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Die Corona-Aldi-Woche

Zwei Schlagworte haben auch die Landwirtwirtschaft im Allgemeinen und die Milchbauern im Speziellen in der vergangenen Woche emotionalisiert: "Corona" und "Aldi". Die Auswirkungen des Auftretens des Coronavirus nach dem Ausbruch in Asien nun auch bei uns quasi vor der Haustüre sind noch nicht abschätzbar: Hamsterkäufe für den privaten Verbrauch, aber Rückgänge beim Absatz im Bereich Gastronomie und Hotelgewerbe prägen ebenso die Diskussion wie die Herausforderungen bei der Logistik Richtung Binnen- und Drittlandsmarkt, ein nach wie vor nachgefragtes Lebensmittel Milch und Milchprodukt bis zum Bestimmungsort Verbraucher zu bringen. Seitens der Milcherzeuger mehren sich die Anfragen, was im Falle einer Erkrankung auf einem Milch erzeugenden Betrieb oder - noch schlimmer - in einem Milch verarbeitenden Betrieb passiert. Trotz aller Vorkehrmaßnahmen in den Molkereien und deren Umfeld gibt es noch nicht auf alle Fragen zufriedenstellende Anworten. An ein Zusammenbrechen der Märkte und der Frage nach dem Verbleib des Rohstoffes darf man öffentlich gar nicht diskutieren; daran denken müssen die verantwortlichen Akteure allemal.

Und nun zu Aldi: Vergangenes Wochenende schreckte eine Meldung die Milchbauern auf, wonach Aldi auch aufgrund interner Umstrukturierung die Kontraktverhandlungen für die Produkte der weißen Linie in diesem Jahr vorziehen und bereits Mitte März zum Abschluss bringen möchte. Und weil der Coronavirus nun tatsächlich den zu Beginn des Jahres sehr stabilen Milchmarkt geschwächt hat, müsse man seitens Aldi diese negative Marktentwicklung "natürlich" bei der neuen Preisfindung einbeziehen dürfen: Die ohnehin schon niedrigen Preise müssen abgesenkt werden! Dass dann aus dieser "Androhung" in den sozialen Medien von engagierten Milcherzeugern gleich ein Milchpreisrückgang von 15 bis 20 Cent pro Liter verbreitet wurde, hat die Milchbauern in rekordverdächtiger Zeit auf ihre Schlepper und vor die Auslieferungslager von Aldi getrieben. Dazu folgten Gespräche mit den Verantwortlichen von ALDI unter anderem mit Vertretern des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und auch von Land schafft Verbindung (LsV).

Überraschendes Ergebnis: Einen Tag nach dem Gespräch beim DBV verkündete Aldi am gestrigen Freitag einen Abschluss für die Teilsegmente der weißen Linie, für ESL-Milch uund H-Milch mit der Milchindustrie. Für die Kontraktperiode vom 1. Mai bis 31. Oktober sollen die abgebenden Molkereien für diese Produkte 5 Cent/Liter Preisaufschlag bekommen. Ein guter erster Schritt, keine Frage! Den hat Aldi aber nicht für die Bauern und auch nicht gegen die Verbraucher getan, sondern allein und nur für sich selbst. Das unter der Woche merklich angekratzte Image auch bei der Verbraucherschaft musste aufpoliert und dem Vorwurf des Bauernvernichters etwas entgegengesetzt werden. Allein die Aussage in der Pressemeldung von Aldi, dass es nach dem gönnerhaften Preisaufschlag - wider jeglicher Regeln von Angebot und Nachfrage - nun wohl an der Milchindustrie läge, wie viel von den 5 Cent nun bei den Milchbauern ankäme, unterstreicht diese offensichtliche Strategie.

Man darf gespannt die kommenden Tage und Wochen abwarten, ob die anderen Akteure des Lebensmitteleinzelhandels diesem gönnerhaften Beispiel von Aldi folgen. Sicher ist das keineswegs, denn der Respekt der Wettbewerber vor Aldi hat in den vergangenen Jahren merklich nachgelassen, der frühere Platzhirsch muss um seine Position kämpfen. Und für meisten bayerischen Milchbauern hat dieser erste Schritt von Aldi allenfalls Signalcharakter: Bayern ist ein Käseland, über die ebenfalls laufenden Kontraktverhandlungen für das Standardsortiment Käse, mit einer Kontraktlaufzeit von April bis September, spricht derzeit fast niemand.

Fast untergegangen ist angesichts des Hypes um die Abschlüsse bei Aldi bei der Konsummilch, dass eben Aldi sich in diesem Monat beim Verkauf von deutscher Markenbutter "historisch" bereichert: Bekanntlich haben die Lebensmittelhändler den Molkereien für den Einmonatskontrakt März einen Preisnachlass von rund 26 Cent/kg abgerungen. Einschließlich des Redaktionsschlusses am 13. März hat Aldi preislich nicht gezuckt, der Ziegel liegt unverändert mit 1,35 Euro/250 g im Regal und wird wahrscheinlich auch nicht mehr angepasst. Wozu auch: Corona-Angst ist die beste Verbrauchsförderung, eine im heimischen Kühlschrank mindestens noch 4 bis 5 Wochen bei bestem Geschmack haltbare Butter, erfreut sich bester Nachfrage. Alle anderen Lebensmittelhändler profitieren auch von der Standhaftigkeit von Aldi beim Butterpreis, weil diese den Preis natürlich auch unverändert belassen. Jetzt darf man gespannt sein, ob nun bei der Konsummilch bei Lidl, Edeka, Rewe und Co. ein Nachziehen erfolgt und ebenfalls 5 Cent/Liter  mehr an die Molkereien fließen. Das wäre der nächste Schritt, aber sicher ist das keineswegs!

 

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