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Rund ums Tier

Fast jeder zweite Milchviehbetrieb Deutschlands befindet sich in Bayern. Die bayerische Rinder- und Milchviehhaltung unterliegt jedoch einem anhaltenden Strukturwandel.


Rinderhaltung in Bayern | Vom Jahr 2000 bis 2017 halbierte sich die Zahl der Milchkuhhalter auf rund 30.500 mit im Durchschnitt 39 Kühen pro Betrieb. Die Anzahl der Milchkühe lag 2017 bei 1,18 Millionen. Bei den Haltungsformen gibt es enorme Veränderungen.

Anbindestall

Der Anbindestall ist ein Stall für Nutzvieh, in dem die Tiere an einem Platz fixiert sind. Insbesondere bei Rindern ist diese Haltungsform in Europa noch gebräuchlich. Im Süden Deutschlands finden sich häufiger Anbindeställe als im Norden.


Laufstall

Viele landwirtschaftliche Betriebe wechseln von der Anbindehaltung zur Laufstallhaltung. Diese ermöglicht ein artgerechteres Sozialverhalten, erhöht den Tierkomfort und ist bei größeren Beständen effizienter. Die Tiere können sich im Stall frei bewegen.
Es gibt unterschiedliche Formen von Laufställen in der Milchviehhaltung.

  • Ein Boxenlaufstall hat beispielsweise für die Kühe einzelne Liegeplätze, die getrennt von der Lauffläche sind. Die Liegeboxen sind entweder tief und mit Einstreu aufgefüllt oder hoch und mit speziellen Kuhmatratzen versehen. Der Boxenlaufstall wird mit befestigtem oder teilbefestigtem Boden ausgeführt: Dieser ist planbefestigt oder mit Spaltenboden oder eine Mischform von beiden.
  • Tieflaufställe sind dagegen mit Einstreu. Hier gibt es keine Trennung von Laufbereich und Liegeplatz. Sie sind besonders geeignet für Jungtieraufzucht und Bullenmast, allerdings verbrauchen sie das meiste Stroh, sind sehr arbeitsaufwändig beim Entmisten und haben den größten Flächenbedarf.

Der Laufstall ist bei Stallneubauten Standard, da er Vorteile bezüglich der Tiergesundheit und der Arbeitswirtschaft aufweist. Des Weiteren hat sich gezeigt, dass durch den verbesserten Kuhkomfort speziell in der Milchviehhaltung eine Steigerung der Milchleistung zu erwarten ist. 


Haltungsformen in Bayern

Die Milchviehhaltung in Bayern ist geprägt von vielen kleineren und mittleren bäuerlichen Familienbetrieben. Rund die Hälfte der circa 30.000 Milchviehbetriebe in Bayern hält ihre Tiere in Anbindehaltung ganzjährig sowie in Kombination mit Weidegang oder mit sonstigen Bewegungsmöglichkeiten – das entspricht circa 30 Prozent der Kühe und 25 Prozent der Milchmenge. Die Ställe mit Anbindehaltung entsprechen dabei den gesetzlichen Anforderungen, und eine enge Bindung zwischen Tierhalter und Tieren sowie ein verantwortungsvoller Umgang mit den Tieren stehen auch hier im Vordergrund. Auch in Bayern strebt man die flächendeckende Laufstallhaltung oder Kombihaltung an. Es gibt jedoch verschiedene Gründe, warum Betriebe nicht sofort Baumaßnahmen umsetzen können (beispielsweise die finanzielle Situation, fehlender Platz oder fehlende Planungssicherheit bei unsicherer Hofnachfolge). Die gesellschaftliche Bedeutung der kleinen Milchviehbetriebe mit Anbindehaltung sowohl für die Landschaftspflege als auch für die Bewirtschaftung von Grünland ist jedoch groß. Denn es sind gerade diese Betriebe, die kleinteilige Grünlandflächen, Hanglagen und andere ökologisch wertvolle Grenzstandorte pflegen und erhalten und somit für den Klima- und Bodenschutz sowie für den Erhalt der Artenvielfalt sorgen.


Weiterentwicklungsansätze weg von der Anbindehaltung

Um den Milchstandort Bayern zu erhalten und einen Strukturbruch gerade bei den kleineren bäuerlichen Familienbetrieben zu verhindern, unterstützt Bayern die Betriebe bei ihrer Weiterentwicklung weg von der ganzjährigen Anbindehaltung konkret durch finanzielle Förderung mit dem Ziel des Laufstallneubaus sowie durch gezielte Beratung bei der Weiterentwicklung der bestehenden Anbindeställe. Dies erfolgt insbesondere über die verstärkte Umstellung auf Laufställe, aber auch über die Kombination aus Anbindeställen mit Bewegungsmöglichkeiten, zum Beispiel Weidegang oder befestigte Auslauffläche (Laufhof). Verbesserungen im Sinne des Tierwohls bei der Entwicklung weg von der ganzjährigen Anbindehaltung sind auch Laufbuchten für Trockensteher oder Abkalbebereiche.


Weitere Informationen zur aktuellen Diskussion um Anbinde- und Kombihaltung:

Quellen: StMELF, LKV


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