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Senkung Mehrwertsteuer: Knall(harte) Erbsen(zähler)

Senkung Mehrwertsteuer: Knall(harte) Erbsen(zähler)
Mit dem vorgestrigen 1. Juli 2020, wurden bekanntlich die Mehrwertsteuersätze abgesenkt, befristet bis Ende des Jahres. Statt 19 Prozent müssen in den kommenden sechs Monaten nur 16 Prozent abgeführt werden, statt der ermäßigten 7 nur 5 Prozent. Bei größeren Anschaffungen kann in diesem Zeitraum durchaus Geld gespart und das eigentliche Ziel dieser Maßnahme erreicht werden, (sinnvoller?) Verbrauch, um somit die Wirtschaft anzukurbeln. Lebensmittel sind zwar lebensnotwendig, aber (leider) keine große Anschaffung mehr. Der Lebensmittelhändler LIDL hatte mit einer selbsternannten WUMMS-Aktion, diese Steuer bereits um satte acht Tage auf den 22. Juni 2020 vorgezogen und damit die Konkurrenz geschockt. Dass von dieser Seite dann "kreative" Gegenreaktionen kommen würden, war somit vorhersehbar.

Und so ist es auch gekommen: Anfang dieser Woche, also ebenfalls vorgezogen zur offiziellen Senkung der Mehrwertsteuer und somit "auf eigene Kasse", haben die anderen Lebensmittelhändler nachgezogen - und LIDL dabei zum Teil sogar übertroffen, vor allem, wenn es um mickrige Cent-Beträge bei Eckprodukten des wöchentlichen Einkaufs geht. Im Gegensatz zu LIDL, die in einer durchaus arbeitsintensiven und somit kostenaufwändigen Aktion, jedes Preisschild ausgetauscht hatten, haben es sich die anderen Wettbewerber, allen voran ALDI und EDEKA, hier leichter gemacht: Preisschild bzw. digitale Anzeige bleiben unverändert, der Abzug erfolgt an der Kasse - und meist gibt es noch ein "Extraprozent" oben drauf. Denn die meisten anderen Lebensmittelhändler gewähren neben dem "wir-geben-die Mehrwertsteuersenkung-vollumfänglich-an-Sie-weiter", noch einen Prozentpunkt mehr Rabatt. Somit wurden beispielsweise bei der Konsummilch, Eigenmarken des Handels, der 1-Liter-Tetrapak nicht wie bei LIDL nur um 1 Cent, sondern sogar um 2 Cent auf jetzt 77 Cent (bei Vollmilch) und 69 Cent (bei der fettarmen Variante) zurückgenommen. Diese knallharte „Erbsenzählerei“ bei Standardprodukten des Warenkorbs, bringt zwar dem Verbraucher nicht wirklich eine Ersparnis, schürt aber den knallharten Wettbewerb um den Verbraucher, mit Tendenz zum "Krieg", weiter an.

Und welche Folgen die, mit Provokation noch milde beschriebene Aktion von ALDI, dem "Erfinder von günstig", am heutigen Freitag mit ganzseitigen Anzeigen in vielen Tageszeitungen hat, bleibt abzuwarten. Denn zumindest ALDI Süd hat sich erlaubt, am Montag dieser Woche, bei sich selbst und bei den namentlich genannten Wettbewerbern LIDL, REWE und EDEKA, einen Warenkorb mit 65 Artikeln zusammenzustellen. Und dabei kommt ALDI Süd, sicher nicht unter notarieller Aufsicht, zu dem Ergebnis, dass der eigene Warenkorb um 5,55 Euro günstiger ist, als der von Discount-Wettbewerber LIDL und um 9,27 Euro vor dem Schlusslicht des Vergleichsquartetts, dem Branchenführer im Lebensmittelbereich, EDEKA. Aus Erzeugersicht stellt sich bei solchen Kämpfen immer die bange Frage, wie seitens des Lebensmitteleinzelhandels bitte "systemrelevante" und "nachhaltige" Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung definiert wird.

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