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Lidl: Bio(land) für Alle, aber Billig-Banane

Seit Beginn diesen Jahres läuft die Kooperation von Lidl mit dem Anbauverband Bioland. In allen rund 3.200 deutschen Filialen des Neckarsulmer Konzerns sind seitdem die Bio-Produkte mit diesem Label erhältlich - und das zu unschlagbaren Preisen, wie vor dem Jahreswechsel in den Werbeprospekten angekündigt wurde. Natürlich schließt die Produktpalette auch Käse, Milch, Butter und Joghurt ein: Fast alle Molkereiprodukte der Lidl-Eigenmarke BioOrganic tragen seitdem ebenfalls das Bioland-Zeichen. Befürworter und Skeptiker haben sich seitdem ausgiebig mit dem Pro und Contra dieser Kooperation auseinandergesetzt. Auch die führenden Köpfe der beiden Partner: Jan Bock, Geschäftsleiter Einkauf von Lidl Deutschland, meint: "Wir wollen hochwertige Bio-Produkte in die Mitte der Gesellschaft bringen". Und Jan Plagge, Präsident von Bioland: "Die Kooperation ermöglicht uns allen eine Entwicklung hin zu mehr ökologischer Landwirtschaft in Deutschland". Hochwertige Bio-Produkte? Für die Erzeugerseite selbstverständlich, qualitativ hochwertige Ware bereitzustellen! Und mehr ökologische Landwirtschaft in Deutschland? Politisch gewollt - von fast allen Parteien mit grünem Mantel und/oder grüner Seele! Die Bedenken, dass die Bio-Produkte ebenfalls in die Mühlen des Preiskampfes zwischen den Lebensmittelhändlern geraten könnten, werden weggewischt. Hier wird gebetsmühlenartig darauf verwiesen, dass Lidl Zugeständnisse gemacht habe: Mehrjährige Absatzgarantien, faire Preise auch für die Erzeugerseite, keine Schleuderpreise - und bei Uneinigkeit vermittelt dann eine Ombudsstelle.

Angesichts dieser wohl heilen Welt zwischen Lidl und Bioland war es schon überraschend, was dieser Tage über die Medien die Runde machte: Lidl muss bei Bananen eine Rolle rückwärts hinlegen! In der Bananensprache: Lidl muss sich zwar nicht krümmen (als Hinweis auf die Diskussion auf EU-Ebene um den Krümmungsgrad der Banane), aber Lidl muss sich der Kundschaft beugen. Der Plan von Ende letzten Jahres, in den Läden ab diesen Sommer nur noch fair gehandelte Bananen anzubieten, ist somit krachend gescheitert - an der preissensiblen und wenig konsequenten Kundschaft. Denn der Verbraucher will zwar in Deutschland per unverbindlicher Unterschrift Tiere schützen und Bienen retten, aber trotzdem an der Kasse die billige Banane kaufen.

Was ist nun die Konsequenz: Der Verbraucher darf zukünftig bei Lidl wieder selbst entscheiden, ob er Bananen im Preiseinstiegssegment oder konventionelle Bananen bzw. Bio-Bananen, die beiden letzteren mit Fairtrade-Zertifizierung, in den Einkaufskorb legen möchte. Derzeit werden noch 90 Prozent des Umsatzes über die konventionelle Frucht erwirtschaftet. Als Hintergrund: Nach dem Apfel ist die Banane das beliebteste Obst des deutschen Verbrauchers: 12 kg verzehrt er im Durchschnitt davon. Und zu den Preisen: Ein Kilogramm Billig-Banane ist oft für weniger als einen Euro zu bekommen, Fairtrade-Bananen liegen nur unwesentlich über der Ein-Euro-Marke. Bei diesen Preisen kann übrigens auch der einfache einheimische Apfel nicht mithalten!

Um nochmals den Bogen zurück zur Milch zu spannen, ohne jetzt Äpfel mit Birnen oder gar Bananen mit Milch vergleichen zu wollen: Milch wie Obst ist gemein, dass sie beliebte und gesunde Lebensmittel sind. Während der Verbraucher aber bei der in der Regel in Deutschland oder sogar regional erzeugten Milch höchste Ansprüche an Qualität, Erzeugungsverfahren und Tierwohl anmeldet, werden bei der Banane, die nach einer Weltreise in deutschen Läden angeboten werden, ganz andere Maßstäbe angesetzt. Die Banane ist weit weg; billig geht vor fair und nachhaltig. Die Milcherzeuger sind dagegen immer wieder verärgert, wenn ihnen vom Lebensmitteleinzelhandel via Molkereien neue Vorschriften und Standards auferlegt werden, aber der Verbraucher dafür keinen Cent  Mehrpreis bezahlen muss. Das bekannteste Beispiel war die mittlerweile fast flächendeckende Einführung der oGT-Milch über die Eigenmarken des Handels. Wie hätte der Verbraucher wohl reagiert, wenn der Handel dafür einen höheren Preis verlangt hätte?

 

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