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Wir bayerischen Milchbauern

Franz Obereisenbuchner

stellte den elterlichen Betrieb auf Bio-Heumilch um.

Bio-Heumilch aus dem Alztal

Mit Weidegang und Heufütterung der Kühe legt Milchbauer Franz Obereisenbuchner die Basis für Bio-Heumilch aus dem Alztal. Auf dem Hof entstehen daraus feine Frischmilchprodukte, köstliche Bauernbutter und besondere Käsesorten.

Der Hof „Als einziger Sohn war immer klar, dass ich den Hof übernehme. Die richtige Begeisterung darüber kam aber erst in meinem letzten Lehrjahr zum Landwirt auf. Da war ich auf einem Biobetrieb mit Hofmolkerei und Vermarktung. Die Ideen und Konzepte dort haben mich sehr inspiriert.“

Familienbetrieb  „Auf dem Hof leben wir gemeinsam mit den Eltern. Mein Vater ist noch aktiv in der Landwirtschaft und auf den Wiesen und Feldern dabei. Meine Frau Magdalena arbeitet als Lehrerin, und unsere drei kleinen Kinder erfahren, was das bäuerliche Leben heißt. Mir persönlich ist die Zeit mit meiner Familie sehr wichtig. Ob ein Kind mal in meine Fußstapfen treten wird? Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man das wollen muss. Manchmal braucht genau das Zeit.“

Ausbildung  „Nach der Ausbildung zum Landwirt habe ich Molkereifachmann gelernt und später den Abschluss zum Betriebswirt im ökologischen Landbau gemacht.“

Milchkühe  „Ob Biokühe glücklicher sind? Da man in die Tiere nicht hineinschauen kann, weiß ich es nicht. Aber in der Tendenz stimmt das. Seit wir 2003 mit der Weidehaltung für unsere 60 Milchkühe und mit der Umstellung auf Bio begonnen haben, werden die Kühe älter und die Gesundheit der Tiere ist besser. Mich fasziniert der Biogedanke.“

Weidehaltung  „Unsere Tiere haben vom Stall, von April bis Oktober, Tag und Nacht freien Zugang zur Weide. Auf den 24 Hektar Weideland wächst artenreiches Gras, weil die Wiesen nur von den Kuhfladen gedüngt werden. Zusätzlich füttern wir das eigene Heu und Getreideschrot. Eine zukunftsweisende Investition war der Bau der Heutrocknungsanlage, die 400.000 Euro gekostet hat. Viel Geld, nur damit man anders füttern kann! Aber es hat sich gelohnt. Unsere Milchinhaltsstoffe sind seither herausragend, mit einem besonders hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren. Wir ernähren die Kühe vollständig vom eigenen Gras, Heu und kleinem Ackerbau.“

Hofmolkerei  „Die Basis legte meine Ausbildung zum Molkereifachmann bei Meggle in Wasserburg am Inn. Ein super Ausbildungsbetrieb! Ab 2011 habe ich dann die Alztaler Hofmolkerei aufgebaut. Heute liegen die Anfängerfehler hinter uns, und meine Mitarbeiter sind alle sehr gut eingearbeitet. Normalerweise bieten wir Hofführungen und Käsekurse an, bei denen man durch die Glasfronten einen Blick auf die Produktion werfen kann oder selbst eigene Käse produziert. So bekommen die Besucher wirklich etwas zu sehen. Wegen Corona fällt das zurzeit aber aus.“

CO-2 neutral  „Die CO-2 neutrale Produktion gehört zu meiner ganzheitlichen Auffassung beim Wirtschaften. Der größte Teil der Heizenergie kommt aus dem eigenen Wald und direkt von der Sonne. Bei allen Anlagen nutzen wir Wärmerückgewinnungsprozesse, damit der Energiebedarf insgesamt niedrig bleibt. Für den Strombedarf gibt es Photovoltaikanlagen mit großem Batteriespeicher.“

Biosortiment  „Nach dem Melken wird die Heumilch sofort pasteurisiert. Frischer geht´s nicht! Wir verzichten auf das Homogenisieren, sodass unsere Milch noch aufrahmt. Zum Sortiment gehören Joghurt, Rahm und Rahmprodukte wie Crème Fraîche oder Sauerrahm. Neben Bauernbutter bieten wir frische Buttermilch, die bei der Butterherstellung anfällt. Außerdem erzeugen wir Schnittkäse und Frischkäse. Aus der Molke, die bei der Käseherstellung entsteht, wird Ricotta gewonnen. Graukäse, Hüttenkäse, Topfen oder Bröseltopfen wird aus der Magermilch hergestellt. Wir verarbeiten also alles, was bei der Herstellung anfällt.“

Biobauernbutter „Ich biete naturbelassene traditionelle Sauerrahmbutter. Meine Butter schmeckt wie früher. Frischer, säuerlicher als andere, genau das ist gewollt. Das Formen und Verpacken ist hier alles Handarbeit. Darum kostet die Butter bei uns auch mehr als anderswo.“

Verkaufsstellen „Wir verkaufen viel über die regionalen Bauernmärkte in eigenen Verkaufswagen. Die stehen auf elf Märkten im Landkreis Altötting, Mühldorf, Traunstein und München. Außerdem kann man auf dem Hof ein kleineres Sortiment im Selbstbedienungskühlschrank kaufen und an der Milchtankstelle rund um die Uhr frische Milch abfüllen. Zudem ist der Bio-Großhandel Tagwerk ein wichtiger Partner.“

Coronafolgen „Am Anfang war sehr viel Unsicherheit. Alle unsere Gastronomie- und Hotelkunden fielen plötzlich weg; dafür gab es einen großen Ansturm auf die Wochenmärkte. Das hat den Betrieb natürlich durcheinander gewürfelt. Rückblickend betrachtet ist der Einfluss der Pandemie auf das Geschäft zum Glück gering, wir kommen gut durch. Und die Kühe geben sowieso weiter Milch.“

Milchbauerdasein „Ich arbeite als Landwirt, als Molkereifachmann und als Manager in der Administration. Die vielen Herausforderungen machen mir wirklich Spaß. Zu meinem Faible für technisch-physikalische Prozesse passt die Kombination mit der Molkerei sehr gut. Den eigenen Betrieb leiten, ihn weiterentwickeln, ist eine große Motivation. Ich schaue beim Arbeiten nie auf die Uhr und bin oft überrascht, dass der Tag schon wieder um ist. Nur längerer Urlaub ist schwierig. Mehr als eine Woche am Stück ist momentan nicht drin.“

© VMB | Interview: Elke Hoffmann | Oktober 2020 | Foto: Franz Obereisenbuchner

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