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Haltungsform bereits milchpreisrelevant

Initiative Tierwohl (ITW) Rind, QM Tierwohl, Borchert-Kommission mit dem Schlagwort „Umbau der Nutztierhaltung“ ist für viele Rinder- und Milchviehhalter noch relativ weit weg. Ist es auch, wobei „weit weg“ immer relativ zu sehen ist. Derzeit befinden sich diese Abstimmungen in bundesweiten Arbeitsgruppen mit Akteuren der gesamten Wertschöpfungskette, von der Erzeugerseite über die Molkereien bis zum Lebensmitteleinzelhandel tatsächlich noch in einem laufenden Diskussionsprozess. Bayern ist in diesen Gremien gut vertreten, hat aber von außerbayerischer Erzeugerseite mit Ausnahme des benachbarten Baden-Württemberg nur überschaubare Unterstützung. Präferieren schon in Fragen der milchpolitischen Ausrichtung die Erzeuger unterschiedlichste Ansätze, ist dies in Markt- und somit Wettbewerbsfragen noch weitaus heftiger. Um es klar zu sagen: Der Milchstandort Bayern, der bei jedem einzelnen Milchbauern beginnt, ist trotz seiner unbestrittenen Vorzüge, von der gesellschaftlich gewünschten Form überschaubarer Betriebsstrukturen über die unübertroffene Vielfalt an Milchprodukten bis zur auch daraus resultierenden unvergleichlichen Kulturlandschaft, derzeit in der Defensive.

Die Betriebe mit Anbindehaltung, ganzjährig wohlgemerkt, hat jetzt das Marktgeschehen bereits voll erfasst. Die Preisdifferenzierung nach Art der Haltung, also Laufstall- bzw. Kombihaltung und ganzjähriger Anbindehaltung ist bereits in der Umsetzung. In Bayern haben bereits einige Molkereien, genossenschaftlich und privat, in Abstimmung mit den Erzeugervertretungen Preisabschläge für ganzjährige Anbindehaltung beschlossen bzw. bereits  eingeführt. Dabei laufen die Diskussionen in der bayerischen Molkereilandschaft sehr unterschiedlich, abhängig von der eigenen Marktposition und der Verwertung der Milch und auch der aktuellen Struktur, in welchem Maße noch ganzjährige Anbindehaltung bei den Milcherzeugern vorkommt.  

Hinlänglich bekannt ist, dass die genossenschaftlichen Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG in Piding seit geraumer Zeit verschiedene Bewegungsmöglichkeiten der Milchkühe mit bis zu 3,5 Cent honorieren. Diese Honorierung setzt sich zusammen aus den Teilkomponenten Weideprämie, Auslaufprämie und Laufstallprämie. Ebenso wurde in den bäuerlichen Beschlussgremien entschieden, dass die Milch aus ganzjähriger Anbindehaltung seit Januar 2020 mit einem Abschlag von 2 Cent versehen wird. Milch aus ganzjähriger Anbindehaltung wird nach wie vor erfasst, aber nicht mehr in die eigene Marke verarbeitet.

Die Goldsteig Käsereien Bayerwald GmbH mit den Gesellschaftern der ehemals eigenständigen Genossenschaftsmolkereien Cham, Passau, Straubing und Plattling haben im Herbst nach einstimmiger Beschlusslage in den Gremien bereits bekannt gegeben, ab Mitte dieses Jahres eine Differenzierung in Form eines Zukunftsbonus vorzunehmen. Dieser beinhaltet neben einer Mengenstaffelung auch einen Tierwohlanteil. Diesen Bonus für Tierwohl in Höhe von 1,5 Cent/kg sollen dann alle Lieferanten mit Laufstallhaltung oder Betriebe, die den definierten  und auch von den Marktakteuren akzeptierten Standard für Kombinationshaltung vorweisen können, erhalten. Eine Alternative zur Kombihaltung kann dort auch noch ein nicht überdachter Auslauf sein, welcher sich an Bio-Standard orientiert.

Bei der Hochland Deutschland GmbH mit Verarbeitung in Schongau und Heimenkirch sind bereits Vereinbarungen mit den dortigen Milchlieferanten getroffen worden. Dort wird bereits ab dem 1. Januar 2022 keine Milch aus ganzjähriger Anbindehaltung in den eigenen Milchwerken verarbeitet. Ab diesem Zeitpunkt wird auch ein Abschlag für die Milch aus ganzjähriger Anbindehaltung erfolgen. Dazu ist anzumerken, dass der Anteil an Milch, mehrheitlich der „Milchliefergenossenschaft Butterwerk Schongau“, der von dieser in nicht einmal einem Jahr greifenden Regelung betroffen sein wird, bei (derzeit) etwa drei Prozent liegt.

Auch bei den Naabtaler Milchwerken GmbH & Co. KG, Privatmolkerei Bechtel, mit Sitz im oberpfälzischen Schwarzenfeld sind bereits Vereinbarungen getroffen. Bereits seit Beginn dieses Jahres erhalten die Milcherzeuger der dort unter Vertrag stehenden Milcherzeugergemeinschaften 1 Cent weniger, wenn die Milchkühe noch in ganzjähriger Anbindehaltung stehen. Ab Januar 2022 wird dieser Abschlag auf 1,25 Cent, ab Januar 2023 bis zum Ende der aktuellen Vertragslaufzeit 1,5 Cent/kg betragen.

Ebenfalls im Herbst vergangenen Jahres hat die Privatmolkerei Bauer, Wasserburg, ihren MEG-Vertragspartnern und den Milcherzeugern mitgeteilt, dass sie in absehbarer Zeit Milch aus ganzjähriger Anbindehaltung als nicht mehr vermarktbar ansieht und dafür bereits jetzt die Weichen stellen würde. Deswegen wird in Abstimmung mit den Verantwortlichen der MEG´s bis Ende 2023 versucht, möglichst vielen Milchviehhaltern mit ganzjähriger Anbindehaltung die Umstellung auf Laufstall oder zumindest auf die definierte Kombihaltung umzustellen. Ab 2024 ist auch dort eine Preisdifferenzierung zu erwarten.

Die letzte Molkerei, die bereits finale Festlegungen mit den Milcherzeugern getroffen hat, war die im oberbayerischen Weiding ansässige Almil AG, bei der seit Januar 2020 die genossenschaftlich organisierten Hochwald Foods GmbH mit Sitz in Rheinland-Pfalz eine Mehrheitsbeteiligung hält. Dort erhalten bereits seit Januar 2021 Milcherzeuger mit Laufstall- oder anerkannter Kombihaltung einen Aufschlag von 0,5 Cent/kg. Betriebe mit ganzjähriger Anbindehaltung erhalten diesen Bonus nicht, müssen ab 2022 zudem einen Abzug von 1,5 Cent hinnehmen. Dies bedeutet eine Milchpreisdifferenzierung von 2 Cent, nur wegen der Haltungsform, bei gleicher Milchqualität. Im Gegenzug sicherte die Almil AG bis zum Ende der vierjährigen Vertragslaufzeit bis Ende 2024 die Vermarktung, also Erfassung der Milch zu.

Auch in den meisten anderen Milchkaufverträgen der in der Bayern MeG organisierten MEG´s sind bereits Klauseln implementiert, dass eine Milchpreisdifferenzierung vorgenommen wird, falls dies für die Vermarktung der Milch unumgänglich sein soll. Alle Molkereien bieten den Milcherzeugern mit Übernahme der Kosten eine qualifizierte Haltungsberatung an, um den Milchkühen mehr Bewegungsmöglichkeit zu verschaffen.

 

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