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Christine Pröbstl (c)

Kuh steigt Milchkönigin auf´s Dach

Die bayerischen Milchbauern sind in der Regel recht bodenständige Leute. Zu großer Euphorie oder gar Freudensprüngen war in den letzten Jahren kein rechter Anlass. Ständiger Kampf um bessere Milchpreise auf der einen Seite, immer mehr Auflagen von Behörden, steigende Erwartungshaltung der Gesellschaft und eine Dynamisierung der Standards seitens des Lebensmitteleinzelhandels andererseits. Da könnte man als Milchbauer manchmal berechtigt an die Decke springen.

Die Motivation, warum Kuh "Irene" vom Sperberhof der Familie Pröbstl in Birkland-Peiting/WM Ende September nach einem erfolgreichen Ausbruchversuch gleich auf das Dach gestiegen ist, wird sich nie ganz klären lassen. Faktum ist: Während ihre Kolleginnen von der Besitzerin Christine Pröbstl und dem Junior recht schnell wieder in den heimischen Stall zurückbeordert werden konnten, schaffte es die Kuh über einen für die Einsilierung aufgeschütteten Hügel auf das Flachdach - und dann schnurstracks auf den First des Gebäudes.

Als die Kuh auf dem Dach realisiert wurde, war die ansonsten immer fröhliche Besitzerin für einen Moment sprachlos. Aber gerade noch handlungsfähig: Weil man so etwas nicht glauben kann, wenn man es nicht selbst gesehen hat, wurden schnell noch einige Bildaufnahmen gemacht. Und Irene ließ sich in einer Pose ablichten, die alles andere als tierisches Unwohlsein vermuten ließ. Die Rückholaktion wurde vom Junior dann nach den bewährten Vorgaben von Tierwohl und Tierschutz vorgenommen: Eindringlicher Dialog mit der Kuh, dass das Dach keine dauerhafte Location ist. Zwar viel Licht, Luft und Horizont vorhanden, aber kein geeigneter Liegeplatz und vor allem keine Melkvorrichtung, mit der die Milch überhaupt und in entsprechender Qualität gewonnen werden könnte. Mit einem leichten "Antupfen" des Hinterteils zeigte sich die Kuh schnell einsichtig und legte den Rückweg ebenso unbeschadet zurück wie den Aufstieg.

Nochmals zur Motivation dieses nicht alltäglichen Geschehens, das die Kuh in alle mögliche Medien gebracht hat und der Besitzerfamilie einen positiven Shitstorm mit immer den gleichen Fragen nach dem Wie und Wieso. In einer ansonsten eher landwirtschaftskritischen überregionalen süddeutschen Zeitung schaffte es die Kuh sogar zur Heldin der Woche in die Wochenendausgabe. Vielleicht war ihr Ausflug ja dem Umstand geschuldet, dass die aus einem Natursprung hervorgegangene Kuh, aus der in der Fleckviehzucht eher seltenen PASSION-PLASTIK-Linie, die derzeit vieldiskutierte Kombinationshaltung vor allem bezüglich der fünf Freiheiten und der speziellen "Bewegungselemente" etwas individueller interpretieren wollte. Vielleicht wollte sie eben auch einmal in den Medien auftauchen wie ihre Besitzerin, die in der bayerischen Milchwirtschaft keine Unbekannte ist und zeit ihres Lebens immer wieder genannt werden wird: Christine Pröbstl war 1985 die erste bayerische Milchkönigin.

 

Christine Pröbstl (c)

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