Menü

News

(c) Fotolia 43672291

Edeka Südbayern provoziert Aldi bei Konsummilch

Im deutschen Lebensmitteleinzelhandel ist seit geraumer Zeit erneut ein offener Preiskrieg ausgebrochen. Die beiden Anführer Aldi und Lidl unterbieten sich gegenseitig mit Sonderangeboten. Neu ist, dass als Waffen jetzt sogar starke Markenprodukte internationaler Konzerne wie - ohne jegliches Milch-Mitleid - Coca-Cola eingesetzt werden. Aber auch an Molkereiprodukten geht dieser Kampf nicht spurlos vorüber. In den letzten Monaten bietet der Lebensmittelhandel vor allem bekannte Buttermarken von der irischen Insel, aber auch von "Frau Antje" aus dem Nachbarland knapp über dem Meeresspiegel bis zu bekannten Herstellern aus dem bayerischen Voralpengebiet zu Preisen an, die manchmal sogar den Einstandspreis der Handelsmarken unterlaufen.

Aber auch die Supermärkte Rewe und Edeka spielen dieses Spiel munter bis aggressiv mit, wollen ebenfalls bei den Marktanteilen ihren Kuchen vergrößern. Völlig unbemerkt von der Fachpresse leistet sich dabei Edeka, bekanntlich Marktführer nach Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel,  eine kleine Nicklichkeit und bricht das seit Jahren eherne Gesetz: Dass nämlich der "Aldi-Preis" zumindest auf Dauer von keinem anderen Discounter oder Supermarkt unterboten wird - oder unterboten werden darf.

Seit der letzten Preisrunde für Konsummilch, die ab November 2018 mit einer Erhöhung der Verbraucherpreise von Vollmilch und fettarmer Milch um mickrige 1 Cent/Liter endeten, erlaubt sich Edeka tatsächlich die maximale Ungeheuerlichkeit, billiger als Aldi anzubieten. Wie mehrmonatige VMB-Recherchen ergeben haben, hat Edeka in der Verkaufsregion Südbayern zwar die Verkaufspreise für die fettarmen Milchen der Eigenmarke "gut & günstig" sofort um den einen Cent/Liter auf aktuell 62 Cent nach oben angepasst. Dagegen wurden die Verkaufspreise für länger haltbare ESL-Frischmilch erst nach Weihnachten angehoben. Bei der mengenmäßig weit bedeutenderen H-Vollmilch steht in der gesamten Verkaufsregion Südbayern der Liter noch heute - und wohl noch bis Ende der Kontraktlaufzeit bis 30. April - zu dem alten Preis von 69 Cent auf der Palette. Bei Aldi, Lidl und Co., sogar bei der Edeka-Tochter Netto ist der Einheitspreis 70 Cent.

Warum Edeka diese wohl gezielte Provokation nach VMB-Recherchen nur in der Region Südbayern spielt, in den Regionen Nordbayern-Sachsen-Thüringen und Edeka Nord mit Berlin nicht (die weiteren vier Regionalgesellschaften Minden-Hannover, Rhein-Ruhr, Hessenring und Südwest wurden nicht beobachtet), lässt sich nur erahnen. Fest steht, dass die Ehrfurcht der Händler vor Aldi merklich nachgelassen hat, was nichts Gutes erahnen lässt. Es geht im Handel zu wie im Hühnerstall, wenn neue Hierarchien ausgetragen werden und der eine oder andere Federn lassen wird. Aber auch der bekannte Ministererlass ("Gabriels Wille"), gegen die Einwände des Bundeskartellamtes, der Edeka in Südbayern fast die komplette Übernahme der Tengelmann-Läden zu genehmigen,  hat eben auch seine nachhaltigen Folgen. Es dürfte interessant zu beobachten sein, wie Discountprimus Aldi bei den kommenden Preisrunden reagieren wird. Hoffentlich nicht zu Lasten der Milchbauern!

Zurück zur Listenansicht

Geschäftsstelle München
Geschäftsstelle Schwaben
Geschäftsstelle Nordbayern