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Branchenkommunikation Milch to go
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Branchenkommunikation Milch to go

Das war spannend und knapp. Das Spiel ging über die volle Distanz, mit Verlängerung. Aber mit einem gutem Ausgang, ohne "sudden death". Die große Mehrheit der deutschen und somit auch bayerischen Milchbranche hat sich jetzt doch zur Gründung einer nationalen Branchenkommunikation Milch bekannt. Diese wird nun wie geplant Anfang kommenden Jahres an den Start gehen können, die dafür notwendigen Planungen sind eingeleitet. In den vergangenen Wochen wurden von den drei Dachverbänden DBV, DRV und MIV bei den Molkereiunternehmen verbindliche Abfragen vorgenommen. Nachdem beim ersten Termin am 16. Oktober, auch aus zeitlichen Gründen, noch nicht die vorher festgelegte Mindestbeteiligung von 80 Prozent der deutschen Milchmenge seine Zusage gegeben hatte, wurde die Frist verlängert, auf den 4. und dann letztendlich auf den 9. November. Auch hier lag die Zustimmungsrate mit 78,2 Prozent noch unter der vorgegebenen Linie. Aber die fehlenden Mittel werden aus dem seit Ende der 80er Jahre stillgelegten nationalen Milchförderungsfonds übernommen. Und vielleicht gibt es ja noch den ein oder anderen Spät(er)berufenen, der von der unabdingbaren Notwendigkeit einer bis dato noch nicht existierenden Einrichtung, zum Wohle des Lebensmittels Milch überzeugt (nicht überredet!) werden kann.

Mit dieser Entscheidung wird eine weitere Etappe, der in der Strategie 2030 der deutschen Milchwirtschaft erarbeiteten Ziele umgesetzt. Die Umsetzung soll bereits - mit einem schlanken Team - zu Beginn kommenden Jahres starten. Zeit dafür sind jetzt die kommenden 4 Jahre, auf die das Commitment der Milchbranche im ersten Schritt ausgelegt sein wird. Zur Verfügung stehen dabei, bezogen auf die festgelegte und über den Flaschenhals Molkerei abgeführte Abgabe von 0,015 Cent/Liter Milch insgesamt etwa 4 Millionen Euro. Bezogen auf den Gesamtumsatz der deutschen Milchwirtschaft von fast 30 Milliarden Euro ist dies eine Summe, die mit dem berühmt-berüchtigten Wort "Peanuts" noch überbewertet ist. Mit diesem Betrag werden mit Sicherheit keine Bäume ausgerissen und - häufig gestellte Frage - auch nicht sofort spürbare Auswirkungen auf den Milchpreis festgestellt werden können. Es ist fast wie beim Thema (Fort)bildung: Auch da spürt man das Ergebnis erst eine Weile später, ob man noch "im Geschäft" ist oder unwiderruflich "out" ist. Aber "out" heißt am Markt dann leider "ganz out" - zu Deutsch: Anschluss verpasst, Verbraucher verloren!

Warum nun diese zusätzliche Organisation? Die Milchbauern und auch die Branche selbst wissen sehr wohl um die Vorzüge des Lebensmittels Milch. Die derzeit im Wesentlichen in der Verantwortung stehende Generation - sowohl auf den Betrieben wie auch in Verbänden und in den Verarbeitungs- und Vermarktungsorganisationen ist aber nicht der Maßstab. Der Kunde ist König und macht seine Auswahl an Nahrungsmittel nicht nur davon abhängig, um satt zu werden und dafür ein wohl schmeckendes und qualitativ hochwertiges Lebensmittel bereitgestellt zu bekommen. Die Art der Erzeugung spielt dabei eine immer größere Rolle, vor allem im tierischen Bereich: Geht es den Lebensmittel liefernden Tieren in deren Leben als Nutztier wirklich gut, ist eine der wesentlichen Fragen bei der Auswahl! Dabei ist noch zu unterscheiden zwischen Kritikern und Skeptikern, die sich von der angeblich krank machenden Milch abzuwenden drohen. Viel heftiger geht aber die Fraktion der Gegner der Nutztierhaltung vor, denen jedes Argument recht ist, den Konsum von Milch madig zu machen. Und die heutigen modernen und vor allem schnellen Medien leisten hierzu einen "guten und bildstarken" Beitrag.

Deswegen ist die in Teilen der Milcherzeuger noch anzutreffende Skepsis durchaus nachvollziehbar. Aber eine zentrale, allen Akteuren der Wertschöpfungskette nutzende Kommunikation ist (wieder einmal) "alternativlos"! Die jüngsten Umfragen vor allem bei der jüngeren Generation, aber auch die zuletzt starke Zunahme des Verbrauchs von "Milchimitaten" sollte Warnung genug sein, dass sich die Branche diesem Trend aktiv entgegenstellen muss. Und dabei ist Skeptikern und Kritikern nur mit dem freundlichen Hochheben eines Milchglases allein nicht mehr beizukommen. Kommunikation hat schnell, zielgruppenorientiert und mit den modernen Methoden zu erfolgen - und trägt dabei nicht immer logische Züge. Kurz: Dem Angler selbst muss der Wurm nicht schmecken, der Wurm hat seine eigenen "Verbrauchsgesetze".

Ein finanzieller Mehraufwand für die Milcherzeuger ist übrigens damit nicht verbunden: Der bayerische Anteil für die bundesdeutsche Kommunikation Milch wird von dem Beitrag abgezogen, den die Molkereien an den bayerischen Molkereiverein milch.bayern e.V. abführen. Dafür wird milch.bayern e.V. im Gegenzug seine PR-Arbeit für die Milch mit seinen Kooperationspartner, zu denen auch der Verein Unsere Bayerischen Bauern e.V., der Verband der Milcherzeuger Bayern e.V. und der Bayerische Milchförderungsfonds zählen, ausbauen. Dazu wäre aber von möglichst allen Milcherzeugern, verbandsunabhängig, die Einzahlung in den Bayerischen Milchförderungsfonds dringend zu empfehlen. Der Bau eines auch in Bayern üblichen Stalles für 100 Milchkühe kostet heute etwa 1 Million Euro. Damit können circa 800.000 kg Milch erzeugt werden. Wenn aber dann Milcherzeuger nicht bereit sind, via Molkereien sich mit jährlich 120 Euro (!) über die Branchenkommunikation Milch an der Darstellung (s)einer realistischen Erzeugung des Lebensmittels Milch und mit 400 Euro über den Bayerischen Milchförderungsfonds am Absatz seines Produktes, dazu noch weiteren individuellen Leistungen wie einen Versicherungsschutz, zu beteiligen, hat als Unternehmer die bereits laufende, äußerst rasante Entwicklung leider noch nicht realisiert.

 

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