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Butterpreise: Molkereien gedrückt, Verbraucher geschröpft
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Butterpreis: Molkereien gedrückt, Verbraucher geschröpft

Vergangene Woche hatte der VMB über den Ausgang der Kontraktverhandlungen zwischen Molkereien und Lebensmitteleinzelhandel (LEH) für Deutsche Markenbutter, Eigenmarken des LEH informiert. Bis zu 56 Cent/kg netto sind die Abgabepreise der  Butter herstellenden Molkereien für die kommenden beiden Monaten gedrückt worden. Jetzt werden auch noch die Verbraucher geschröpft, im Regal werden die Butterpreise nämlich nicht angepasst.

Dass sich der berechtigte Zorn der Milchbauern, die in den vergangenen Wochen durch Aktionen und vermeintlich verbindliche Zusagen in Gesprächsrunden mit Vertretern des LEH ein marktgerechteres Verhandlungsergebnis erzwingen wollten, vor allem gegen Branchenprimus ALDI richtet, verwundert etwas. ALDI hat in Stellungnahmen der vergangenen Tage verlautbaren lassen, dass die maximale Preisrücknahme von 56 Cent/kg nicht für ihre Firmengruppe zutreffen würde. Das wurde vom VMB auch nicht behauptet, das Oligopol des LEH besteht bekanntlich aus vier maßgebenden Akteuren. Die Molkereien und letztendlich vor allem die Milcherzeuger werden die kommenden beiden Monate dieses Ergebnis akzeptieren müssen, bevor es preislich wieder aufwärts gehen kann. Ein Großteil der jüngsten Marktindikatoren lassen dies bereits zum jetzigen Zeitpunkt vermuten - falls Markt und nicht pure Macht eine Rolle spielen sollte.

Der Blick geht aber auch ins Kühlregal, wie sich wohl der Endverbraucherpreis (EVP) nach diesem Kontraktabschluss entwickeln würde. Die Antwort ist einfach und für die Milchbauern eine weitere Provokation: Es bleibt alles beim Alten! Bereits vergangene Woche hatte Aldi und einzelne weitere Wettbewerber den, durch die um 2 Prozent reduzierte Mehrwertsteuer zurückgenommenen, EVP wieder angepasst. Bei Aldi und Penny war dies einfach, weil die Regalpreise unverändert blieben und der Abzug an der Kasse erfolgte. Die Wettbewerber Lidl und Edeka verkauften den Ziegel allerdings weiter für 1,35 Euro, Rewe sogar nur für 1,34 Euro. Begründet wurde dies - wie auch bei der gesamten Produktpalette - damit, man gehe beim reduzierten Mehrwertsteuersatz freiwillig und auf eigene Kosten in die Verlängerung.

Nachdem aber vergangene Woche bereits eine erste Preisanpassung in den Regalen erfolgte, nämlich bei den Mischfetten, von 1,39 auf 1,29 Euro/250 g, konnte man vermuten, dass der EVP für die Markenbutter in den kommenden Monaten sich wohl nicht nach unten bewegen würde. Dies wurde zu Beginn dieser Woche bestätigt: Auch Rewe und Edeka haben ihre Butterpreise wieder nach oben (!) angepasst, verlangen jetzt ebenfalls wie Aldi, Norma und Co. 1,39 Euro/250 g. Der derzeitige Hauptkonkurrent von Aldi, Lidl, verkauft seine Butter aber weiterhin für nur 1,35 Euro/250 g. Doch auch Lidl wird wohl nachziehen und sich für die kommenden beiden Monate eine fette Gewinnmarge sichern.

Fazit der jüngsten Entwicklung: Dass die Marktkräfte in der Wertschöpfungskette Milch höchst ungleichmäßig verteilt sind, ist keine neue Erkenntnis. Der politische Wille, dies zugunsten der 2 Prozent Landwirte zu verbessern, war bisher mit halbherzig noch milde umschrieben. Dass aber bei weiter zunehmender Konzentration des Oligopols beim  Lebensmittelhandel auch der Verbraucher nicht mehr - von Angeboten abgesehen - von (zu) billigen Nahrungsmittelpreisen profitieren könnte, sollte Politik und auch Verbraucherverbände spätestens jetzt wachrütteln.

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