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Kontraktverhandlungen "weiße Linie" - Keine Wasserstandsmeldungen!
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Kontraktverhandlungen "weiße Linie" - Keine Wasserstandsmeldungen!

In diesen Wochen finden die Kontraktverhandlungen für das Sortiment der so genannten "weiße Linie" statt. Medial besondere Beachtung findet dabei immer der Kontraktabschluss für die Konsummilch. Aber auch die Abschlüsse für die weiteren Produkte, von Kondensmilch über Quark/Topfen und Sahne, haben eine Eckfunktion für die Milchpreisbildung in den kommenden Monaten. Denn es ist davon auszugehen, dass in diesen Zeiten mit corona-bedingten Beschränkungen der private Verbrauch mengenmäßig erneut zulegen wird.

In den vergangenen Tagen wurden über die Fachpresse wieder erste Einschätzungen über den Verhandlungsstand verbreitet, die auch vom bekanntermaßen sehr gut informierten VMB nicht alle dementiert werden können. Doch macht es seit einigen Jahren wirklich keinen Sinn mehr, Wasserstandsmeldungen über den vermeintlich aktuellen Stand abzugeben. Diese schaden mehr als sie nutzen; letzteres vor allem nicht den Milcherzeugern.

Rückblende aus den Verhandlungen im Frühjahr diesen Jahres: Völlig überraschend hat Branchenführer Aldi nach massiven Schlepperprotesten vor Auslieferungslagern und nach einem Spitzengespräch auf Initiative des Deutschen Bauernverbands bereits Anfang März, wenige Tage vor den massiven Einschränkungen durch die Corona-Pandemie, eine "politische" Preiserhöhung bei Konsummilch um 5 Cent/Liter zugesagt und auch umgesetzt. Die anderen Produkte blieben dann im Preis weitgehend unverändert. Allerdings sickerte durch, dass die Wettbewerber von Aldi diesem für die Erzeugerseite sehr positiven Vorstoß nicht im Gleichschritt folgen wollten, zumindest nicht in der vorgegebenen Höhe. Und bekanntlich gibt es beim Handel nichts Schlimmeres als Alleingänge oder die Besserstellung eines Wettbewerbers beim Kampf um den satten Kunden.

Während der vergangenen Monate haben sich die Lebensmittelhändler ein weiteres Mal zu profilieren versucht und dabei nicht immer fair gespielt: Bei der ultimativ intelligentesten Weitergabe der befristet abgesenkten Umsatzsteuer, die von der Bundesregierung für den Zeitraum Juli bis Dezember 2020 beschlossen wurde, zur Belebung der durch Corona stark beeinflussten Binnenkonjunktur. Lidl ist bekanntlich bereits am 22. Juni mit der Absenkung vorgeprescht, die bis zum eigentlichen Start im Juli dann aus eigener Tasche finanziert wurde. Und mit dieser Aktion hatte man die Konkurrenz  kalt erwischt. Im Zuge dieser befristeten Absenkung wurden auch erstmals und bis heute unterschiedliche Verbraucherpreise bei Konsummilch ausgelobt, mit oder ohne die reduzierte Umsatzsteuer: Während Aldi, Penny und Co. den Abzug von 2 Prozent erst an der Kasse vorgenommen haben, lobte die Konkurrenz die reduzierten Verbraucherpreise bereits am Regal aus. Und damit nicht genug: In einigen Fällen weichen auch noch die tatsächlichen Verbraucherpreise, vor allem bei der Konsummilch, nur um 1 Cent/Liter von dem des Wettbewerbers ab. Grund genug, bei folgenden Kontraktverhandlungen derartige Vorgehen "zu vergelten". Und im Hinterkopf der Händler geistert auch bereits ein Plan, wie man den preissensiblen Verbraucher die Angleichung der Umsatzsteuer zum 1. Januar 2021 von 5 auf dann wieder 7 Prozent verkaufen will, die ja keine Preiserhöhung ist.

Auch dies sei an dieser Stelle erwähnt: Der Milchmarkt ist derzeit alles andere als negativ für die aktuelle Preisverhandlung. Sowohl die Milchanlieferung national als auch das Preisniveau vor allem auf der Fettseite geben keine Preisveränderung nach unten her, im Gegenteil. Und während der Lebensmittelhandel bei den Standards (z.B. beim Thema Anbindehaltung und bei der Initiative Tierwohl Rindfleisch) unverhohlen auf dem Gaspedal steht, sind die Bremsversuche bei den Preisen unverkennbar. Das passt alles nicht mehr zusammen! Der VMB wird Details zu den Kontraktverhandlungen auch in diesem Jahr nur begleiten und so lange nicht kommentieren, bis die letzte Messe tatsächlich gelesen ist. Es bleibt spannend!

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