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Fokus Mai: Butterpreise mit Erdrutsch, Konsummilchpreise steigend (?)

Der Monat Mai wird von den Milcherzeugern immer mit besonderer Spannung erwartet. Weniger wegen des 1. Mai, dem Tag der Arbeit und der Arbeiterbewegung. Denn als landwirtschaftliche Unternehmer sind von den Milchbauern an diesem Tag die Kühe genauso zu melken wie am 30. April. Eher schon für viele passionierte Rinderzüchter, die seit gefühlten 100 Jahren zu einer traditionellen Bullenparade in den Norden Bayerns pilgern - die aber dieses Jahr wegen der Corona-Virulenz erstmals virtuell, also nicht live über die Bühne gehen kann. Nein, es ist vielmehr die Finalisierung des zweiten großen Kontraktes zwischen dem Lebensmitteleinzelhandel und den Molkereien über die Produkte der so genannten weißen Linie, der die Sicht auf das Milchpreisniveau des Jahres klarer werden lässt.

Auch vor Corona war der Milchmarkt nicht immer logisch, zumindest für das Kollegium der markterprobten und volatil-erfahrenen Getreidebauern und Schweinehalter. Ist es schon schwer genug, den unmittelbar Betroffenen, den Milchbauern, die Zusammenhänge am Milchmarkt zu erklären, die leider oft weit über die einfache Formel "Angebot und Nachfrage regeln den Preis" hinausgehen, müssen diese komplexen Zusammenhänge auch einem Großteil der 82 Millionen deutschen Meinungsexperten erklärt werden. Den Experten vor den heimischen Fernsehgeräten, neuerdings in den Schnellschuss-Informationszentren "soziale Medien“ - und natürlich den potenziellen Befüllern der heimischen Kühlschränke, dem unmissverständlichen und ultimativen Verbrauchervotum über die Entwicklung der heimischen Land- und Milchwirtschaft.

Der Mai 2020 hat es diesmal mit herausfordernden Erklärungen wahrlich in sich: Für den kommenden Monat gehen die Abgabepreise für die abgepackte Butter in 250 g-Stücken um erdrutschartige 84 Cent/kg zurück, also etwa um 20 Cent/250 g für den Verbraucher. Leider waren die Notierungen für die Blockbutter in den vergangenen Wochen ein unerfreulicher Vorbote dieses Monatskontraktes. Wie denn das, wird sich der überraschte Verbraucher fragen, der in den vergangenen Wochen manchmal vor relativ leeren Kühlregalen stand, wenn er nach einem krisenfesten, heißt kalorienhaltigen und natürlichen Brotaufstrich Ausschau gehalten hat. Die Phase der Angst getriebenen "Hamsterkäufe" hat sich in den Regalen mittlerweile wieder normalisiert. Nicht aber in den Köpfen der breiten Öffentlichkeit über den erfreulicherweise wieder systemrelevanten Volksernährer Landwirtschaft. Warum haben denn die Milchbauern Sorgen vor den kommenden Monaten, wenn wir - die Verbraucher - gerade erst wieder froh sind, dass die Lieferketten reibungslos funktionieren?

Im Gegensatz zu Butter werden die Abgabepreise der Molkereien und somit die Verbraucherpreise für die Konsummilch (pasteurisierte Frischmilch, ESL-Milch, H-Milch) ab kommender Woche und für die folgenden 6 Monate nach oben gehen. Um wie viel, bleibt abzuwarten. Der VMB hat sich in den letzten Jahren auf seine Informationsfahnen geschrieben, erst dann zu "singen", wenn die Messe der Kontraktverhandlungen definitiv gelesen ist. Und auch da ist die Normalität nicht mehr so normal, dass alle sich den "Preisvorgaben" des Branchenführers folgsam anschließen. Aber das "good-guy-Angebot" von Aldi, nämlich mit dem neuen Kontrakt 5 Cent mehr für die Konsummilch bezahlen zu wollen, sind medial breitgetreten worden. Deswegen sind sie bekannt, ein Zurück ohne Gesichtsverlust also unmöglich. Über den Rest an Geheimnissen über die Kontraktverhandlungen und die möglichen Auswirkungen auf die Milchpreise berichten wir in der kommenden Woche, hier an dieser Stelle online und auch im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt!

 

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