09.08.2018

Handelsangelegenheiten

JEFTA mit Chancen für die EU-Milchbauern

Handelsabkommen, im politischen Betrieb meist als "Freihandelsabkommen" bezeichnet, haben bei Gesellschaft, Verbrauchern und auch in landwirtschaftlichen Erzeugerkreisen nicht den allerbesten Ruf.
Dabei ist der Handel mit Waren und Dienstleistungen nach festgelegten Vereinbarungen die Grundlage einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung über Landesgrenzen hinaus. Während US-Präsident Donald Trump weiterhin auf Protektionismus und Zollschranken setzt, entwickelt sich der internationale Handel genau in die andere Richtung. Mitte Juli unterzeichneten die EU und Japan ein so genanntes Wirtschaftspartnerschaftsabkommen, besser bekannt als JEFTA (Japan-EU-Free-Trade-Agreement), das im kommenden Jahr in Kraft treten soll und wesentliche Zollerleichterungen beinhaltet. Der Abbau von Handelshemmnissen durch das Abkommen erfasst ganz erheblich auch den Agrarbereich: So werden nach Auskunft der EU-Kommission, bei 85 Prozent der nach Japan ausgeführten EU-Agrarerzeugnisse und Lebensmittel, schrittweise Handelsbeschränkungen abgebaut.
 
Auch für die EU würden sich Vorteile ergeben: Die Agrar- und Lebensmittelausfuhren nach Japan betragen 5,7 Mrd. Euro. Damit ist Japan weltweit der viertgrößte Markt für EU-Agrarausfuhren, nach China der zweitgrößte in Asien. Durch die Senkung der Zölle gibt es Zugang für 50.000 t Rindfleisch und nahezu zollfreien Zugang für Schweinefleisch aus der EU.
 
Und wie wirkt sich das Abkommen im Milchbereich aus? Derzeit wird auf diverse Sorten von Hartkäse noch ein Zollsatz von bis zu 29,8 Prozent erhoben. Nach Inkrafttreten des Abkommens werden die Zölle binnen 15 Jahre auf Null abgesenkt. Mit dem gleichen Zollsätzen werden derzeit noch die Ausfuhren von Weich- und Frischkäse (z.B. Mozzarella, Feta) belegt. Für diese Produkte soll es dann ein zollfreies Kontingent im Umfang der derzeitigen EU-Ausfuhren geben. Außerhalb dieser Quoten sollen aber die Zölle weiter so hoch bleiben, dass es keine zusätzlichen Exportanreize für europäische Produkte nach Japan geben wird. Bei Hartkäse sollen diese nahe 69 Prozent liegen. Darüber hinaus wird auch für Butter und Magermilchpulver eine Zollquote eröffnet.
 
Ein Blick auf die milchwirtschaftlichen Zahlen Japans lassen hier durchaus Absatzchancen mit Wertschöpfung erkennen: In Japan wird mit etwa 7,3 Mio. t etwas weniger Milch erzeugt als im Freistaat Bayern. Andererseits ist die Bevölkerung Japans mit 126 Mio. Einwohnern ziemlich exakt zehnmal so groß wie der heimische Freistaat mit 12,9 Mio. Einwohnern. Und noch etwas fällt auf: Mit 3,4 Mio. t Milch wird fast die Hälfte der Milch zu Konsummilch verarbeitet und weitere 1,3 Mio. t zu Frischprodukten. Käse aus inländischer Produktion fristet hier nicht mehr als ein Nischendasein. Eine Chance auch für das Käseland Bayern!