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Rinderhaltung: Bayerns Trumpf  "Doppelnutzung"
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Rinderhaltung: Bayerns Trumpf "Doppelnutzung"

Dieser Tage wurden vom Bayerischen Landesamt für Statistik in Fürth wieder, nach Auswertung des Verwaltungsverfahrens "Herkunftssicherungs- und Informationssystem Tier (HIT)", die Zahlen über den Stand der Rinder- und Milchviehhaltung in Bayern veröffentlicht. Stichtag für die Erhebungen war der 3. Mai 2020. Die Zahlen selbst sind für Branchenkenner keine wirkliche Neuigkeit, doch sind solche Statistiken und deren Entwicklung zunehmend auch in die politische und gesellschaftliche Diskussion rund um die Rinderhaltung einzuordnen. Die in Bayern schon immer und weiterhin in hohem Maße gehaltenen Doppelnutzungsrassen sind dabei ein Trumpf in einer laufenden Debatte, die derzeit auf vielen Feldern gegen den Milchstandort Bayern geführt zu werden scheint. Diesen "Trumpf der ökonomischen und emotionalen Balance" gilt es auf geeignete Weise zu nutzen, wenn es darum geht, mit dem verbalen Florett das ein oder andere vermeintlich  "stichhaltige Argument" gegen bayerische Besonderheiten der Rinderhaltung zu erwidern.

Exakt 2.963.812 Rinder zur Milchnutzung, zur Doppelnutzung Milch/Fleisch und zur Fleischnutzung in insgesamt 42.085 Haltungen konnten dabei ermittelt werden. Bei der Zahl der Rinder wurden dabei 2.627.180 Rinder (= 88,6 Prozent) den Doppelnutzungsrassen Milch/Fleisch, 186.079 Rinder (= 6,3 Prozent) den reinen Milchrassen und 150.553 Rinder (= 5,1 Prozent) den Fleischrassen zugeordnet. Bei Betrachtung der Rassen, die nur für die Milcherzeugung gehalten werden, erreichen die Doppelnutzungsrassen in Bayern einen Anteil von stolzen 93,4 Prozent. Dabei kommt allein Fleckvieh auf einen Anteil von 80,2 Prozent, Braunvieh auf 7,5 und Holstein-Friesian auf 5,6 Prozent.

In den Medien wurde bei der Bekanntgabe der aktuellen Zahlen sehr häufig darauf hingewiesen, dass Fleckvieh in Bayern einen Rassenanteil von 76,1 Prozent halten würde: Das ist eben Statistik, die auch noch von Statistikern kommentiert wird. Denn diese Zahl bezieht sich tatsächlich auf die Rassen "in Reinzucht" für Milch- und Fleischnutzung (letztere zielt dabei auf die Mutterkuhhaltung ab). Und nach dieser Sicht- und Zählweise entfallen dabei eben auf Fleckvieh "nur" 76,1 Prozent (weil Fleckvieh in der Mutterkuhhaltung in Bayern eher weniger gewählt wird), auf Braunvieh 7,1 Prozent und auf Holstein Friesian 5,3 Prozent. Insgesamt wurden neben Fleckvieh und Braunvieh weitere 161.660 Rinder (= 5,7 Prozent) den Doppelnutzungsrassen und weitere 28.308 (= 1,0 Prozent) den Milchnutzungsrassen zugeordnet: Darunter fallen Kreuzungen aller Farben- und Rassenkombinationen. Erwähnenswert noch, mit einem weinenden fränkischen Auge: Das Gelbvieh hat mit 7.481 registrierten Tieren für die Doppelnutzung nur noch einen Anteil von 0,28 Prozent. In Relation zu der Zahl aller bayerischen Rinder in Reinzucht, liegt der Anteil nur noch bei 0,25 Prozent.

Allein diese aktuellen Zahlen belegen erneut eindrucksvoll, dass die in einschlägigen Medien häufig und erst jüngst wieder mehrmals verbreitete Darstellung, wonach Kälber aus der Milcherzeugung "quasi ein Abfallprodukt" seien, grober Unfug in Reinkultur ist. Und angesichts der derzeit wieder mehr als bescheidenen Preise für männliche Nutzkälber der reinen Milchrassen sei angemerkt: Ein Kalb, nach welcher Zwischenkalbezeit auch immer, ist halt nun einmal initialer Teil der Milcherzeugung und somit Teil der Gesamtkalkulation. Problem sind hier weniger die schwarzen Kälber, sondern eher die wenigen "schwarzen Schafe", die möglicherweise den Ruf der gesamten Milchbranche aufs Spiel setzen.

Zurück zur Statistik und den Zahlen: Die meisten Rinder - über alle Nutzungsrichtungen hinweg - gibt es wie bisher in dem bekannten Trio: Das Ostallgäu liegt mit 130.584 Tieren und einem Anteil von 4,4 Prozent des bayerischen Rinderbestandes vorne. Nur um wenige Kuhlängen dahinter folgen das benachbarte Unterallgäu mit 130.055 Rindern und der oberbayerische Landkreis Rosenheim mit 129.495 Rindern. Bei der Rassenverteilung nach Bezirken und Landkreisen dominiert fast überall und nicht überraschend Fleckvieh: Bei den Bezirken liegt die Oberpfalz mit einem Anteil von über 90 Prozent an der Spitze. Bezogen nur auf die Milcherzeugung liegt der Anteil dort sogar bei 94,3 Prozent. In der Hochburg des Braunviehs, in den drei Allgäuer Kreisen sowie im oberbayerischen Braunvieh-Ausläufergebiet Weilheim-Schongau muss dagegen das Fleckvieh deutlich zurückstecken. Auch deswegen, weil dort auch die Holsteins sehr stark vertreten sind. Zum Teil setzen sie sogar zum Überholen und zum Sturm an die (Rassen)spitze an, wenn man die Entwicklung im Unterallgäu als Beispiel heranzieht! 

 

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