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dpa-Interview: Beim Absatz extreme Ausschläge nach beiden Seiten

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Agrarmärkte sind enorm: Der Lebensmitteleinzelhandel erlebt einen wahren Boom. Andererseits sind über Jahre sich entwickelnde Nachfrage- und Handelsströme abrupt unterbrochen oder zumindest gestört. Eine penibel erstellte Logistik vor allem beim Absatz wird zumindest zeitlich auf eine harte Probe gestellt. Und: Die Lieferketten, von der Erfassung der Milch auf den Betrieben bis hin zum Endverbraucher, müssen, trotz manch fragiler Einzelglieder jetzt unter allen Umständen aufrechterhalten werden.

Auch der VMB ist in den vergangenen Tagen häufig von Fernsehen, Rundfunk und Presse um eine Einschätzung gebeten worden. Es ist festzuhalten, dass die Aktualität rund um Corona keine Blaupause kennt und solch schlagartigen Veränderungen zu großen Verunsicherungen führen, angefangen beim Milcherzeuger. Wird meine Milch weiterhin abgeholt, kann meine Molkerei die Milch mit den vorhandenen Kapazitäten verarbeiten, gibt es ausreichend Absatz? Und wohin entwickelt sich mein Milchpreis?

Die Dauer der aktuellen Turbulenzen, der Veränderung der Warenströme und vor allem die Auswirkungen auf den Milchpreis sind gegenwärtig nicht abschätzbar. Wer aktuell "massive Preisrückgänge" für die Milcherzeuger prognostiziert, kann bei der einen oder anderen Molkerei durchaus Recht haben. Andere Molkereien wiederum profitieren ganz erheblich von der Änderung der Nachfrage, hin zum privaten Verbrauch durch massive Bevorratung beim Lebensmitteleinzelhandel: Dort fallen derzeit Ostern und Weihnachten bezüglich Nachfrage nach etwas länger haltbaren Grundnahrungsmitteln - und dazu gehören auch Vollmilch und Butter - zusammen. Wir vom VMB beteiligen uns an derartigen Preisspekulationen nicht! Wir halten dies für nicht seriös und auch nicht unbedingt verantwortungsvoll. Der VMB bringt sich intensiv in der bayerischen Wertschöpfungskette Milch ein, dass die Milch abgeholt und verarbeitet wird.

Zur Kenntnis ein Interview der Deutschen Presseagentur (dpa), das in dieser Woche über den Ticker gelaufen ist und in vielen regionalen und überregionalen Zeitungen abgedruckt wurde, beispielsweise in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Corona lässt Milchpreise sinken

https://www.faz.net/agenturmeldungen/dpa/corona-laesst-milchpreise-sinken-16697101.html

München (dpa) - Die Corona-Krise führt zu Verwerfungen auf dem Milchmarkt. Während die Molkereien Mühe haben, die stark gestiegene Nachfrage in den Supermärkten zu bedienen, stottert der Export, das Geschäft mit der Gastronomie und gewerblichen Kunden ist weitgehend zum Erliegen gekommen.

Auf die Milchbauern kommen deswegen sinkende Preise zu, obwohl die Bürger derzeit rekordverdächtige Mengen an Milch und Milchprodukten kaufen, wie in der Branche berichtet wird. «Wir haben eine extreme Änderung der Warenströme innerhalb sehr kurzer Zeit», sagte Hans-Jürgen Seufferlein, der Direktor des Verbands der Milcherzeuger Bayern.

«Die Aufträge seitens des Lebensmitteleinzelhandels (im Inland) sind aktuell doppelt so hoch wie in einer «normalen» Woche um diese Zeit», sagte Oliver Bartelt, der Sprecher des Deutschen Milchkontors (DMK) in Bremen, der größten deutschen Molkereigenossenschaft.

Die Kunden kaufen demnach vor allem haltbare Milch und Sahne sowie Butter und Käse. «Alle weiteren Segmente verzeichnen aber ebenfalls deutliche Anstiege - teilweise wird die dreifache Wochenmenge bestellt», sagte Bartelt. Die aktuelle Liefermenge bei DMK liegt demnach derzeit 40 Prozent über Durchschnitt.

Doch die Gastronomie kauft deutschlandweit quasi nichts mehr, und der Verkauf ins Ausland ist derzeit ebenfalls sehr schwierig. «Molkereien mit starkem Exportanteil stehen an den Grenzen, und Spediteure sind deutlich länger unterwegs», sagte Markus Drexler, der Sprecher des Bayerischen Bauernverbands.

Die Molkereien haben zwar genug Milch, aber nicht alle können komplett ausliefern. «Bei Verpackungen gibt's wirklich ein Problem», sagte Seufferlein vom Verband der bayerischen Milcherzeuger. Denn Gastronomie-Großpackungen sind für den Einzelhandel ungeeignet: Fünf- oder Zehn-Liter-Milchtüten würde wohl kaum ein Verbraucher nach Hause schleppen. Große Betriebe wie das Milchkontor wissen sich zu helfen, aber kleineren Molkereien fehlt der Maschinenpark, um die Produktion in kurzer Zeit komplett auf den Einzelhandel zu konzentrieren.

Je nach Kundschaft stehen die Molkereien so vor ganz unterschiedlichen Herausforderungen. Manche Betriebe können die Nachfrage kaum bedienen. Doch in Molkereien, die einen Großteil ihrer Produktion an Gastronomie und Gewerbe verkaufen, geht die Existenzangst um.

Für die leidgewohnten Milchbauern sind das keine guten Nachrichten. Mit Ausnahme von Obst und Gemüse ist Deutschland ein Nettoexporteur vieler Agrarprodukte, insbesondere von Butter, Käse und Milch. Das bedeutet, dass im Inland mehr produziert als verbraucht wird.

Doch die internationalen Warenströme sind derzeit stark gestört. In China - das auf Lebensmitteleinfuhren dringend angewiesen ist - sind die Lebensmittelpreise innerhalb eines Monats um 20 Prozent gestiegen, wie die Pekinger Statistikbehörde Anfang der Woche mitteilte.

An den internationalen Terminbörsen für Agrarprodukte aber sinken derzeit die Preise, weil Exportware nach Übersee kaum noch verschifft werden kann. Das werden die Landwirte in Deutschland über kurz oder lang zu spüren bekommen: «Was die Milchbäuerinnen und Milchbauern auf sich zukommen sehen, sind massive Preisrückgänge», sagte Hans Foldenauer, der Sprecher des Bunds deutscher Milchviehhalter.

Das Verhältnis zwischen Milchbauern, Molkereien und Einzelhandel ist ohnehin gestört, weil die Bauern am stärksten unter dem Preisdruck leiden. Die Milchviehhalter fordern deshalb eine Begrenzung der Milchproduktion, damit die Preise nicht in den Keller rauschen.

Quelle: dpa

 

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