holzrücke-Unternehmen, das vornehmlich von seinem Vater betrieben wird. Im Betrieb Rasch werden die Kühe bereits seit gut 30 Jahren im Laufstall gehalten. Zug um Zug wurden - vor allem in den vergangenen 10 Jahren - einzelne Schritte zur Verbesserung des Tierwohls vorgenommen: Herausnahme der Kälber aus dem Kuhstall, dort Einrichtung einer Trockensteher- und Abkalbebucht, bei den Kühen Ersatz der Liegematten durch Einstreu, für die jetzt Strohmehl verwendet wird und auch die Umstellung auf ganzjährige Silagefütterung. Fütterung von Grünfutter klingt schön, für manche Verbraucher auch ein Stück weit romantisch. Aber bei "Sauwetter" macht weder dem Betriebsleiter das Futter holen Spaß und auch die Kühe haben an nassem Futter wenig Freude. Die Auswirkungen auf Gesundheit und Leistungsvermögen seien hier ergänzend aufgeführt. Vorgenommen wurde im Betrieb auch eine kostenmäßig vertretbare Verbesserung der Lüftungstechnik - und jetzt wird auch ein Austrieb auf das angrenzende Grünland in Erwägung gezogen, auch wenn die abnehmende Molkerei dies derzeit noch nicht honorieren würde. Mit dieser Entwicklung und auch der Grundeinstellung, dass es neben der Arbeit auch noch ein Leben gibt, muss man sich um die Zukunft der Familie Rasch keine Sorgen machen.

Die Sorgen wurden dann in den weiteren Vorträgen des Abends aber deutlich herausgestellt und thematisiert: VMB-Geschäftsstellenleiter Jürgen Geyer hat den Milchmarkt vorgestellt, der nach einem ruhigen Jahr 2019 und einem sehr stabilen Start 2020 von der Pandemie stark beeinträchtigt wurde: Die abrupten Verschiebungen der Nachfrage und der Absatzströme, sowohl was die Gemeinschaftsverpflegung und auch den Export nach Südeuropa angeht, mussten von der Branche erst einmal bewältigt werden. Die deutliche Zunahme des Absatzes über den Lebensmitteleinzelhandel konnte dies nur bedingt wettmachen. Gegen Jahresende hat sich zwar die Situation sehr entspannt, aber die Auswirkungen der neuerlichen Beschränkungen können bis Jahresende gegenwärtig noch nicht abgeschätzt werden.

VMB-Vorsitzender Wolfgang Scholz ging während der laufenden Diskussion auf die Weiterentwicklung des Tierwohls beim Rind ein. Angetrieben vom Lebensmitteleinzelhandel laufen seit einigen Monaten Diskussionen einer Initiative Tierwohl (ITW) Rind, bei der es eigentlich in erster Linie um Rindfleisch geht, aus Kälber-, Färsen- und Bullenmast sowie um die Verwertung der Schlachtkuh. Aber die Trennung von der Milch und den Auswirkungen auf die Erfassung sind gerade für die bayerische Milcherzeugerstruktur und auch den nachgelagerten Bereich der Molkereiwirtschaft eine noch nie dagewesene Herausforderung. Dass bereits darauf reagiert wird, zeigte die intensive Diskussion in Mettenheim über die Ankündigung der Privatmolkerei Bauer, Milch aus ganzjähriger Anbindehaltung nur noch bis Ende Dezember 2023 im eigenen Unternehmen verarbeiten zu wollen.

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch den Vortrag vom Vorsitzenden des bayerischen Milchförderungsfonds, Alfred Enderle, zur Weiterentwicklung vor allem im Leistungsbereich Versicherung, Die VMB-Geschäftsführung durfte mit einem Querschnitt durch weitere aktuelle Themen den interessanten Abend beschließen: Weiterentwicklung von QM-Milch, die von der Diskussion um ITW Rind nicht zu trennen ist, die Auslobung des Labels QM-Milch mit einem Aufpreis, die Verbindung dieser Themen mit parallel laufenden Diskussionen in der Borchert-Kommission und den Stand der Branchenkommunikation Milch.

Bild oben: Alexander Rasch, Referent beim INFOtreff Milch des VMB

 

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