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Wir bayerischen Milchbauern

Erwin Schwarz

aus Burggrub bringt als Delegierter oberfränkische Anliegen in den Verband der Milcherzeuger (VMB) ein.

Klarer Verfechter der Genossenschaftsidee

„Wenn Ehrenamt Spaß macht, dann ist das keine Arbeit.“ Das sagt Erwin Schwarz, seit 2011 Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes in Kronach, seit 1998 stellvertretender Vorsitzender des Maschinenrings Coburg-Kronach-Lichtenfels und seit 22 Jahren ehrenamtlich für die Milchwerke Oberfranken-West tätig, davon seit zwölf Jahren als Vorstandsmitglied. Der 58-Jährige ist außerdem bei der Raiffeisenbank Mitwitz-Stockheim-Küps, im Landschaftspflegeverband, im Verein der Ökologischen Bildungsstätte sowie bei der Maschinenring-Tochter MARA aktiv, jeweils an führender Stelle tätig. Für den Verband der Milcherzeuger Bayern (VMB) bringt er als Delegierter die oberfränkischen Anliegen ein.

Für jeden anderen wäre das alles schon genug, denn der Tag hat eben einmal nur 24 Stunden. Bei Erwin Schwarz scheint dies anders zu sein. Er bewirtschaftet so ganz neben bei noch rund 200 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche, auf der er unter anderem Raps, Winterweizen und Wintergerste, Silomais, Kleegras und Triticale anbaut. In dem 1992 errichteten Laufstall und einem weiteren 2003 gebauten Außenklimastall gleich hinter dem Wohnhaus stehen 180 Milchkühe. Zwei Fremdarbeitskräfte beschäftigen er und seine Frau Ute auf dem Hof in Vollzeit, dazu kommt die junge Auszubildende Tina Wenske aus Redwitz.

„Es geht viel über das Telefon, deshalb dauert das Frühstück auch immer etwas länger“, verrät der Landwirt, der den Hof in Burggrub, einem Ortsteil der Gemeinde Stockheim im oberfränkischen Landkreis Kronach, 1985 nach dem Tod seines Vaters übernommen hatte. Außerdem gibt es ja nicht immer nur Probleme. Vieles läuft auch glatt, abgesehen vom schlechten Handy-Empfang hier in Burggrub.

„Da, wo man etwas ändern kann, da werde ich es auch versuchen“, zeigt sich Erwin Schwarz selbstbewusst und erinnert an den 2. Juni 2017. Damals hatte er eine Demonstration gegen einen möglichen Nationalparkt Frankenwald angeregt und damit mehrere hundert Land- und Forstwirte mit rund 120 Schleppern, landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Holztransportern mobilisiert.

Auch der Milchstreik vor einigen Jahren sei so ein Ärgernis gewesen. Nicht bei den Milchwerken Oberfranken-West, einem der international führenden Hersteller von Käsespezialitäten mit Sitz in Meeder bei Coburg. „In Gebieten mit Genossenschaften war meist Ruhe“, sagt Erwin Schwarz und zeigt sich als klaren Verfechter der Genossenschaftsidee. Allerdings müsse er seinen Berufskollegen immer wieder erklären, dass sie es sind, denen die Molkerei (mit)gehört. Die Bauern hätten ein Mitspracherecht, etwa, wenn es um anstehende Investitionen geht. Und sie würden regelmäßig informiert, zum Beispiel in der jährlichen Generalversammlung oder in den Gebietsversammlungen draußen in den Regionen. Von den gut 800 Milchlieferanten, die nicht nur aus Franken und dem angrenzenden Gebieten in Thüringen sondern sogar aus Hessen kommen, würde dies alles bestens angenommen, so dass Erwin Schwarz die Genossenschaft bestens aufgestellt sieht.

Überhaupt sieht Erwin Schwarz die genossenschaftliche Idee etwas zu kurz gekommen. Etwa 50 Prozent der Milch in Bayern würden in Genossenschaften verarbeitet. Trotzdem sei der Stellenwert der Genossenschaften gering, weil sie nicht so in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Dabei seien gerade die Genossenschaften der Garant für einen guten Milchpreis.

Allerdings treibt Erwin Schwarz und seine Frau Ute noch ein ganz anderes Problem um. Er führt seinen Hof mindestens in der sechsten Generation. Bis zurück zum Jahr 1750 sei die Hofstelle nachweisbar. Doch nun ist die Zukunft offen. Obwohl das Paar drei Kinder hat, machte es Erwin Schwarz beim letzten Kreiserntedankfest öffentlich, „um Spekulationen vorzubeugen“, wie er sagt: „Wir suchen ein Hofnachfolger. Die älteste Tochter Yvonne (37) geht sowohl beruflich als auch privat andere Wege, Sohn Erich (32) ist als Maschinenbauingenieur in Amerika tätig und der jüngste Sohn Uwe kann den Betrieb aufgrund einer Behinderung nicht übernehmen.

„Wer führt unser Lebenswerk weiter?“, diese Frage treibt die Familie Schwarz seit geraumer Zeit um. Vielleicht sind es die derzeitigen Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft, vielleicht ist es die schwach strukturierte Gegend in Sichtweite zum ehemaligen Eisernen Vorhang. Bisherige Interessenten seien abgesprungen, sie hatten sich die Landwirtschaft irgendwie anders vorgestellt. Auch unter den zwölf Auszubildenden der zurückliegenden Jahre sei kein geeigneter Interessent gewesen. „Und das, obwohl der Betrieb von seiner Größe her leicht ein gesichertes Einkommen bietet“, zuckt Erwin Schwarz mit den Schultern. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt.

© VMB | Dezember 2018 |  Text: Stephan Herbert Fuchs | Fotos: VMB


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