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Wir bayerischen Milchbauern

Allgäuer Hof-Milch

Matthias Haug und Johannes Nußbaumer gründeten 2016 die "Allgäuer Hof-Milch GmbH".

Erfolgsgeschichte Heumilch

Wie kaum ein anderes Unternehmen in der Milchbranche hat die „Allgäuer-Hofmilch GmbH“ in den vergangenen beiden Jahren Erfolgsgeschichte geschrieben. 78 Milchbauern aus dem Allgäu liefern heute den Rohstoff: Heumilch in konventioneller und in Bio-Qualität. Rund hundert weitere stehen auf der Warteliste. 17 Millionen Liter Milch sollen 2019 verkauft werden. 

Rosarot leuchtet die lebensgroße Kunststoffkuh in der Sonne. Dort, wo die Kühe eigentlich braun sind. Und genau dort, wo einst Carl Hirnbein die Milchwirtschaft ins Allgäu brachte. Am Maienhof in Unterwilhams im Oberallgäu. Dort haben zwei mutige Startup-Unternehmer knapp 150 Jahre nach Hirnbeins Tod der guten alten Heumilch in Deutschland zur Renaissance verholfen. Käsemeister Johannes Nußbaumer (35) und Molkereitechniker Matthias Haug (41) verarbeiten und vermarkten viele Millionen Liter Milch von Kühen, die ausschließlich mit Heu und Gras gefüttert wurden. Und treffen dabei offensichtlich nicht nur den Nerv der Zeit, sondern auch den Geschmack der Kunden.

Mit gerade mal 700.000 Liter Heumilch und Rewe-Süd als Vertragspartner ging das Startup-Unternehmen „Allgäuer Hof-Milch GmbH“ im Dezember 2016 an den Start. Heute, genau zwei Jahre später, hat die Molkerei eine Erfolgsgeschichte geschrieben, die ihresgleichen sucht. Nußbaumer und Haug können es selbst kaum glauben: 11 Millionen Liter Allgäuer Heumilch haben sie 2018 verkauft, erzählen sie bei unserem Besuch. 17 Millionen sollen es 2019 werden. Peppig designed mit der rosa Kuh im Logo und stylisch verpackt als Frischmilch, Käse, Joghurt, Butter und Rahm erobert die Allgäuer Hof-Milch derzeit die Regale der Rewe-Filialen in ganz Bayern, Hessen und dem Saarland. Vera Pollmanns, verantwortlich für regionale Produkte bei Rewe-Süd, ist begeistert. „Als die beiden vor zwei Jahren zu uns kamen, hatten die nichts als einen Bauplan und eine gute Idee, die uns gefiel. Wir haben ja gesagt. Und sind mit dieser Entscheidung richtig gelegen. Die Heumilchprodukte der Allgäuer Hof-Milch haben sich in unseren Supermärkten in kürzester Zeit etabliert. Wir freuen uns über einen stetigen und guten Absatz. Mit Luft nach oben.“ Für den Verbraucher sei heute Transparenz sehr wichtig, meint Vera Pollmanns. Er wolle nicht nur gute Qualität, sondern eben auch viel Information über den Prozess, der hinter einem Produkt steht. „Themen wie Regionalität, Nachhaltigkeit und Tierwohl nehmen einen immer größeren Raum ein“, meint sie. Deshalb sei der Kunde auch bereit, 1,39 Euro für den Liter Frischmilch und 1,69 Euro für den Liter Biomilch zu bezahlen. „Regionale, qualitativ hochwertige Produkte, die faire Preise für den Erzeuger garantieren, stehen bei unseren Kunden hoch im Kurs“.

Nußbaumer und sein Freund Haug, die sich schon während der Molkereilehre vor über 20 Jahren kennengelernt hatten, tüftelten gerade an dem Konzept zur Vermarktung von Heumilch. Ein Konzept, das den Landwirt, seine Arbeit und sein Produkt in den Mittelpunkt stellen sollte. „Ein fairer und konstanter Milchpreis stand im Fokus unserer Überlegungen. Ein Milchpreis von 40 Cent“, erzählt Nußbaumer. Doch um dies zu verwirklichen, mussten sie erst eine Molkerei bauen. Das kostete Geld. Viel Geld. Mit einem ausgefeilten Konzept gingen die beiden zu diversen Banken, zu Lebensmitteleinzelhandelsketten und an die regionale Presse. Und hatten Erfolg. Der Handelsriese Rewe sagte ja, die Banken gaben Geld und die Schlagzeile in der Allgäuer Zeitung „Suchen Allgäuer Heumilch – bieten 40 Cent“ ließ bei den beiden das Telefon nicht mehr ruhig stehen. Der erste Vertragspartner war die Landwirtsfamilie Fischer. Haug und Nußbaumer begannen mit dem Bau der Molkerei in Missen. Investition: 3,2 Millionen Euro. Am 6. Dezember starteten sie mit der Frischmilch-Produktion. Mit der Milch von 90 Kühen aus Waltenhofen.

Die „Allgäuer Hof-Milch GmbH“ schließt mit ihren konventionellen Lieferanten Verträge über fünf Jahre ab. Mit den Bio-Heumilch-Lieferanten über einen Zeitraum von drei Jahren. Für den Liter Heumilch gilt der Preis von 40 Cent, für Biomilch zahlt die Molkerei im aktuellen Vertrag 52 Cent. „Außerdem haben wir die Quote wieder eingeführt“, grinst Nußbaumer. Denn die jeweilis vereinbarte Liefermenge pro Lieferanten dürfe keinesfalls überschritten werden. „Das gibt auch uns eine gewisse Planungssicherheit. Wir wollen keine Milchpreisverhandlungen führen. Die Zeit und Energie stecken wir lieber in die Vermarktung“, ergänzt Haug. Den Hof-Milch-Lieferanten gehe es aber nicht in erster Linie um einen konstanten Milchpreis meint Nußbaumer. Er selbst bewirtschafte zuhause in Oberstaufen mit seiner Familie einen Bio-Heumilch-Betrieb mit 30 Kühen. „Die meisten unserer Bauern haben schon vor der Firmengründung Heumilch produziert, weil sie davon überzeugt sind, dass das besser für die Tiere ist. Und dafür wollen und müssen sie auch hinstehen. Jeder unserer Lieferanten ist verpflichtet, bei Marketing-Aktionen mitzumachen.“ Zum Beispiel bei Messeauftritten.„Sie hätten sehen sollen, mit welcher Begeisterung die Landwirte bei der diesjährigen Allgäuer Festwoche rosarote Luftballons aufgeblasen haben“, erzählt Haug.

© VMB | November 2018 |  Text: S. Lorenz-Munkler | Fotos: Allgäuer Hof-Milch


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