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Bio-Milch im ÖKO-TEST: Qualität und Tierwohl gleichwertig

Die Milch gilt gemeinhin als das wohl bestuntersuchteste Lebensmittel. Das wird bei regelmäßig wiederkehrenden Tests immer wieder bestätigt und trifft auf konventionell erzeugte Milch ebenso zu wie auf Bio-Milch. Dieser Tage hat die Zeitschrift "Öko-Test" nach Überprüfung von 20 Produkten von Bio-Milch das Fazit gezogen: Bio-Milch ist fast immer eine gute Wahl. Die Qualität ist hoch und die Anforderungen an Tierhaltung und Wirtschaftsweise liegen deutlich über dem Standard. Interessant ist allerdings, wie sich bei derartigen Tests im Laufe der Jahre die Untersuchungskriterien verschoben haben. Darauf soll im folgenden Beitrag Bezug genommen werden. Auf eine namentliche Nennung der Produkte und deren Bewertung wird bewusst verzichtet.

Untersucht wurden 20 Bio-Vollmilchen (frisch/traditionell bzw. ESL, mit 3,5 bzw. 3,8 Prozent Fett), die im Kühlregal von Discountern, Supermärkten oder Biomärkten angeboten wurden. Getestet wurden die bekannten Qualitätskriterien, vornehmlich natürlich Inhaltsstoffe und Sensorik, bei letzterem vor allem Geschmack und Haltbarkeit der Milch. Hier hatten die Tester nur sehr selten Anlass für Beanstandungen. Nicht überraschend spielte aber auch das Tierwohl eine eben nicht geringe Rolle für die Gesamtbewertung. Dazu wurden sowohl an die Molkereien wie an eine Auswahl von Milcherzeugern mit Unterstützung der ersten und bis 2017 tätigen Landestierschutzbeauftragten in Baden-Württemberg, Dr. Cornelie Jäger, Fragebögen versandt und nach den Haltungsbedingungen der Milchkühe befragt. Dabei haben die Tester auf den Verzicht der Anbindehaltung und einen verpflichtenden Weidegang besonders Wert gelegt. Und überraschend: Für das Gesamturteil zählten die Analyse der Inhaltsstoffe und das Tierwohl jeweils zu 50 Prozent!

Von den 20 untersuchten Bio-Milchen erhielten zwei Produkte das Prädikat „sehr gut“, elf getestete Produkte wurden mit „gut“ bewertet, fünf mit „befriedigend“ und letztendlich zwei Bio-Milchen nur mit „ausreichend“. Interessant dabei, dass es sich bei den beiden nur mit „ausreichend“ bewerteten Produkten weniger um „Qualitätskriterien“ im eigentlichen Sinne handelte. Es ging bei einem Produkt um einige Aspekte des Tierwohls: Kühe teilweise angebunden, keine ausreichende Anzahl von Fress- und Liegeplätzen, kein regelmäßiger Weidegang und keine ausreichende Rückverfolgbarkeit einzelner Chargen zu den Höfen. Bei einem weiteren Produkt ging es  einfach darum, dass das Unternehmen die Fragen nicht beantwortete und durch diese „glatte 6“ wegen Intransparenz in der Gesamtbewertung nur „ausreichend“ erhielt.

Andererseits wurde in zwei Milchen Auffälligkeiten bei der Schadstoffanalyse festgestellt: Laut Laborbefund wurden hier auffällige Mengen des Keims Bacillus cereus festgestellt. Einige Stämme dieses Bakteriums können bei empfindlichen Personen Magen-Darm-Probleme zur Folge haben oder auch Einfluss auf den schnelleren Verderb des Lebensmittels Milch nehmen. Interessant: Trotzdem erhielten beide Milchen das Gesamturteil „gut“.

Die Bio-Vollmilch stammte aus Betrieben mit unterschiedlicher Größenstruktur: Ein Betrieb mit 1000 Milchkühen war genauso anzutreffen wie eine größere Zahl, die zwischen 10 und 50 Kühe halten. Kritisiert wurde, dass lediglich bei vier Verarbeitern belegt werden konnte, dass keine Milch aus Anbindehaltung enthalten ist. Einige Bio-Kühe verbrächten nicht einen Tag ihres Lebens auf der Weide, wurde moniert, und gelten trotzdem als "bio". Der Irrglaube, dass nur über den Goldstandard Weidehaltung den Milchkühen ausreichend Bewegung gewährt werden kann und "glücklich" sind, scheint im Biobereich genauso ausgeprägt zu sein wie in der konventionellen Haltung. Dabei müssen sich die Bio-Milcherzeuger in jedem Fall an die gesetzlichen Mindeststandards der EU-Öko-Verordnung halten.

Nicht teilen kann der VMB die Aussage im Test, wonach der Verbraucher ob der doppelt so hohen Bio-Milchpreise im Vergleich zur konventionell erzeugten Milch „schon schlucken“ müsse. Das kommt immer auf den Vergleich an: Die Spanne der Preise für die Bio-Eigenmarken – ob im Discounter oder im Biomarkt derzeit bei 1,09 Euro/Liter – und der Molkereimarken mit bis zu 1,69 Euro/Liter ist vergleichbar mit der bei konventionell erzeugter Vollmilch, bei der die Regalpreise derzeit zwischen 0,79 und 1,29 Euro liegen. Die Fragebögen haben zudem ergeben, dass die Biomilcherzeuger mit den eigentlich respektablen Preisen alles andere als zufrieden sind. Und wie der VMB schon an anderer Stelle recherchiert hat: In den südbayerischen Läden von Edeka, Netto und Penny steht fast ausnahmslos Biomilch (traditionell bzw. ESL) von Molkereien aus dem Nachbarland Österreich im Kühlregal. Bei H-Milch sähe das noch etwas anders aus. Die war aber nicht Gegenstand des ÖKO-Tests.

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