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Molkereiwechsel: Klein(er Rosen)krieg an der bayerisch-österreichischen Grenze

Wie die Tiroler Tageszeitung vor einigen Wochen berichtete, wechseln 16 Tiroler Milcherzeuger zum Jahresanfang 2022, der seit 2010 zur österreichischen Berglandmilch-Gruppe gehörenden genossenschaftlich organisierten Tirol Milch mit Sitz in Wörgl, Bezirk Kufstein, ins bayerische Piding. Die Milcherzeuger schließen sich den ebenfalls bäuerlich geführten Milchwerken Berchtesgadener Land Chiemgau eG an. Mit im Gepäck haben diese 16 Milchbauern für österreichische Verhältnisse beachtliche 6,9 Millionen Kilogramm konventionell erzeugte Milch, die künftig in Oberbayern zu den bekannten Markenprodukten der grünen Bergbauernlinie verarbeitet werden.

Der Wechsel ist nachvollziehbar, mit einem Stück Aufregung und verletztem Stolz verbunden, denn die besagten 16 abwandernden Milchbauern sind für österreichische Verhältnisse ausgesprochene Großbauern. Durchschnittlich etwa 430.000 Kilogramm melkt jeder dieser Milcherzeuger jährlich in seinen Tank. Im Vergleich dazu nehmen sich die aktuellen 77.000 Kilogramm Milch der knapp 3.000 Genossen der Tirol Milch mit einer derzeitigen Jahresverarbeitung von 230 Millionen Kilogramm geradezu bescheiden aus. Hinzu kommt noch, dass es sich bei den 16 Milchbauern durchweg um Milchbauern aus dem Unterinntal handelt, nur wenige Kilometer von der Molkerei in Wörgl entfernt.

Es ist nicht das erste Mal, dass im beneidenswert konsumpatriotischen Nachbarland Österreich den Milchbauern ihr betriebliches Hemd näher als die nationale Hose sitzt, ihren "Verarbeitungspatriotismus" vergessen und ihrer Heimat den Rücken kehren. Vor einigen Jahren bereits sind Wipptaler Milchbauern aus dem Stubai vorausgegangen. Sie haben die Nähe zum Milchhof Sterzing und die dort höheren Milcherzeugerpreise ausgenutzt und die Grenze von Nord- nach Südtirol überschritten. Für die Landwirte vor Ort mit hohem Anteil an Biomilch hat sich der Wechsel mit einer Erhöhung der Wertschöpfung sicherlich gelohnt, ebenso für die kleinstrukturierte Landwirtschaft in diesem Tal.

Über Solidarität lässt sich bekanntlich trefflich streiten, vor allem unter den Milchbauern. Wie auch in Bayern und Deutschland bei jüngsten Veränderungen der Milchströme zu beobachten ist. Bei der Vermarktung von Rohmilch gilt der Grundsatz, dass Milch (nach wie vor) nicht nur weiß, sondern auch (extrem) flüssig ist und somit keine Grenzen kennt. Dem Zusammenhalt sind sowohl das "Molkereihopping" der Milchbauern wie auch die als "Rosinenpickerei" der Molkereien kritisierten Bewegungen sicher nicht zuträglich. Letztendlich ist aber jeder Milchbauer für sich und seinen Betrieb verantwortlich. Somit ist es auch nicht zu kritisieren, wenn im scharfen Wettbewerb jeder Einzelne sich bietende Wettbewerbsvorteile ausnutzt.

 

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