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LEH: Konzentration schreitet ganz massiv voran

Mitte Februar hat die METRO-Gruppe nach langer Suche ihre corona-unabhängig defizitären Warenhaus- und Lebensmittelketten real an einen russischen Investor verkauft. Jetzt wird mit der Zerschlagung und dem Verkauf der einzelnen Filialen begonnen. Es droht auf jeden Fall eine weitere massive Konzentration auf der Ebene des deutschen Lebensmitteleinzelhandels. Kein wirklich gutes Zeichen für die Erzeugerseite.

Von den etwa 275 deutschen real-Märkten sollen etwa deren 50 in den kommenden 24 Monaten unter dem gleichen Namen weitergeführt werden. Für einen Teil der Standorte ist aber bereits das Aus besiegelt. Für den größeren Block hat aber bereits ein Kampf unter den bekannten deutschen Lebensmittelhändlern stattgefunden. Und es soll jetzt schnell gehen: Durch Corona haben die privaten Einkäufe im Lebensmitteleinzelhandel neuen Aufwind erhalten und Weihnachten kommt auch dieses Jahr schneller als man denkt. Die Händlerbranche hofft auf einen Wandel im Konsum, auch bei Lebensmittel für den privaten Verbrauch mit höherer Wertschöpfung.

Besonders eilig scheint es in diesen Tagen vor allem  KAUFLAND aus der LIDL/SCHWARZ-Gruppe in Neckarsulm zu haben. Denn dieser hat beim Bundeskartellamt bereits Interesse an mehr als 100 Märkten angemeldet. Ob sich die Neckarsulmer dabei mehr auf den Teller legen wollen als sie wirklich essen können, sei dahingestellt. Eichhörnchen-Methode auch im deutschen Lebensmitteleinzelhandel nennt man das wohl! Und ein weiterer wichtiger Akteur auf der Nachfrageseite ist wieder EDEKA - mit Interesse an etwa 50 Märkten. Ein kleiner Rest soll wohl von REWE und GLOBUS umworben werden.

Und gerade KAUFLAND macht auch keinen Hehl daraus, wer sich am Übernahmepreis beteiligen soll: Natürlich auch die Lieferanten und Hersteller, die bisher bei real gelistet waren und dies auch unter neuer Flagge an sicher attraktiven und umsatzstarken Standorten wieder sein wollen. Und da hat KAUFLAND sicher nicht nur große Konzerne wie Unilever, Ferrero oder Henkel im Sinn, sondern auch die Molkereien! Wir gehen interessanten Zeiten entgegen. Und auf das Kartellamt sollte die landwirtschaftliche Seite in solchen Fällen auch nicht mehr hoffen.  Aufklärung weiter unten!

Und auch an anderer Stelle stehen Konzentrationen an: So übernimmt zum 1. Januar 2021 EDEKA die verbliebene zehnprozentige Beteiligung der TENGELMANN-Gruppe an der Filialkette NETTO Markendiscount. TENGELMANN war bekanntlich seit 2009 an NETTO beteiligt. Damals hatte das Familienunternehmen aus Mühlheim/Ruhr seine eigene Discount-Kette PLUS mit bundesweit mehr als 2.300 Filialen an EDEKA verkauft. Teil des Kaufpreises war die Beteiligung an der EDEKA-Discount-Tochter, die durch die Übernahme von PLUS etwas näher an die großen Rivalen ALDI und LIDL heranrücken konnte. Der jetzige Kaufpreis liegt nach unbestätigten Angaben im mittleren dreistelligen Millionenbereich. Diese anstehende Übernahme klingt wie eine Meldung aus einer anderen Zeit, ist doch mittlerweile auch TENGELMANN selbst Geschichte im deutschen Lebensmittelhandel. Diese Märkte sind vor wenigen Jahren vor allem von  EDEKA und auch von REWE übernommen worden - "mit Minister Gabriels Hilfe", wie man weiß! Der damalige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte die Bedenken des Bundeskartellamtes einfach "kassiert".

Und auch beim Branchenprimus stehen bekanntlich Änderungen an: Neben den niedrigen Preisen hatten die beiden Discounter ALDI Nord und Süd vor allem den bekannten Namen gemein. In Bezug auf die Sortimente gab es sehr wohl große Unterschiede zwischen beiden, von den Familien der beiden Albrecht-Brüder geführten Unternehmen. Spätestens mit dem Ableben der beiden Firmengründer hat auch bei den ALDI´s ein Modifikationsprozess eingesetzt, der aber auch durch die Wettbewerber massiv angeheizt wurde. Diese behaupten doch ziemlich forsch, sie könnten noch billiger als billig - und gehen auch dementsprechend am Markt und speziell gegen ALDI vor.
Aldi versucht jetzt einen internen Anpassungsprozess:  So werden die gerade bei Milch und Milchprodukten unter dem Eigennamen bekannten  "Milsani" (ALDI Nord) und "Milfina" (ALDI Süd)  zusammengelegt. Auch damit will der Discounter Kosten sparen und die Preise weiter drücken. Wie so etwas aussehen kann, war bereits im März ersichtlich und damals noch am Widerstand auch der Erzeugerseite gescheitert: Aus dem grenznahen Salzburg wollte der neue Zentraleinkäufer die Einkaufspreise für Konsummilch deutlich nach unten fahren, für ALDI Deutschland und zukünftig für HOFER Österreich gleich mit.

 

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