10.08.2018

Milchvermarktung international

Glyphosat: Südtirols Milchwirtschaft verzichtet!

Die Diskussion um den Einsatz des wohl bekanntesten Pflanzenschutzmittels Glyphosat hat schon seit längerem die sachliche und wissensbasierte Ebene komplett verlassen.
Auch wenn eine mögliche gesundheitsschädigende oder gar krebserregende Wirkung bisher nicht nachgewiesen wurde und weiterhin sehr kontrovers darüber diskutiert wird, ist es für einen Teil der Verbraucher schlichtweg "Teufelszeug". Unter dem Druck der öffentlichen Meinung und meinungsbildenden Influencern, zum Teil aber auch aus Marketinggründen haben in Bayern bereits einige Molkereien reagiert und - trotz der nochmaligen Verlängerung der Zulassung Ende letzten Jahres - ein Verbot des Einsatzes dieses Pflanzenschutzmittels auf den eigenen Flächen der Milcherzeuger ausgesprochen. Für Milchbauern in ausschließlichen oder überwiegenden Grünlandgebieten fast kein Problem. Aber ein flächendeckendes Verbot, sei es von der Politik verhängt oder von der Wirtschaft eingefordert, hätte zumindest kurzfristig weitreichende Konsequenzen für viele Milcherzeuger, trotz des geringstmöglichen und verantwortungsvollen Einsatzes.
 
Auch in bayerischen Anrainerländern ist der Einsatz von Glyphosat Gegenstand langer Diskussionen in milchwirtschaftlichen Kreisen gewesen: So hat jüngst die Südtiroler Milchwirtschaft, seit 1. Juli 2018, ebenfalls den Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln verboten. Begründet wurde dies seitens der Verantwortlichen, dass die Zweifel rund um den Wirkstoff noch lange nicht aus der Welt geschafft seien - trotz Verlängerung der Zulassung durch die EU-Kommission um weitere 5 Jahre, bis Ende 2022. Und Verdacht ist kein Freund des Vertrauens beim kritischen Verbraucher, ein Verbot daher konsequent. Auf das Verbot des Einsatzes ab 1. Juli auf allen Futterflächen, die von den Bergbauern bearbeitet werden, haben sich alle im Sennereiverband Südtirol zusammengeschlossenen 9 Milchhöfe einstimmig geeinigt. Dies geschah auch deswegen so einmütig, weil dieser Schritt nahtlos zur bisherigen Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstrategie der Südtiroler Milch passen würde, wie Obmann Joachim Reinalter in verschiedenen Statements ausführte. Der Schritt fällt den Südtirolern auch deswegen so leicht, weil sich schon heute 8 von 10 Bergbauern an nationalen oder EU-Agrarumweltprogrammen beteiligen, die die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln verbieten.
 
Nach Aussagen der Verantwortlichen in Südtirol marschiert Südtirols Milchwirtschaft auch in dieser kritischen Frage, zusammen mit den Milchbauern vorneweg. Schon 2001 hat man dort begonnen, gänzlich auf gentechnikfreie Fütterung umzustellen, was mittlerweile von vielen Akteuren in der europäischen Milchwirtschaft entweder kopiert oder schlichtweg seitens des Handels eingefordert wurde. Mit dieser Vorreiterrolle will man erneut versuchen, der kleinteiligen Südtiroler Milchwirtschaft beim Wettbewerb gegen Milch aus Gunstlagen ein Überleben am Markt zu sichern. Und mit der bisherigen Strategie, mit Qualität, Gesundheít und Nachhaltigkeit, hat man es bisher erfolgreich geschafft, gegen die übermächtige Konkurrenz zu punkten und die Milchwirtschaft in Südtirol zu erhalten. Und diese ist wirklich kleinteilig in Südtirol: 2017 wurden dort von etwa 4.500 Milchbauern etwas mehr als 400 Mio. kg Milch erzeugt, davon nur 11 Mio. kg Biomilch. Der Südtiroler Milchbauer hält etwa 15 Milchkühe und liefert 83.000 kg an eine der genannten Milchhöfe.