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Umrechnungsfaktor: Auch Österreich stellt "ex aequo" auf 1,03

Der Umrechnungsfaktor von Volumen (Liter) in Gewicht (Kilogramm) bei Milch ist in Deutschland seit mehr als einem Jahrzehnt Gegenstand fachlicher, politischer und leider auch höchst emotionaler Auseinandersetzungen. Während nämlich in Deutschland und Dänemark mit 1,02 und in Österreich mit 1,025 umgerechnet wird, wird seit Einführung der Quotenregelung in allen anderen EU-Staaten der Umrechnungsfaktor 1,03 verwendet. Dies ist nun bald Geschichte: In Deutschland wurde, vor allem in Bayern, bereits vor drei Jahren schrittweise begonnen, auf privatrechtlicher Basis den Faktor auf 1,03 anzuheben. Mit Inkrafttreten der neuen Milch-Güteverordnung zum 1. Juli 2021 wird dieser Faktor nun bundeseinheitlich bei 1,03 liegen. Und auch in Österreich wird es eine Angleichung geben: Zum 1. Januar 2022 wird dort der Faktor von 1,025 ebenfalls auf 1,03 angehoben. Dagegen ist nichts zu sagen, wenn der Initiator nicht - wie leider auch (zu) viele sogar in der Vermarktung verantwortlich agierende Milcherzeuger in Deutschland auch - behaupten würde, mit der Umstellung des Umrechnungsfaktors würde - bei gleicher Milchmenge - auch mehr Milchgeld generiert. Ein Anschlag auf das kleine Einmaleins, Unfug kennt in der Tat keine Grenzen!

Seit 2008, als das Thema "Umrechnungsfaktor" sogar bei "Milchgipfeln" in Verbindung mit der Einschränkung der Saldierung Gegenstand der politischen Diskussion war, hat der VMB mehrmals und ausführlich über die fachlichen Zusammenhänge der Umrechnung von Volumen in Gewicht informiert. Unbestritten ist, dass der bisher angewandte Faktor von 1,02 nicht mehr dem tatsächlichen Gewicht entspricht und früher oder später eine Anpassung erfolgen musste. Fakt ist aber auch, dass mit der Umstellung auf den höheren Faktor deswegen nicht auch mehr Milchgeld beim Milchbauern ankommt. Woher auch? Entscheidend ist die Ausbeute - und die wird mit einer angepassten Umrechnung nicht höher! Trotzdem hält sich nach wie vor in Deutschland sehr nachhaltig bei zu vielen Milchbauern das Gerücht, sie hätten über Jahrzehnte ihrer Molkerei (bei Genossenschaften quasi sich selbst!) 1 Prozent der Milch angeliefert, ohne dass diese auch bezahlt worden sei.

Diesem Irrtum scheint man nun auch in unserem Nachbarland Österreich erlegen zu sein: Der steirische Bauernbund-Abgeordnete im Nationalrat, Andreas Kühberger, zudem selbst Milchbauer, hat im Februar 2020 eine Initiative gestartet, dass auch in Österreich eine Anpassung des Umrechnungsfaktors erfolgen müsse. Und er bezog sich korrekter Weise auf die seit 2018 in Bayern erfolgten Vereinbarungen der Bayern MeG mit (bis heute) immer mehr Molkereien, den Umrechnungsfaktor privatrechtlich anzupassen. Dem haben sich auch immer mehr Genossenschaften angeschlossen. Es wurde aber in diesem Zusammenhang von der Bayern MeG oder der Molkereiseite nicht behauptet, dass damit mehr Milchgeld generiert werden würde. Im Gegenteil: Ein Teil der Molkereien weist sogar die Milchpreise für beide Umrechnungsfaktoren aus - und die sind bei einem Umrechnungsfaktor von 1,03 rechnerisch korrekt etwa 0,3 Cent niedriger als bei 1,02.

Zurück nach Österreich: Die nun auf den Weg gebrachte Anpassung auf den Faktor 1,03 zum 1. Januar 2022, wie es in der in diesen Tagen veröffentlichten Novelle der Erzeugerrahmenbedingungen-Verordnung bereits festgelegt ist, ist ja nur zu begrüßen. Wie aber der Abgeordnete Kühbauer darauf kommt, dass ein Milchbetrieb mit einem Stalldurchschnitt von 7.500 Litern bei 37 Cent pro Liter dann (ab Januar 2022) einen Mehrerlös von 13,9 Euro pro Kuh und Jahr und bei 50 Kühen fast 700 Euro mehr Milchgeld, allein durch die Anpassung des Umrechnungsfaktors generieren würde, bleibt sein Geheimnis. Und der folgende Dank und der Hinweis auf das gute Zusammenspiel von Bauernbund, Landwirtschaftskammer und dem Landwirtschaftsministerium, namentlich Ministerin Elisabeth Köstinger, wird sich hoffentlich nur auf die formelle Umsetzung der Erzeuger-Rahmenbedingungen-Verordnung, nicht aber auf die "Milchmädchenrechnung" einer wundersamen Milchgeldvermehrung beziehen.

 

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