So funktioniert die Saldierung

Mit der aktuellen Diskussion über die Begrenzung der Milchmenge zur Marktstabilisierung und der in diesem Zusammenhang diskutierten Änderung der Saldierung, werden nachfolgend die aktuell verwendeten Saldierungsschritte beschrieben.
 
Grundsätzlich gibt es zwei Stufen der Saldierung, auf Ebene der Molkerei und auf Bundesebene. Bei der Molkereisaldierung ist seit 1. April 2006 die zu berücksichtigende Überlieferungsmenge auf maximal 10 Prozent beschränkt. Darüber hinausgehende Überlieferungen sowie in der Molkereisaldierung nicht verrechnete Über- und Unterlieferungen der Molkereien gehen wie bisher in die Bundessaldierung ein.
  
 
Molkereisaldierung 
 
Vor Durchführung der Molkereisaldierung sind zunächst die Überlieferungen der einzelnen Erzeuger mit deren jeweiligen Anlieferungs-Referenzmengen zu vergleichen, um die Überlieferer zu bestimmen, die ihre Quote um mehr als 10 Prozent überliefert haben. Bei diesen Erzeugern bleibt der Teil ihrer Überlieferung, der über 10 Prozent ihrer Quote hinausgeht, in der Molkereisaldierung außen vor.
 
In das Berechnungsverfahren der Molkereisaldierung gehen somit folgende Mengen ein:
  • Summe der Unterlieferungen
  • Summe der Überlieferungen bis max. 10 Prozent der betrieblichen Quoten
 
Bei der Molkereisaldierung gibt es zwei mögliche Varianten:
 
1. Summe der Unterlieferungen größer als die Summe aller Überlieferungen  
 
Mit den Unterlieferungen können alle Überlieferungen bis zu 10 Prozent der jeweiligen Quoten verrechnet werden. Als Ergebnis verbleibt ein Rest an Unterlieferungen sowie der von der Molkereisaldierung vorab ausgenommene Teil der Überlieferungen, die über 10 Prozent der Quoten hinausgehen.
 

 
 
2. Summe der Unterlieferungen kleiner als die Summe aller Überlieferungen
 
a) Alle Überlieferungen bis zu 10 Prozent der jeweiligen betrieblichen Quoten können mit den Unterlieferungen vollständig verrechnet werden.
Ergebnis: Es verbleibt ein Rest an Unterlieferungen sowie der von der Molkereisaldierung vorab ausgenommene Teil der Überlieferungen.
 

 
  
b) Die Überlieferungen bis zu 10 Prozent der jeweiligen Quoten können mit den Unterlieferungen nicht vollständig verrechnet werden.
Ergebnis: Es verbleiben keine Unterlieferungen, die verbleibende Überlieferungsmenge setzt sich zusammen aus den nicht verrechenbaren Überlieferungen und der vorab berechneten Übermenge aus der 10 Prozent-Regelung.
 

 
 
Die erfolgte Begrenzung der Molkereisaldierung kann, wie oben genannte Konstellationen zeigen, zur Konsequenz haben, dass die verfügbare Summe der Unterlieferungen nicht vollständig mit Überlieferungen verrechnet werden kann und somit sowohl Unter- als auch Überlieferungen verbleiben.
 
 
Bundessaldierung 
 
Im Verfahren der Bundessaldierung wird auf Basis der von den Molkereien gemeldeten Unter- und Überlieferungen ein prozentualer Saldierungsschlüssel berechnet, der dann auf sämtliche nach der Molkereisaldierung verbliebenen Überlieferungen angewandt wird. Der Saldierungsschlüssel gibt an, welcher Anteil der Überlieferung durch die Unterlieferung verrechnet (saldiert) werden kann. Für die verbleibende Überlieferung ist dann eine Abgabe, die so genannte Superabgabe (27,83 Cent/ kg) zu bezahlen.
 
Die Höhe der einzelbetrieblichen Überlieferung spielt in der Bundessaldierung keine Rolle. Sofern sich auf Bundesebene keine Überschreitung der nationalen Garantiemenge ergeben sollte (Saldierungsschlüssel = 100 Prozent), wären dann auch sämtliche Überlieferungen, auch solche, die mehr als 10 Prozent der einzelbetrieblichen Quote ausmachen, abgabefrei.
 

