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MLP 2020: Ausgewogene Leistung und gute Gesundheitswerte bei bayerischen Milchkühen

In diesen Tagen wurden vom Bundesverband Rind und Schwein (BRS) und den regionalen Landeskontrollverbänden (LKV) die Ergebnisse der Milchleistungsprüfung (MLP) für das vergangene, vom 1. Oktober 2019 bis zum 30. September 2020 laufende Milchwirtschaftsjahr veröffentlicht. Ging früher der Blick vornehmlich auf die Leistungsdaten der Kühe, um wie viele Kilogramm zum Vorjahr die durchschnittliche Milchleistung der unter MLP stehenden Kühe gestiegen ist, wird die Analyse der MLP-Daten mehr und mehr zu einem ganzheitlichen Ansatz: Auch die erhobenen Gesundheitsparamater waren und werden immer wichtiger, für das Image der Milchviehhaltung, aber auch für deren Ökonomik.

Bundesweit waren nach Angaben des BRS in 38.668 Betrieben 3.450.471 Milchkühe unter Leistungskontrolle. Davon standen 921.671 Tiere (= 27 Prozent) in bayerischen Ställen. Auch bei der MLP macht der Strukturwandel nicht mehr Halt: Im Vergleich zum Vorjahr wurden über 80.000 Kühe weniger unter Prüfung gestellt, der größte Teil des Rückganges an Kühen und an Betrieben (- 1.902) resultierte aus Betriebsaufgaben. Der Rückgang der MLP-Kühe bundesweit betrug 2,3 Prozent, in Bayern mit einem Minus von fast 19.000 Kühen, 2,0 Prozent.

Beeindruckend die Entwicklung der Milchleistungen: Durchschnittlich gaben die deutschen Milchkühe mit 9.154 kg Milch 247 kg mehr Milch als im Vorjahr und übertrafen damit in der Summe die Schwelle von 9.000 kg. An der Spitze lagen dabei die Milchkühe in den Neuen Bundesländern, die besten Werte wurden aus dem Freistaat Sachsen mit 10.103 kg gemeldet. Dagegen nahmen sich die Milchleistungen der bayerischen MLP-Kühe mit 8.187 kg und die um 86 kg höhere Milchleistung im benachbarten Baden-Württemberg eher bescheiden aus. Doch die Milchleistung ist nur ein Teil des Gesamtergebnisses, ist doch hinlänglich bekannt, dass in den beiden "Südstaaten" der überwiegende Teil der Milchkühe der Kategorie "Doppelnutzung" angehört. Und auch bei den Inhaltsstoffen konnte vor allem Bayern punkten: Mit 4,21 Prozent Fett liegt der Durchschnitt der Betriebe exakt 0,1 Prozent über dem deutschen Wert; bei Eiweiß waren es mit 3,53 Prozent immerhin noch 0,05 Prozent über der nationalen Linie. Ziemlich krass auch die unterschiedlichen Herdengrößen: Standen in bayerischen MLP-Betrieben im Schnitt 53 Kühe, waren es in Brandenburg mit 432 Kühen fast zehnmal mehr!

Punkten konnte Bayern auch wieder bei der durchschnittlichen Zellzahl als Merkmal der Eutergesundheit: Hier lag der bundesdeutsche Wert bei 231.000 Zellen/ml Milch und somit in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Unangefochten an der Spitze hierbei die bayerischen Kühe mit nur 203.000 Zellen. Diesen hervorragenden Werten konnte Schleswig-Holstein mit 214.000 Zellen noch am ehesten das Wasser reichen.
Und noch ein spezieller Blick auf die vom LKV Bayern bekannt gegebenen bayerischen Zahlen: Die Leistungssteigerung lag bei den bayerischen Milchkühen mit plus 142 kg zwar deutlich unter dem bundesdeutschen Wert von plus 247 kg, aber doch markant über dem zehnjährigen bayerischen Mittel von plus 107 kg Milch. Und auch bemerkenswert: Bei den bayerischen Milchkühen ist - bedingt durch ein früheres Erstkalbealter und ein um 2,5 Monate späteres Abgangsalter - in den vergangenen 20 Jahren die Nutzungsdauer deutlich angestiegen. Mit der bei steigender Leistung einhergehenden höheren Lebensleistung lässt den objektiven Schluss zu, dass sich Leistung und Gesundheit respektive Tierwohl nicht ausschließen. Ob dieser Trend auch in Zukunft anhält, bleibt nicht nur wegen aktueller Studien über das Auftreten von Lahmheit in deutschen Kuhställen zumindest offen. Ohne Versäumnisse schönreden zu wollen: Nicht nur Milchkühe gehen mit zunehmendem Alter nicht mehr immer ganz rund! Und noch eine Zahl des LKV Bayern unterstreicht eindrucksvoll, dass Leistung und Tierwohl gerade bei größeren Herden kein Widerspruch sind: Die Leistung bei Betrieben mit mehr als 100 Milchkühen lag mit 9.025 kg um mehr als 1.500 kg Milch über den Betrieben mit 30 bis 40 Milchkühen, die im Durchschnitt 7.511 kg ermolken haben.

Auf die vermehrt laufende Diskussion um den Wert von männlichen Kälbern, die in Bayern bei weit über 90 Prozent Anteil Doppelnutzungsrassen und einem zunehmenden Anteil an Kreuzungsbesamungen mit Fleischrassen nicht prioritär geführt werden muss, soll im Rahmen der Information über die MLP-Daten nicht eingegangen werden, gehört aber zukünftig immer mehr zur ganzheitlichen Betrachtung einer akzeptierten Milchviehhaltung.

 

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