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Wir bayerischen Milchbauern

Manuela Thalhammer

betreibt mit ihrer Familie ein Hofcafe im niederbayerischen Aham. Von den Gästen erntet sie viel Lob für ihre kreativen Torten sowie Sauberkeit und Atmosphäre im Cafe.

Milchwirtschaft hautnah im Stoi-Cafe

Leckeren Kuchen essen und dabei das Treiben im Kuhstall beobachten - im Stoi-Cafe von Manuela Thalhammer können die Gäste das echte Landleben kennenlernen.

Aus Tradition Familienbetrieb „Den Hof in Aham können wir bis in die achte Generation zurückverfolgen. Heute leben und arbeiten hier drei Generationen. Mein Mann Josef (43) verantwortet die Feld- und Waldarbeiten, und zusammen mit mir kümmert er sich um das Melken. Ich habe die Gesundheit und die Besamung der Tiere im Blick, mache die Buchführung, betreibe das Cafe und führe den Haushalt. Meine Schwiegereltern, die uns den Hof 2012 übergeben haben, arbeiten ebenfalls mit. Tobias (17), unser Sohn, steht in den Startlöchern, um die Tradition weiterzuführen. Schon als Kind wollte er unbedingt Bauer werden. Gerade absolviert er sein Berufsgrundschuljahr für Landwirtschaft. Sophia ist mit zwölf Jahren das Nesthäkchen des Hofs. In der Coronazeit hat sie plötzlich eine Backleidenschaft entdeckt, die ich von mir selber kenne.“

Mehrere Standbeine  „Zum Betrieb gehören 65 Hektar Acker- und Grünland als Futtergrundlage für die Tiere. Aus den 27 Hektar Wald verkaufen wir unter anderem die Hackschnitzel. Neben der Milchkuhhaltung betreiben wir die weibliche Nachzucht. Und natürlich generieren wir mit meinem Herzens-projekt, dem Stoi-Cafe, zusätzliches Einkommen.“

Milcherzeugung ist wichtig   „Milchkühe gab es auf dem Hof immer. Wir haben nach der Übernahme den offenen hellen Laufstall und das Cafe neu gebaut. Im Durchschnitt gibt jede der 150 Kühe hier 30 bis 35 Liter Milch pro Tag. Uns ist wichtig, dass die Tiere ein langes Leben haben. Die älteste Kuh ist immerhin schon zehn Jahre alt. In der Herde geht es sehr relaxt zu. Die Tiere lieben es, sich mit der Kuhbürste zu schrubben oder an heißen Tagen unter der Kuhdusche abzukühlen. Täglich um 6:00 Uhr früh starte ich mit Josef die erste Runde melken. Am Melkkarussel können wir gleichzeitig 22 Kühe versorgen. Nachmittags wird um 16:30 Uhr das zweite Mal gemolken. Im Cafe sorgt das für große Attraktion, weil man von dort oben zuschauen kann. Abgeholt wird die Milch vom Milchwagen des Hofmeister Käsewerks in Moosburg. Wir sind sehr stolz, dass unsere Milch immer mit der höchsten Güteklasse 1 bewertet wird.“

Corona und das Hofleben  „Bei der Landwirtschaft hat sich nichts verändert. Mit dem Bewirtungsverbot ist uns aber ein wichtiger Einkommenszweig weggebrochen. Aber auch jenseits des Geldes, ich freue mich sehr darauf endlich meine Gäste wiederzusehen.“

Herzensprojekt Stoi-Cafe  „Es war meine Idee und ist bis heute meine Leidenschaft. Schon als Kind, so erzählen es meine Eltern, wollte ich ein Hotel haben. Jetzt ist daraus das Hofcafe geworden. Anfänglich waren alle skeptisch, aber längst ist die Familie ebenfalls begeistert. Seit sieben Jahren öffnen wir nun jeden Sonntag und an Feiertagen. Ich serviere zum Brot Marmelade aus dem eigenen Gartenobst und nur selbst gebackenen Torten und Kuchen. Bis zu 14 Torten muss ich für einen Sonntag backen. Zur Brotzeit gibt es unter anderem Rohmilchkäse, den wir aus der eigenen Milch käsen lassen. Würstchen, Suppe oder Eis stehen ebenfalls auf der Karte. Natürlich servieren wir frische Milch, die die Kinder mit Kaba lieben. Erwachsene bestellen sie gerne als warme Milch mit Honig.“

Idyllische Lage „Unser Hof hat Alleinlage, ist umgeben von saftigen Wiesen, Wald und Getreidefeldern. Bis zum Dorf Aham ist es von hier 4 km. Viele Gäste kehren nach dem Wandern bei uns ein. Häufig kommen Landfrauengruppen. Auch Bauern, die ihren Hof aufgegeben haben, lieben das Cafe, weil sie auf eine authentische Atmosphäre und auf Kollegen treffen. Zum Glück hatten wir von Beginn an viel Zuspruch.“

Besondere Atmosphäre  „Ich nehme mir Zeit für meine Gäste. Tatsächlich fehlen mir momentan die vielen Gespräche, die oft sehr familiär sind. Darum haben mich die vielen Weihnachtgrüße im letzten Jahr berührt. Viele schrieben, wie sehr sie uns und das Café vermissen. Auch im Gästebuch stehen Komplimente wie beispielsweise das der Herzoglichen Hofgilde der Landshuter Hochzeit („dankeschön für die tolle Betriebsführung und die grandiose Bewirtung. So perfekt durchdacht und für die Sauberkeit: Note 1“). So etwas freut mich sehr.“

Lebensmittel aus der Region  „Ich will wissen, wo meine Zutaten herkommen und kaufe immer regional. Eigene Produkte, wie unsere Rohmilchkäse bieten wir als Andenken zum Kauf an. Ebenso wie handgeschöpfte Schokolade mit dem Stoi-Cafe-Logo.“ 

Erlebnisbauernhof und Hofführungen  „Als Fan traditioneller Kuhglocken tragen bei uns im Stall sieben Kühe eine, so dass es ein bisschen wie auf der Alm klingt. Wenn Kinder aus der Stadt den Hof besuchen, höre ich zu Beginn oft „hier im Stall stinkt es“. Oder ich sehe Ängste, die Tiere zu streicheln. Das löst sich aber schnell auf. Leider wissen viele Kinder nicht, wo Milch herkommt und wie sie entsteht. Wenn wir Kindergeburtstage veranstalten, gehen wir in den Stall. Dort zeige ich, was eine Kuh pro Tag alles frisst und trinkt und wie viel Milch sie daraus macht. Die Kids können hier ihre eigene Butter schütteln und zum frischen Brot essen. Das ist ein großer Spaß und schmeckt ihnen großartig.“

Teil der BR-Landfrauenküche  „Es war eine besondere Zeit, als ich 2016 an der vierten Staffel teilnehmen konnte. Das prägt fürs Leben. Beim Drehtermin auf dem Hof servierte ich eine niederbayerische Brotzeit als Begrüßung. Meine sommerlichen Törtchen am Ende des Menüs landeten in unserer Staffel sogar auf dem ersten Platz bei den Nachspeisen. Im Landfrauenkochbuch, das ich im Cafe verkaufe, sind unter anderem meine Rezepte von diesem Tag zu finden.“ 

© VMB | Interview: Elke Hoffmann | Juni 2021 | Foto: Thalhammer

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