07.09.2018

Milchanlieferung

Milch, Hitze, Trockenheit - erste Analyse

Mit großer Spannung wurde in den letzten Wochen die Entwicklung der Milchanlieferung vor allem in Deutschland verfolgt. Angesichts der großen Hitze und der Trockenheit mit so gut wie keinem Niederschlag in manchen Regionen im nördlichen Bayern, in weiten Teilen der Neuen Bundesländer sowie auch in Niedersachsen und Schleswig-Holstein wurde allgemein ein Einbruch der Milchanlieferung erwartet.
Die jüngsten Analysen von AMI und ZMB sowie eigene VMB-Recherchen geben allerdings ein differenziertes Bild.
 
Nachdem es bis weit in den August hinein infolge der heißen und trockenen Witterung zu einem deutlichen Einbruch der Anlieferungsmengen gekommen war, hat sich Ende August die Milchanlieferung in Deutschland wieder stabilisiert. Dabei galt es vor allem zu unterscheiden: Die lang anhaltende Hitze mit erheblichen Stress für die "Milchproduzentinnen" ist das eine, die Folgen der Trockenheit mit teilweise bescheidenem Aufwuchs im Futterbau die andere Seite des heuer extremen Wetterjahres. Mit der Abkühlung der Temperaturen ließ der Hitzestress für die Kühe nach, wodurch sich die Anlieferungsmengen wieder dem Vorjahresniveau annäherten, die in der Zwischenzeit stark unterschritten wurde. Auch wenn sich die Lage kurzfristig wieder erholt hat, fehlen in Folge der Trockenheit in vielen Regionen aber Vorräte für die Winterfütterung. Derzeit ist die Futterversorgung zwar weitgehend gewährleistet, weil teilweise auch noch auf Vorräte aus dem vergangenen Jahr zurückgegriffen werden kann. Mittelfristig sind jedoch Auswirkungen auf die Milchanlieferung zu erwarten, denn die Kompensation des entweder quantitativ nicht vorhandenen oder qualitativ abfallenden Grundfutters dürfte schwierig werden. Zudem verteuert sich Zukauffutter aktuell zusehends, obwohl andererseits an den von den Berufsverbänden eingerichteten Futterbörsen noch wenig Nachfrage besteht.
 
Vor diesem Hintergrund sowie der in den betroffenen Gebieten kurzfristig deutlich gestiegenen Kuhschlachtungen, wird aller Voraussicht, zumindest regional, der Rückgang der Milchmengen in der zweiten Jahreshälfte, spätestens aber zu Beginn des kommenden Jahres stärker als saisonal üblich ausfallen. Die Rohstoffmärkte waren im August in preislicher Hinsicht spürbar von den witterungsbedingt reduzierten Anlieferungsmengen bestimmt. Im Zuge dessen fiel das Angebot an Rohmilch und Konzentraten deutlich niedriger aus. Die unterdurchschnittlichen Inhaltsstoffe, besonders auf der Fettseite, wirkten sich zusätzlich dämpfend auf die Rohstoffverfügbarkeit und Verwertungsmöglichkeiten aus. Dem stand eine belebte Nachfrage nach Frischprodukten gegenüber. Vor dem Hintergrund der witterungsbedingt geringeren Anlieferungsmengen bestand bei den Verarbeitern vermehrt Zukaufbedarf, um den bestehenden Lieferverpflichtungen nachkommen zu können. Dies hat zu einem deutlichen Anstieg bei den Preisen für Magermilchkonzentrat und überwiegend bei Industrierahm geführt.
 
Im Zuge der jüngsten Normalisierung der Anlieferungsmengen war dann wieder mehr Ware verfügbar. Die Inhaltsstoffe, vor allem der Fettgehalt, sind aber zumeist weiter unterdurchschnittlich. Daher sind Rohmilch und Konzentrate relativ hochpreisig geblieben. Zuletzt hat sich die Verfügbarkeit jedoch teilweise wieder etwas entspannt, sodass die Spitzenpreise der Vorwochen, am Spotmarkt für Rohmilch über 40 Cent/kg, teils nicht mehr zu erzielen waren.
 
Aktuell ist die Milchanlieferung in Deutschland wieder saisonal rückläufig. In der 34. Woche ging das Milchaufkommen laut Schnellberichterstattung der ZMB gegenüber der Vorwoche um 1,1 % zurück. In der gleichen Vorjahreswoche war die Anlieferung um 0,3 % umfangreicher gewesen. Auch in den Nachbarländern, wie beispielsweise in Frankreich, waren die Milchanlieferungen in der 34. Woche rückläufig. Bei einer Abnahme gegenüber der Vorwoche um 0,4 % wurde die Vorjahreslinie um 0,9 % unterschritten.
 
An der Milchanlieferung kann es also nicht liegen, wenn es um stichhaltige Argumente für die Kontraktgespräche zwischen Molkereien und dem Lebensmitteleinzelhandel bei der gelben und weißen Linie geht, die angesichts der Kosten- und Auflagenentwicklung auf den Milcherzeugerbetrieben einfach deutlich höhere Preise bringen müssen.