 
 
Beispiel 
 
Die Berechnung der Saldierung und die Auswirkungen der 10-prozentigen Begrenzung können anhand des in der Übersicht wiedergegebenen Beispiels nachvollzogen werden.
 
Ausgangsdaten
  • Nach Ablauf des Quotenjahres ergibt sich für eine kleine Beispielsmolkerei eine summierte Unterlieferung von 75.000 kg, der eine Überlieferung durch drei Milcherzeuger A, B und C mit insgesamt 80.000 kg gegenübersteht.
  • Bei einer Beschränkung der Zuteilung von Unterlieferungen können nunmehr bei Milcherzeuger A, dessen Überlieferung von 25.000 kg 116,7 Prozent seiner Referenzmenge entspricht, nur noch 15.000 kg der Überlieferungsmenge (= 10 Prozent seiner Quote) im Verfahren der Molkereisaldierung berücksichtigt werden.
  • Durch die Beschränkung reduziert sich die für die Molkereisaldierung zu berücksichtigende Überlieferungsmenge von 80.000 auf max. 70.000 kg (Betrieb A: 15.000 kg, B: 50.000 kg, C: 5.000 kg).
 
Molkereisaldierung
  • In Stufe 1 ergibt sich ein Saldierungsfaktor von 7,5 Prozent (= Unterlieferung der Molkerei (75.000kg) geteilt durch Anlieferungs-Referenzmenge der Überlieferer (1.000.000)).
  • Bei Verrechung des Saldierungsfaktors mit den Referenzmengen ergeben sich die zugeteilten Saldierungsmengen der Betriebe (A: 11.250 kg, B: 41.250 kg, C: 22.500 kg).
  • Das Ergebnis der verbleibenden Überlieferung bzw. für die weitere Saldierung verfügbaren Unterlieferung ergibt sich aus der Differenz der berücksichtigten Molkereisaldierung mit den zugeteilten Saldierungsmengen (Überlieferung A: 3.750 kg, B: 8.750 kg, nicht genutzte Unterlieferung C: 17.500 kg).
  • In Stufe 2 ergibt sich ein Saldierungsfaktor für die verbleibenden Überlieferer von 2,5 Prozent (= nicht genutzte Unterlieferung der Molkerei durch Anlieferungs-Referenzmenge der noch verbleiben Überlieferer A und B).
  • Bei Verrechung des Saldierungsfaktors mit den Referenzmengen ergeben sich die zugeteilten Saldierungsmengen der Betriebe (A: 3.750 kg, B: 13.750 kg).
  • Das Ergebnis für einen möglichen weiten Stufe der Molkereisaldierung ergeben sich aus der Differenz der verbleibenden Saldierungsmengen mit den verbleibenden Überlieferungsmengen (Betrieb A: 0 kg, B: 5.000 kg nicht genutzte Unterlieferung).
  • In der Modellmolkerei konnten alle Betriebe Ihre Überlieferungen saldieren (Betrieb A: begrenzt auf 10 Prozent).
  • Die Beispielskalkulation ergibt weiter, dass die verfügbaren Unterlieferungen nicht mehr vollständig auf Molkereiebene zugeteilt werden können. Es verbleibt nach der Molkereisaldierung eine Unterlieferung von 5.000 kg.
Als Ergebnis der Molkereisaldierung wird die verbliebene Überlieferung von 10.000 kg und die verbliebene Unterlieferung von 5.000 kg im Rahmen der Mengenmitteilung durch die Molkerei gemeldet und zur Ermittlung des Saldierungsschlüssels auf Bundesebene herangezogen.
 
Bundessaldierung – Zusammenfassung
  • Zur Vereinfachung wurde bei der Bundessaldierung ein Saldierungsschlüssel von 39 Prozent unterstellt.
  • Hierdurch ergibt sich für Betrieb A eine abgabenfreie Überlieferungsmenge von 3.900 kg.
  • Die abgabepflichtige Überlieferungsmenge für Erzeuger A hat sich nach den Saldierungen von anfänglich 25.000 kg auf nunmehr 6.100 kg reduziert.
 
 
Übersicht Beispiel: Saldierung von Unter- und Überlieferungen
 

 
Das Merkblatt "So funktioniert die Saldierung" steht hier zur Ansicht und zum Download für Sie bereit:

Datum
Beschreibung
Download-Datei
KB
30.06.2008
So funktioniert die Saldierung
080904-Saldierung.pdf
492

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