05.10.2018

Lebensmitteleinzelhandel

Käsepreise im Steigflug

Nach den stetig steigenden Notierungen in den letzten Monaten an den bekannten Produktbörsen für Schnittkäse war eine Preisanhebung eigentlich logisch, notwendig für die Erzeugerseite allemal. Doch die Märkte kennen nicht immer eine Logik, oft sind leider auch noch andere Faktoren für die finale Preisfestsetzung ausschlaggebend.
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Die noch während der Verhandlungsphase in den letzten Wochen kursierenden Gerüchte, wonach es bei den jüngsten Kontraktverhandlungen für die Standardprodukte der "gelben Linie", in der Regel Eigenmarken des Lebensmitteleinzelhandels, zu einer negativen Nullrunde kommen würde, haben sich gottlob für die Milcherzeuger nicht bestätigt. Die Molkereien konnten bei dieser Kontraktrunde zumindest moderate Preiserhöhungen durchsetzen, die jetzt zu Beginn des Monats Oktober auch in den erhöhten Verbraucherpreisen sichtbar geworden sind.
 
Betroffen sind vor allem die bekannten Leitprodukte wie "Käseaufschnitt 250 g", der von bisher 1,39 Euro/250 g auf 1,49 Euro/250 g erhöht wurde. Das Niveau vom Herbst letzten Jahres wurde hier aber noch um 10 Cent verfehlt, die Variante "Käseaufschnitt 250 g light" kostet dagegen wieder 1,59 Euro. Ebenso erhöht wurden die Preise für ein weiteres Paket an Standardprodukten, die aufgeschnittenen und abgepackten 400 g mit Edamer, Gouda, Tilsiter oder Butterkäse, die von bisher 1,99 Euro auf jetzt 2,25 Euro/400 g gestiegen sind und fast wieder das Niveau des letzten Herbstes erreichten. Ebenfalls preislich verbessert hat sich die mittlerweile breite Palette der geriebenen Käse, vor allem Gouda, Edamer und Emmentaler, die einen kleinen Preissprung von bisher 1,35 Euro auf jetzt 1,49 Euro je 200 g Beutel gemacht haben. Die neuen Kontrakte laufen jetzt wieder bis mindestens Ende März kommenden Jahres. 
 
Die jüngsten positiven Preisanpassungen von im Schnitt 50 Cent/kg Käse werden natürlich und müssen auch Auswirkungen auf die Milchpreise haben. Erwähnt werden muss aber in diesem Zusammenhang auch immer, dass eben nur etwa 40 Prozent der gesamten bayerischen Milch inklusive Käse an den Lebensmitteleinzelhandel geht und sehr viele bayerische Molkereien eben keine Standardware in den Markt bringen. Und im Markensegment ebenfalls Preisverbesserungen durchzusetzen, ist die anstehende Aufgabe der verantwortlichen Molkereien. Nicht vergessen darf bei der Verwertung der Milch zu Käse auch immer der Blick auf die jeweiligen Preise für die Restverwertung des Rahms und der anfallenden Molke. Aber: Der Preistrend geht - trotz der in den letzten Wochen negativen Meldungen vom Weltmarkt und von den Warenterminmärkten - in die richtige Richtung. Die derzeit noch nicht abschätzbaren Auswirkungen der Trockenheit mit sehr unterschiedlichen regionalen Futtergrundlagen, die wahrscheinlich weiter unterdurchschnittlichen Inhaltsstoffe und die damit verbundenen geringeren Ausbeuten, werden für das kommende Halbjahr für eine weiter positive Milchpreisentwicklung eher förderlich sein. Eine Prognose mit einem konkret zu erwartenden Milchpreis in den kommenden Monaten wäre aber, vor allem wegen des derzeit starken Einflusses politisch motivierter Akteure, nicht seriös und überlässt der VMB gerne anderen Experten.