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Trinkmilch: Sticheleien bei den Sondermilchen

Über den Ausgang der Kontraktverhandlungen zwischen Molkereien und dem Lebensmitteleinzelhandel bei den Milchprodukten der so genannten weißen Linie hat der VMB vor kurzem ausführlich berichtet. Bei den Eigenmarken des Lebensmitteleinzelhandels, also Produkten mit dem Label milfina (bei Aldi), milbona (bei Lidl), gut & günstig (bei Edeka) usw. gab es auf breiter Ebene eine Nullrunde, also stabil gebliebene Abgabepreise und Verbraucherpreise. Etliche fetthaltige Produkte wurden leicht gesenkt, bei einigen, zum Beispiel bei der auch medial stark im Fokus stehenden Konsummilch, gab es wie berichtet sogar eine almosenhafte Erhöhung um einen vollen Cent. Das Interessanteste an den Kontraktverhandlungen waren aber weniger die Preisentwicklungen im Standardsortiment, sondern die kleinen Preiskämpfe bei den so genannten Sondermilchen. Hier ging es weder marktkonform noch logisch vor, sondern strategisch.

Seit einigen Jahren führen die Hard-Discounter wie Aldi oder Lidl bei der Trinkmilch neben ihren Eigenmarken auch so genannte Sondermilchen. Den Anfang machten zum Jahresbeginn 2010 die Neckarsulmer von Lidl mit der Bayerischen Bauernmilch mit dem Label "Ein gutes Stück Heimat", das mittlerweile in "Ein gutes Stück Bayern" aufgewertet wurde. Aldi hat - wie auch bei anderen Entwicklungen im Lebensmitteleinzelhandel - sehr lange gebraucht, um sich dieser Entwicklung zu speziellen Auslobungen anzuschließen. Erst seit September 2017 stehen auch dort in den Filialen Sondermilchen, die als "Meine Bayerische Bauernmilch" ausgelobt werden, mit dem Regionalfenster versehen sind und das Label (Einstiegsstufe) des Deutschen Tierschutzbundes "Für mehr Tierschutz" tragen. Gemein ist allen Sondermilchen, dass sie etwa 10 Cent mehr kosten als die bekannten Eigenmarken des Handels. Mittlerweile sind sowohl bei Aldi und Lidl, aber auch bei den anderen Akteuren des Lebensmitteleinzelhandels weitere Sondermilchen wie Landmilch, Weidemilch usw. hinzugekommen. Die Differenzierung gerade mit Mehrwerten in Richtung Tierwohl gewinnt deutlich an Dynamik.

Was ist nun bei den Preisen passiert und wer stichelt hier mit wem? Es scheint sich aber zu verfestigen, dass sich Aldi bei der jüngsten Preisrunde für jüngste Schienbeintritte der Konkurrenz revanchieren wollte. Besonders im Visier von Aldi steht natürlich Lidl aus der Schwarz-Gruppe. Wenig überraschend dabei war, dass es keine preislichen Änderungen bei der von Aldi erst kürzlich als Eigenmarke "Fair & Gut" flächendeckend eingeführten Weidemilch, versehen mit dem Tierschutzlabel (Premiumstufe) des Deutschen Tierschutzbundes gegeben hat. Hier kostet der Liter mit 3,5 Prozent Fett nach wie vor 99 Cent. Den Sprung über die Schwelle von einem Euro für Milch mit höchstem Tierwohlstandard scheuen die Händler wie die Springpferde den Wassergraben. Eine "deutliche" Erhöhung hat es bei Aldi dagegen jetzt bei der in PET-Flaschen abgefüllten "Landmilch" mit 3,8 Prozent Fett und dem Tierschutzlabel mit der Eingangsstufe gegeben: Erhöhung von 96 auf 99 Cent! Bei diesem Produkt konnte man etwas mehr vorlegen, scheint die PET-Flasche doch gerade en vogue zu sein. Die PET-Flaschen sind neben Aldi Süd und Nord noch bei Lidl und beim Konzern-Kollegen Kaufland sowie bei Norma und Netto zu finden. Man wird beobachten, ob dort preislich nachgezogen wird. Lidl hat bereits auf 99 Cent erhöht.

Als gezielten Angriff von Aldi auf Lidl kann man aber die Preisrücknahme bei den beiden, seit 2017 gelisteten Bayerischen Bauernmilchen ansehen. Während, wie berichtet, die Eigenmarken mit 3,5 resp. 1,5 Prozent jeweils um einen Cent erhöht wurden, hat Aldi die beiden Bayerischen Bauernmilchen mit 3,8 resp. 1,5 Prozent Fett um einen Cent gesenkt. Diese Produkte kosten jetzt statt 80 nur noch 79 Cent (Vollmilch) und statt 70 nur noch 69 Cent. Die Differenz zwischen der Eigenmarke ohne Auslobung des Tierwohls wurde also auf 8 Cent (bei Vollmilch) und nur 6 Cent (bei fettarmer Milch) zusammengestaucht. Lidl hat bei seinen Produkten der Linie "Ein gutes Stück Bayern" seit längerem eine Preisdifferenz zur Eigenmarke "milbona" von 10 Cent durchgehalten. Dass bei Lidl die Sondermilch mit dem Tierschutzlabel der Premiumstufe ("zwei Sterne") versehen ist, bei Aldi dagegen nur mit der Eingangsstufe ("ein Stern"), wird die nach wie vor preissensible Kaufentscheidung des Verbrauchers eher nicht beeinflussen, obwohl ein großer Teil von Ihnen das "Sternezählen" von der  "bekannten" Fernsehshow "Dschungelcamp" kennt. Man wird sehen, wie Lidl reagiert und wie sich mit diesem Vorpreschen von Aldi die Gewichte verschieben. Die Preisstrategie von Aldi kann den Milcherzeugern an sich egal sein, wenn es sich nicht auf die bisherigen guten Zuschläge für die Erzeugung derartiger Sondermilchen auswirkt. Dass jetzt aber bereits mit "Tierschutzmilch" Preiskämpfe betrieben werden, ist kein gutes Signal und heftig zu kritisieren.

 

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