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Thünen-Institut: Deutscher Milchsektor aktuell

Vor wenigen Tagen hat das Thünen-Institut für Betriebswirtschaft in Braunschweig ein Update seines "Steckbriefes Milchviehhaltung" veröffentlicht. Die Zahlen basieren vornehmlich auf Erhebungen des Jahres 2019. Einige Eckdaten der Milchviehhaltung in Deutschland und den Bundesländern wurden aktualisiert. Ein Teil blieb weitgehend unverändert und ist somit bekannt, vor allem im Bereich Haltungsformen. Diese Zahlen stammen durchweg noch von der Erhebung aus dem Jahr 2010. Der kommende "Zensus 2021" wird hier eine Aktualisierung bringen. Ein Blick auf die Zahlen des Thünen-Institutes durch die bayerische Brille.

Von 2010 bis 2019 ist die Milcherzeugung in Deutschland um 12 Prozent gestiegen, in Bayern dagegen nur um etwa 7 Prozent (Erzeugerstandort). Übrigens wurde im Jahr 2019 in Bayern erstmals eine zurückgehende Milchanlieferung von knapp 1,5 Prozent festgestellt: Konventionelle und Biomilch aufsummiert, obwohl der Bioanteil auch 2019 weiter gestiegen ist. 2019 wurden in Deutschland 33,1 Millionen Tonnen Milch erzeugt. Davon stammen knapp 24 Prozent von bayerischen Höfen. Fast die Hälfte der 58.400 Milcherzeuger hat ihren Betrieb in Bayern.

In Bayern stehen die Milchkühe in Herden von durchschnittlich 42 Tieren – gesellschaftlich erwünscht (wegen der "Größe"), aber auch gesellschaftlich nicht mehr (so) erwünscht (wegen der Haltungsform: 50 Prozent der Betriebe, vornehmlich die kleineren, melken noch in dieser Haltungsform; ein großer Teil davon in ganzjähriger Anbindehaltung). Vom Durchschnitt von 60 Milchkühen pro Betrieb in den Alten Bundesländern ist Bayern damit nur ein Drittel entfernt. Der Abstand zu den großen Herden mit durchschnittlich etwa 230 Kühen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg ist dagegen enorm.

Von den knapp 4 Millionen Milchkühen (Stichtag Mai 2020) steht die Hälfte in bayerischen und niedersächsischen Ställen. Nicht nur in Bayern, sondern auch deutschlandweit wandert die Milcherzeugung in die Grünlandregionen, sowohl in die Gunstregionen, aber auch in die Mittelgebirgsgebiete ab, deren Vegetation nur über den Rindermagen verwertet werden kann. Nicht neu, aber erwähnenswert die unterschiedlichen Ausmaße der Weidehaltung, basierend immer noch auf der Erhebung aus 2010. Während die Weidehaltung im Norden und Westen der Republik auf der Grundlage dieser Zahlen sehr stark ausgeprägt war, fristet sie in Bayern und den Neuen Bundesländern (außer in Mecklenburg-Vorpommern) mit Anteilen um die 15 Prozent eher ein Nischendasein. Die Gründe für diese Relationen sind in der Praxis durchaus nachvollziehbar, auch wenn der Verbraucher nach wie vor der Meinung zu sein scheint, dass Milchkühe nur bei Weidehaltung das vollkommene Tierwohl genießen können. Der Verbraucher und sein "Glaube": Wie viele wissen überhaupt, dass es Milchkühe eher kühl als sonnig-heiß lieben?

Für die Zukunft und die Akzeptanz der Milcherzeugung von erheblichem Vorteil dürfte es sein, dass in Bayern weit über 90 Prozent der Milchkühe den Doppelnutzungsrassen zuzuordnen sind. Die leidige Diskussion um das "Bruderkalb" - noch negativere Bezeichnungen aus der Presse werden an dieser Stelle verschwiegen - sollten die hiesigen Milchbauern nicht führen müssen: Grundsätzlich und aus ethischen Gründen sowieso nicht, aber auch nicht aus vermeintlich ökonomischen Erwägungen heraus!  

Hier der Steckbrief Milchviehhaltung im Detail

 

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