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Kontraktverhandlung Weiße Linie
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Kontraktverhandlung Weiße Linie: „Lebensmitteleinzelhandel will verzögern"

Der Monat Mai stellt für die Milchbauern einen wichtigen Eckpfeiler für den Jahresmilchpreis dar. In diesem Jahr ganz besonders: Denn derzeit werden nicht nur für die kommenden sechs Monate die Produkte der so genannten „Weißen Linie“ zwischen Lebensmitteleinzelhandel (LEH) und Molkereien verhandelt. Auch der bisherige Zwei-Monatskontrakt für Butter im Preiseinstiegssegment läuft aus. Und bis zum 1. Mai 2021 müssen die Mitgliedstaaten die UTP-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt haben. Mit dieser Richtlinie sollen erstmals EU-weit einheitliche Mindeststandards gelten, sollen unfaire Handelspraktiken (UTP = unfair trade pratices) des LEH`s eingedämmt und landwirtschaftliche Erzeuger gestärkt werden.

Wie schnell die Vielfalt unfairer Handelspraktiken des LEH`s reduziert werden kann, muss realistisch betrachtet werden. Und dem LEH fallen in Zeiten wie diesen immer wieder neue Varianten ein, bei sehr realer Aussicht auf steigende Produktpreise, dennoch eine Erhöhung der Milchpreise zu verhindern oder hinauszuzögern. Gerade von den noch laufenden Verhandlungen über die "Weiße Linie" hört man wieder einmal vom LEH nichts Erfreuliches: „Kräht der Ha(h)ndel auf dem Mist, ändert sich der alte Kontrakt - oder bleibt noch zwei Monate wie er ist“. Tatsächlich ist es so, dass der LEH mit dem Branchenprimus an der Spitze alles daran setzt, mit „innovativen“ Argumenten die neue Kontraktlaufzeit erst am 1. Juli beginnen zu lassen. Und dem Vernehmen nach, sind bereits erste „Erfolge“ bei diesem Vorstoß zu vermelden.

Trotz der weiterhin nicht absehbaren Entwicklung rund um die Corona-Pandemie mit teils massiv eingeschränkten Absatzströmen, zeigt sich der Milchmarkt seit Monaten erstaunlich robust. Die einschlägigen Parameter an den Spot-, Termin- und Kassamärkten sowie die Entwicklung an der globalen Handelsplattform GDT, geben berechtigt Hoffnungen auf dringend notwendige Milchpreisanhebungen. Nicht zu vergessen die Milchanlieferung, die aktuell sogar auf EU-Ebene unter Vorjahr gesunken ist. Der Autor dieses Beitrages hat Mitte März an anderer Stelle bereits verlautbart, dass ein Milchpreis von 40 Cent /kg netto, in diesem Herbst keine Illusion mehr ist. Und dieses Niveau wäre auch dringend notwendig angesichts explodierender Preise bei Futter- und Betriebsmitteln. Auch die in vielen Regionen Deutschlands angespannte Grundfuttersituation sei nicht unerwähnt.

Für die Butterkontrakte stehen die Marktsignale günstig: An diesem Mittwoch wurde Blockbutter an der Kemptener Börse, trotz zuletzt erkennbarer Marktberuhigung, weiter bei 4 Euro/kg notiert. Und dieses Niveau gilt als Maßstab für abgepackte Butter, liegt damit immer noch stabil etwa 25 Cent/kg über dem Niveau des laufenden Kontrakts. Auch bei der Weißen Linie, angefangen beim Königsprodukt Konsummilch stünden deutliche Preissteigerungen an, nimmt man aktuelle Verwertungsmöglichkeiten als Maßstab. Allein der Vorstoß des LEH`s steht dem noch im Weg, um diese Preisanhebung noch etwas hinauszuzögern. Die Milchpreise haben sich in den vergangen Monaten zwar erhöht und werden nach bereits vorliegenden Abschlüssen auch weiter anziehen. Aber es wäre deutlich mehr möglich, wenn Angebot und Nachfrage und weniger die Marktmacht des LEH`s zur Geltung käme. Hier steht der LEH als Profiteur der Pandemie voll auf der Bremse. Dagegen kommt dieser nicht vom Gaspedal, wenn es um eigene Forderungen bei den Standards in der Milcherzeugung im Bereich Tierwohl geht. Dort stellt sich auch eine Taubheit ein, wenn die Diskussion auf angemessene Finanzierung und Honorierung kommt.

 

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