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VMB INFOtreff Milch in Schwaben: Diskussion Tierwohl auf der Südschiene

Auch die dritte Veranstaltung des diesjährigen VMB-INFOtreff Milch in Germaringen-Ketterschwang/OAL Mitte Oktober, konnte trotz der aufziehenden Corona-Wolken, allerdings mit einer Deckelung der Teilnehmerzahl, planmäßig durchgeführt werden. Neben den eigenen, von VMB-Ehren- und Hauptamt selbst vorgetragenen Fachthemen war als externer Referent der stellvertretende Präsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes e.V. (BLHV) in Freiburg, Peter Graf, eingeladen. Nicht nur die Struktur der dortigen Milchvieh- und Rinderhaltung, sondern auch das gegenwärtige Diskussionsthema Nr. 1 zwischen Bodensee und Schwarzwald ist vergleichbar mit der momentanen Situation in Bayern: Wie kann angesichts der vorhandenen Dynamik in der Weiterentwicklung der Tierwohlstandards ein Strukturbruch verhindert werden?

Die Einschätzung der Perspektiven durch Peter Graf, der mit seiner Familie einen 120-Milchkuh-Betrieb im Landkreis Konstanz bewirtschaftet, klang realistisch, aber düster, was die weitere Entwicklung der Milchviehhaltung in Baden angeht. Denn, wenn der Handel und damit auch die Molkereien keine Milch mehr aus ganzjähriger Anbindehaltung, schlimmstenfalls auch nicht mehr aus der Kombihaltung abnehmen, würden sehr viele Betriebe, vor allem im Schwarzwald die Milchviehhaltung einstellen. Und dies, obwohl der Status quo dort sogar etwas günstiger ist als in Bayern: Denn dort halten - auf der Grundlage der MLP-Kühe - derzeit noch etwa 30 Prozent der Betriebe die Kühe Anbindehaltung, mit etwa 12 Prozent der Kühe.  Zum Vergleich in Bayern: 50 Prozent der Betriebe haben noch Anbindehaltung, ein erheblicher Teil davon ganzjährig, mit etwa 25 Prozent der Kühe.

Einige weitere, von Peter Graf vorgestellte Eckzahlen waren hochinteressant: Ebenfalls auf der Grundlage der dortigen MLP-Kühe wird bei den Betrieben mit Anbindehaltung bei 37 Prozent der Betriebe mit 33 Prozent der Kühe eine Kombination aus Anbinde- und Weidehaltung betrieben. Ergänzend ist zu erwähnen, dass es sich vor allem im Schwarzwald vornehmlich um reine Grünlandbetriebe handelt. Bei den Laufställen wird bei 23 Prozent der Betriebe mit etwa 15 Prozent der Kühe eine Kombination aus Stall und Weide vollzogen. Bedenklich auch die Altersstruktur der Betriebsleiter, die näher bei 60 als bei 50 Jahren liegt. Jünger (und weiblicher) sieht anders aus!

Wie auch bei den anderen VMB-INFOtreff’s informierte VMB-Geschäftsstellenleiter Jürgen Geyer kompetent über den aktuellen Milchmarkt und zeigte auch einige interessante, aber auch beunruhigende Trends auf. Interessant ist die aus Island stammende Rezeptur der SKYR-Produkte, mit einem relativ niedrigen Fett und einem deutlich erhöhten Proteingehalt. Beunruhigend die Zunahme der Milchimitate von der Sorte Haferdrink usw., deren Entwicklung es im Auge zu behalten gilt.

Der Vorsitzende des Bayerischen Milchförderungsfonds und stellvertretende VMB-Vorsitzende, Alfred Enderle, stellte die Weiterentwicklung Richtung Versicherung vor. Die nun gefundene Lösung ist noch mehr auf die unterschiedlichen Ansprüche der einzahlenden Milcherzeuger und dieses wichtige Teilsegment des MFF-Leistungs-Portfolios zugeschnitten. VMB-Vorsitzender Wolfgang Scholz informierte als Mitglied der bundesweiten Arbeitsgruppe Initiative Tierwohl Rind über den aktuellen Stand der Verhandlungen. Die Dynamisierung ist für die bayerische Rinderhaltung fast schon als dramatisch zu bezeichnen, vor allem, weil die Entwicklung weniger von der Politik als vielmehr vom Handel vorangetrieben werde. An Peter Graf gewandt appellierte er dabei, dass die Folgen dieser Entwicklung länderübergreifend noch mehr in die eigenen Reihen, aber auch in die Öffentlichkeit gebracht werden müssen. Während die Kälber- und Rindermast als Teilbereiche von ITW Rind noch einigermaßen homogen abgehandelt werden können (hier geht es nur um Rindfleisch!), wird es im Bereich Milchvieh schon schwieriger: Wenn die Milchkuh zur Schlachtkuh wird, wird auch ihre vorherige Haltung komplett in die Bewertung der Haltungsform mit einbezogen. So nah verbunden war bei der Bewertung der Haltungsform der Milchkuh die Milchviehhaltung und Rindfleischerzeugung noch nie - eben auch mit Auswirkungen auf die Kategorisierung der Milch in die Haltungsformstufen! Obwohl es in dieser Arbeitsgruppe wie gesagt vornehmlich um Rindfleisch geht, hat diese Diskussion unmittelbar Auswirkungen auf die Milchviehhaltung. Den Ausführungen des Vorsitzenden schloss sich abschließend noch ein schneller Ritt der VMB-Geschäftsführung durch weitere aktuelle Themen an: Weiterentwicklung von QM-Milch zu einem QM Tierwohl, die Arbeit der sogenannten Borchert-Kommission und der aktuelle Stand der Branchenkommunikation Milch. Angesichts der Vielzahl der Themen und auch Fragenkomplexe, die von verschiedenen Akteuren der Wertschöpfungskette beackert werden, fällt es nicht leicht, diese komplexen Zusammenhänge verständlich darzustellen.

Bild oben: Peter Graf, Referent bei INFOtreff Milch des VMB

 

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