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Kälber: "Käfige" weg? Mottenkugeln: Gitter hoch?

Gesundheit ist ein hohes Gut. Aber auch um den gesunden Menschenverstand muss man sich mehr und mehr Sorgen machen, wenn man sich jüngste Entwicklungen im Umfeld der Rinderhaltung, aber auch bei Vorgaben im Zusammenhang mit einer grundlegenden "Alltagskompetenz" vor Augen führt. So könnte bekanntlich in den kommenden Jahren verboten werden, Kälber weiter in den nach Auffassung von Praktikern und vieler wirklicher Experten sehr vorteilhaften Kälber-Iglus zu halten. Anderseits hat die im Juni erlassene so genannte Biozid-Verordnung vor, dem Menschen ("homo sapiens"!) ein Selbstbedienungsverbot beim Kauf von Bekämpfungsmitteln gegen Mücken oder Motten aufzuerlegen.

Als im September 2018 (!) eine von der EU-Kommission zugelassene Bürgerinitiative das "Ende des Käfigzeitalters" für Nutztiere gefordert hat, war neben dem Verbot der Käfighaltung bei Hühnern, dem Kastenstand und dem Ferkelschutzkorb bei Schweinen auch bereits von der Einzelhaltung in Kälber-Iglus die Rede. Kälberhaltung in Iglus und Käfighaltung bei Hühnern: Ein typischer Vergleich von Äpfel mit Birnen, konnte man damals noch meinen! Weit gefehlt! Doch damals standen noch lange Wege und hohe Hürden bevor: So musste die Initiative in mindestens sieben EU-Staaten insgesamt 1 Mio. Unterschriften finden, um die "unmenschlichen Haltungsbedingungen landwirtschaftlicher Nutztiere" zu beenden.

Knapp drei Jahre später und dem Vorliegen von 1,4 Mio. Unterschriften hat die EU-Kommission vor wenigen Wochen aufgrund eines entsprechenden Entschließungsantrages des Europäischen Parlaments nun entschieden, dem Anliegen der europäischen Bürgerinitiative "End the Cage Age" (Schluss mit der Käfighaltung) stattzugeben. Die EU-Kommission ihrerseits hat nun angekündigt, mittels Folgenabschätzung in mehreren Bereichen bis Ende  2022 Ergebnisse vorzulegen. Die zuständige EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides will bis 2023 einen Gesetzesvorschlag vorlegen mit dem Ziel, dass das Verbot ab 2027 gelten soll. Und damit auch wirklich ein Schuh daraus wird, der bei den Landwirten richtig drückt, hat die EU-Kommission zugesagt, die Ziele der europäischen Bürgerinitiative in die Umsetzung des "New Green Deals" und der Strategie "Farm to Fork" ("Vom Bauernhof zur Gabel") einzubringen.

Warum genau auch die Kälber und deren zeitlich befristete Einzelhaltung in Iglus derart im Fokus stehen und ebenfalls zu dieser Vielzahl von Unterschriften vor allem aus Deutschland geführt haben, wo ja die Käfighaltung bei Hühnern kaum noch eine Rolle spielt, lässt sich nur erahnen. Ist es - trotz Sichtkontakt des Kalbes zum benachbarten Iglu - die Einzelhaltung an sich oder die damit in Verbindung gebrachte Trennung des Kalbes von der Mutter? Auf jeden Fall dürften nur wenige der Unterzeichner eine blasse Ahnung davon haben, dass die Einzelhaltung der Kälber in den ersten acht Lebenswochen auch hygienische Gründe hat und dem Schutz des Immunsystems des Kalbes dient. Die "immunologische Lücke" war ja erst kürzlich in Zusammenhang mit dem Kälbertransport ein Thema. Neben den zweifelsohne wirtschaftlichen Aspekten muss gerade der Gesundheitsaspekt zum Wohl des Kalbes bei der anstehenden Folgeabschätzung eine ganz gewichtige Rolle spielen. Denn wie reflexartig die gleichen Unterschrifts-Aktivisten reagieren, wenn durch eine sofortige Gruppenhaltung die Kälbersterblichkeit nach oben gehen würde, kann man sich leicht vorstellen. Vieles geht wirklich auf keine Kuhhaut mehr!

Während also der Angriff des gemeinen Bürgertums auf die Kälber-Iglus in vollem Gange zu sein scheint, traut man den Menschen zumindest in Deutschland in Fragen der Alltagskompetenz offenbar nicht mehr ganz über den Weg. Nur so ist das am 25. Juni 2021 vom Bundesrat und somit als nationalen Alleingang beschlossene und zum 1. Januar 2025 in Kraft tretende Selbstbedienungsverbot für Produkte wie Mückenspray, Mottenpapiere oder Ameisenköder zu erklären. Dazu muss man wissen, dass die betroffenen Mittel im Rahmen der EU-Biozidprodukte-Verordnung bereits streng reguliert sind und die EU-Verordnung diese Mittel sogar ausdrücklich als notwendig erachtet, um Organismen zu bekämpfen, die der menschlichen und tierischen Gesundheit schaden können. Warum jetzt gerade in Deutschland die Verbraucher, die ja per Ferndiagnose besser als jeder Landwirt über das Tierwohl Bescheid zu wissen scheinen, nicht mehr in der Lage sein sollen, trotz der bekannt ausführlichen Packungsbeilagen mit den Produkten auch zur Absicherung des eigenen Wohls verantwortungsvoll umzugehen, bleibt erst einmal Geheimnis des Gesetzgebers. Auf jeden Fall dürfte bei Umsetzung der Verordnung der einfache Kauf in Drogerien oder Supermärkten der Vergangenheit angehören und - wie bei hochprozentigem Alkohol und Zigaretten - die Gitterstäbe hochgezogen werden. Eigenverantwortliche Selbstbedienung ade, Kauf erst nach Beratung von noch zu schulenden Personal! Da kriegst Du doch die Motten, oder?

 

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