02.11.2018

Lebensmitteleinzelhandel

Weiße Linie nur mit Almosen

Alle sechs Monate werden von den Milchbauern, der gesamten Milchbranche und mittlerweile auch von den Medien mit Spannung die Ergebnisse der Kontraktverhandlungen für die so genannte weiße Linie erwartet, sind sie doch neben der gelben Linie einer der Eckpfeiler der Milchpreise für die kommenden Monate.
 
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Um es vorweg zu nehmen: Die Hoffnung auf eine Revidierung der im Frühjahr fast erdrutschartig gesunkenen Preise vor allem für Konsummilch haben sich nicht erfüllt. Das gleiche Urteil gilt auch für die weiteren Produkte der "weiße Linie" (Eigenmarken des Lebensmitteleinzelhandels), zu denen neben den Konsummilchen frisch, ESL und H-Milch vor allem noch Quark/Topfen, Sahne, Kondensmilch, Kaffeesahne und weitere sahnehaltigen Milchprodukte zählen.
 
Wie gesagt, das Ergebnis ist ernüchternd: Der Abgabepreis bei den Molkereien und auch für den Verbraucher für einen Liter Vollmilch (3,5 Prozent Fett) in den Varianten H-Milch, ESL-Milch und Frischmilch stieg von bisher 69 Cent einen ganzen (!) Cent auf nunmehr 70 Cent pro Liter, nachdem im Frühjahr die Konsummilchen um 9 Cent billiger gemacht wurden. Auch bei der fettarmen Milch (1,5 Prozent Fett) gab es eine Steigerung um einen Cent auf jetzt 62 Cent pro Liter für den Verbraucher, nachdem der Preis im Frühjahr - im Vergleich zur Vollmilch - nur um 7 Cent zurückgenommen wurde. Bei der Bio-Milch mussten die Molkereien dagegen sogar einen Rückgang um wenige Cent/Liter verkraften, im Verkauf für den Verbraucher blieben die Preise dank der schützenden Hand des Handels über die Bio-Milch stabil. In diesem Segment bleibt der Preis bei Vollmilch in der Variante mit 3,8 Prozent Fett bei 1,05 Euro/Liter. ebenso bei der fettarmen Variante auf dem Niveau von 95 Cent/Liter.
 
Unverändert verharren die Preise für Quark/Topfen und Magerquark (500 g) - nach der Absenkung im Frühjahr um 14 Cent - auf den bisherigen 69 Cent/500 g; das gleiche gilt es für die Einheiten mit 250 g zu berichten: Für die fetthaltigen Varianten (20 und 40 Prozent) Quark/Topfen steht der Preis weiterhin bei nur 49 Cent. Ebenfalls einen "Almosen-Cent" gab es für die verschiedenen Produkte bei Kondensmilch: Die Varianten mit 4, 7,5 und 10 Prozent Fett kosten jetzt - auch um diesen einen Cent angehoben - 50, 56 sowie 66 Cent. Das Kaffeekännchen verblieb bei den bisherigen 39 Cent, die Kaffeesahne in Portionen stieg sogar um 2 Cent auf jetzt 57 Cent an. Dagegen unverändert auf bisherigen Preisniveau verblieben die haltbare und die frische Schlagsahne mit 200 g auf 65 Cent, Creme fraiche kostet ebenfalls stabil weiterhin 69 Cent.
 
Fazit der Abschlüsse: Die Milcherzeuger hatten sich deutlich mehr erhofft! Einerseits sind auf den Betrieben in den kommenden Monaten noch die Folgen der heurigen Dürreperiode zu schultern, mit steigenden Futterkosten in vielen davon zum Teil stark betroffenen Regionen Deutschlands. Andererseits hätten die in den letzten Wochen während der Verhandlungsphase unter die Linie des Vorjahres gefallenen Milchanlieferungsmengen mehr Rückenwind geben können. Nachdem der Kontrakt bis Ende April 2019 Gültigkeit hat, wird man sehen, wie die Molkereien dann an die notwendige Rohmilch herankommen, um zu den von ihnen vereinbarten Konditionen auch die vertraglich vereinbarten Mengen zu liefern. Es wird für die eine oder andere Molkerei dank Spotmarkt weniger eine Frage der Verfügbarkeit denn der Kosten. Die Milcherzeuger werden, sofern ihre gute Milch an einen spezialisierten Verarbeiter der weißen Linie mit hohem Anteil Discountware geht, in den kommenden Monaten wohl mehr Wertschätzung als die dringend notwendige Wertschöpfung in Form eines spürbar steigenden Milchpreises erhalten.