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Sehr bequem! ARLA reduziert Milchpreis um 1 Cent!

Der Milchmarkt zeigt sich nach wie vor in erfreulich robuster Verfassung. Dazu kommt die anhaltend unterdurchschnittliche Milchanlieferung. Beste Voraussetzungen also, dass sich dies auch in steigenden Milchpreisen widerspiegelt - könnte man meinen. In Bayern hat sich der Milchpreis bekanntlich in den vergangenen Monaten erfreulich positiv entwickelt. In den vergangenen 12 Monaten stieg der Milchpreis für konventionell erzeugte Milch (oGT) sogar um 3,5 Cent/kg auf zuletzt 37,2 Cent/kg netto, bei 4,2 Prozent Fett. Dass diese Entwicklung von den Milchbauern mit einem lachenden und einem stärker weinenden Auge registriert wird, liegt an der in dieser Form noch selten dagewesenen Kostenexplosion bei der Erzeugung von Milch.

Wie der VMB an dieser Stelle berichtet hat, haben die österreichischen Molkereien kürzlich den Handel ultimativ zu Preiserhöhungen aufgefordert, weil neben der Kostensteigerung auf den Erzeugerbetrieben auch bei den Verarbeitern eine ähnliche Entwicklung zu beklagen ist. Und die österreichischen Molkereien sind nach gegenwärtigem Stand nicht bereit, die steigenden Kosten rückwärts, also auf die eigenen Erzeuger abzuwälzen. Im Gegenteil. Sie haben die Milchpreise im Vorgriff sogar erhöht.

Bequemer stellt sich hier der Lösungsansatz der europäischen Molkereigenossenschaft ARLA dar, die nach der "unfreundlichen Übernahme" der Milchunion Hocheifel (MUH) im Jahr 2012 ein bedeutender Akteur in der deutschen Szene der Milchverarbeiter darstellt. Vor allem im weißen Sortiment und hier speziell auch im Bereich Trinkmilch ist die Genossenschaft ein ganz gewichtiger Player. ARLA, mit einem Gesamtumsatz im ersten Halbjahr von fast 5,5 Mrd. Euro in allen sieben ARLA-Erzeugerländern, hat nämlich dieser Tage seinen Milcherzeugern ziemlich lapidar mitgeteilt, dass die "Preisinflation" für Kraftstoffe, Energie und Verpackung höhere Produktionskosten zur Folge habe und deswegen der Milchpreis im September um 1 Cent/kg reduziert werden müsse.

Dass dies von der Konzernleitung mit Bedauern und im Bewusstsein der gleichermaßen erheblich gestiegenen Produktionskosten inklusive Futtermittel auf Erzeugerebene kommuniziert wurde, macht den Vorgang nicht akzeptabler. Und die freundliche Erinnerung an Anhebungen der bei ARLA üblichen monatlichen Abschlagszahlung auf den Milchpreis in den Monaten März bis Juni ist dann eher Provokation als Rechtfertigung. Ebenso der Hinweis, dass ARLA ja trotz Milchpreisrücknahme immer noch einen "wettbewerbsfähigen" Milchpreis bezahlen würde. Zur Information: Als Vergleichspreis bei 4,2 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß wurden für Juli 36,52 Cent/kg notiert. Im ersten Halbjahr standen durchschnittlich 35,11 Cent/kg zu Buche.

Und die tröstenden Worte für die Milcherzeuger finden ihre Fortsetzung, dass sich ARLA eingehend mit dem "Inflationsdruck" befassen würde und intensiv an abschwächenden Maßnahmen arbeitet, inklusive einer "inflationären" Preisgestaltung für die Kunden (soll heißen: auch höhere Abgabepreise an den Lebensmitteleinzelhandel). Die Information endet mit den Worten, dass der Ausblick auf den Milchpreis weiter stabil ist.

Zusammengefasst ist festzuhalten: ARLA, die beim Vorpreschen bei Standards, beispielsweise in Sachen Nachhaltigkeit oder dem Erreichen von Klimaneutralität fast schon mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs ist, schafft es nicht, bei höchst stabilen Marktverhältnissen das Problem der Kostensteigerung anders zu lösen als dies auf dem Rücken der eigenen Genossenschaftsbauern auszutragen. Zudem steht ja gerade ARLA im Verdacht, einer der größten Sympathisanten von längerfristigen Verträgen bei Konsummilch mit Aldi und Co. zu sein. Da fehlen dann schnell stichhaltige Argumente für automatische Preisanpassungen (nach oben!) mittels eines "variablen Faktors", wenn gleich beim ersten Aufschlag als Lösungsansatz die Reduzierung der Rohstoffkosten in Form einer Milchpreisrücknahme steht. Sehr bequem, mit wenig Verantwortung, sicher aber nicht nachhaltig!

 

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