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Kontraktverhandlungen "weiße Linie": Viel Lärm, wenig Bewegung!
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Kontraktverhandlungen "weiße Linie": Viel Lärm, wenig Bewegung!

Zu Beginn des Monats sind die neuen Kontrakte für das Produktsortiment der "weißen Linie" in Kraft getreten. Im Vorfeld medial besondere Beachtung fand dabei der Kontraktabschluss für die Konsummilch. Dem begleitenden Medienecho folgte am Ende, zumindest Anfang November, ein fast unverändertes Ergebnis. Letztendlich viel Lärm, wenig Bewegung. Obwohl für die Milchbauern wenig Bewegung zu wenig ist, wie die Aktionen dieser Tage für deutlich höhere Preise wieder gezeigt haben.

Nochmals Rückblende aus den Verhandlungen im Frühjahr diesen Jahres: Völlig überraschend hatte Branchenführer Aldi erst Preissenkungen angekündigt. Nach massiven Schlepperprotesten erfolgte aber bereits wenige Tage später, die Zusage einer “politischen” Preiserhöhung bei Konsummilch um 5 Cent/Liter. Die Konsummilchpreise im Verkauf wurden dann ab Mai sogar um 6 Cent/Liter erhöht. Allerdings sickerte durch, dass die Wettbewerber von Aldi diesem für die Erzeugerseite sehr positiven Vorstoß nicht im Gleichschritt folgen wollten, zumindest nicht in der vorgegebenen Höhe. Und bekanntlich gibt es beim Handel keinen größeren Sündenfall als Alleingänge oder die Besserstellung eines Wettbewerbers.

Interessant waren diesmal vor allem die kleinen Preisrochaden von Mai bis Oktober, während der letzten Kontraktzeit: Die Ruhe im Kühlregal währte ab Mai nicht einmal zwei Monate: Denn zur Ankurblung der Konjunktur hatte die Bundesregierung beschlossen, ab Juli befristet für 6 Monate, die Mehrwertsteuersätze um 2 Prozent (bei Lebensmitteln) abzusenken. Was gut gemeint war, war der Auftakt zu einer kaum noch zu überbietenden Preisschlacht zwischen Aldi und Lidl. Von Systemrelevanz und Wertschätzung für Lebensmittel keine Spur mehr! So preschte Lidl bereits am 22. Juni mit der Reduzierung der Umsatzsteuer vor und erwischte damit die Konkurrenz auf dem falschen Fuß. Alle Preisschilder wurden ausgetauscht, vor allem um zu suggerieren: Wir können noch schneller Preise senken, wir sind die billigsten und wir strecken euch (Verbrauchern) die Preissenkung sogar eine Woche aus eigener Tasche vor.  Aldi ließ sich dann nicht zweimal bitten und folgte nur eine Woche später, am 29. Juni nach. Allerdings wurde der steuerliche Nachlass noch getoppt: Bei Aldi wurden vom Einkauf auf Lebensmittel an der Kasse sogar drei Prozent abgezogen - was den Konzern eine dreistellige Millionensumme kosten wird. Und es folgte noch eine Steigerung: Aldi und Lidl warben mit vergleichenden Warenkörben und kamen jeweils zu dem nicht überraschenden Ergebnis, dass nur sie selbst jeweils billiger anbieten können als die Konkurrenz. Alle Discounter standen gleichermaßen unter Druck, denn in Zeiten von Corona nahm die die Zahl der Einkaufs-Hopper stark ab: Der auf möglichst wenige Kontakte fixierte Verbraucher wollte mit möglichst wenig Aufwand seinen gesamten Einkaufszettel abgearbeitet wissen: Und das konnte am ehesten bei den Vollsortimentern realisiert werden.

Und so hat es gerade bei der Konsummilch in der Folge so manche kleinste Anpassung,  um nur einen einzigen Cent, gegeben. So verminderte Lidl den Preis für Konsummilch bei der vorgezogenen Mehrwertsteuerreduzierung am 22. Juni um genau 1 Cent/Liter: 78 statt 79 Cent/Liter für Vollmilch und 70  statt 71 Cent bei der fettarmen Variante. Eine Woche später zog bekanntlich Aldi nach, mit dem dreiprozentigen Abzug an der Kasse: Und das bedeutete bei den genannten Milchen eine Preisreduzierung um 2 Cent/Liter. Der Gegenangriff von Lidl ließ nur 14 Tage auf sich warten und auch dort wurden drei Prozent auf das gesamte Sortiment zum Abzug gebracht. Im Schatten der beiden rivalisierenden Discounter stiegen auch andere Lebensmittelhändler in den Preiskampf, vor allem bei Trinkmilch, mit ein: So stehen bei Norma bzw. Netto bis heute 76 Cent/Liter für die Vollmilch und 68 Cent für die fettarme Milch auf dem Kassenbon. Um hier mithalten zu können, hat Aldi Ende August seinen ab Mai gültigen Regalpreis bei fettarmer Milch auf 70 Cent angepasst, der dann mit dem dreiprozentigen Abzug beim Verbraucher 68 Cent ausmacht. Bei Vollmilch hat Aldi nicht korrigiert und liegt somit nach wie vor über dem Niveau der Konkurrenz.  

Ergebnis der diesjährigen Preisrunde zur weißen Linie: Die wochenlang verbreiteten Meldungen, wonach Trinkmilch „deutlich billiger“ abgeschlossen wurde, hat sich aus der Sicht der Erzeuger gottlob nicht bewahrheitet. Dem Vernehmen nach wurde das im Frühjahr vereinbarte Preisniveau um 1 bis 2 Cent unterschritten – bei der Konsummilch.  Im November hat sich preislich an den Regalen so gut wie nichts bewegt. Neben der Stabilität bei der weißen Linie verwunderte aber zuletzt vor allem, dass die Erhöhung der Einkaufspreise von deutscher Markenbutter zu Beginn des Monats November nicht an die Verbraucher weitergegeben wurden. Es ist anzunehmen, dass beim Handel aktuell bereits Strategien entworfen werden, wie man dem Verbraucher zum Jahreswechsel die Anpassung an die alten Mehrwertsteuersätze, also quasi eine Erhöhung der Verkaufspreise, am besten „verkaufen“ kann.

 

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