01.12.2017

Milk-Market Observatory

EU-Marktausschuss – Sitzung vom 28. November 2017

Mit der 24. Sitzung, am 28. November 2017, trafen sich zum vierten Mal in diesem Jahr, die Vertreter des MMO-Wirtschaftsausschusses, mit Teilnehmer aus den verschiedenen Stufen der Milchwirtschaft: CEJA (Junglandwirte), COPA-COGECA (Produzenten und Genossenschaften), ECVC Via Campesina (Landwirte), EMB (European Milch Board), EDA (Milchindustrie), Eucolait (Milchwirtschaft) sowie der Eurocommerce (Einzelhandel).
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Neben der Marktanalyse informierten sich die Sitzungsteilnehmer des Weiteren über den aktuellen Stand der Vermarktung von Milcherzeugergemeinschaften in Europa. Bei der Anhörung konnte auch die Bayern MeG, vertreten durch Geschäftsführer Markus Seemüller, ihre Situation der Milchvermarktung in Deutschland schildern. Zusätzlich wurden auch weitere Vermarktungsgruppen aus Litauen (Pienas), Spanien (Agaprol) und Frankreich (Sunlait) angehört. Hintergrund der Anhörungsrunde war, sich ein Bild zu machen in welcher Größenordnung sich die Milchvermarktung von Milcherzeugergemeinschaften (MEG) in Europa entwickelt hat. Ausgang war vor geraumer Zeit das beschlossene sogenannte „Milchpaket“ (EU-VO 261/2012 vom 14. März 2017) zur Marktunterstützung der Milcherzeuger und Milcherzeugergemeinschaften.
 
Die aktuelle Marktlage wurde von den Experten in verschiedenen Diskussionsrunden analysiert und entsprechend bewertet. (Zusammenfassung aus dem englischen Markttext)
 
Die EU-Milchlieferung ist im September 2017 um 440 000 t angestiegen, während die aufsummierte Milchproduktion in den ersten neun Monaten 2017 um lediglich 0,4% zugenommen hat. Das jüngste Wachstum war besonders in Deutschland, Frankreich und Irland markant. Nur noch lediglich sieben Mitgliedstaaten meldeten im September einen Produktionsrückgang, allerdings bei bescheidenen Mengenbeträgen. Die Verarbeitung von Magermilchpulver (MMP) und Butter ging im gesamten laufenden Kalenderjahr um 6,1% bzw. 3,5% zurück. Die EU-Käseproduktion stieg dagegen 2017 um 90 000 t bzw. um 1,3%.
 
Der durchschnittliche EU-Milchpreis stieg auf 36,7 Cent/kg im September 2017 und befindet sich somit um 11% höher, verglichen mit dem Durchschnittspreis der letzten fünf Jahre. Der Septemberwert ist damit der zweitbeste Milchpreis (nach dem Jahr 2013) des letzten Jahres. Schätzungen deuten auf eine Preisstabilisierung im Oktober hin. Der Index der Bruttomargen für die Milcherzeugung zeigt seit dem dritten Quartal 2016, dank der verbesserten Milchpreise und den niedrigeren Betriebskosten, eine deutliche Erholung.
 
Die Preise für Milchprodukte konnten sich in der EU festigen und vermelden einen deutlichen positiven Abstand über die mehrjährigen Vergleichswerte. Ausnahme bleibt bei der Erlösentwicklung nach wie vor die reine Milchproteinseite (Magermilchpulver und Molkenpulver). Die Butterpreise wurden aktuell im erhöhten Preisniveau abrupt korrigiert und haben sich bei etwa 530 €/100 kg etwas stabilisiert. Die Preise für Magermilchpulver befinden sich in der EU unter dem Niveau der öffentlichen Intervention (152€/100 kg), aber immer noch um 14% höher im Vergleich zu den Preisen in den US. Bei kurzfristigen Schwankungen blieb das €/$-Währungs-Verhältnis in den letzten Monaten im Durchschnitt stabil und behielt 2017 eine Steigerung von 12% bei.
 
Das Gesamtvolumen der öffentlichen Interventionsbestände von Magermilchpulver ist auf insgesamt 363 000 t angestiegen, da im September nochmals 22.000 t Magermilchpulver eingekauft wurde. Die Bewertung der EU-Bestände auf der Grundlage eines Restansatzes (Produktion plus Einfuhren minus Verbrauch und minus Ausfuhren) verzeichnet ein atypisch niedriges Niveau an privaten Magermilchpulver-Beständen. Angesichts der freundlichen Exportnachfrage sollte daher Raum für die Freigabe von öffentlichen Beständen durchaus möglich sein. Die Butterbestände sind äußerst gering; die Käsevorräte im Verhältnis zum Bedarf normal. Die weltweite Milchproduktion wuchs von Januar bis September um 1,6% und seit Mai um etwa 2%. Die Spitzenreiter der Wachstumsrate war im September die EU. Die USA halten an einem stetigen Anstieg fest, sind aber im Herbst niedriger ausgefallen. Die neuseeländische Milcherfassung war im Oktober verhaltener, obwohl man sich im saisonal stärksten Anlieferungsmonat befindet. Die Produktionsprognose musste daher etwas nach unten korrigiert werden. Für den Marktentwicklung spricht, dass das derzeitige durchschnittlichen Nachfragewachstum mit 1,5% die (Markt-) Situation zunehmend ins dem Gleichgewicht bringen könnte.
 
Die weltweiten Exporte haben in diesem Jahr zugenommen (+ 6% in Milchäquivalent), liegen aber seit August unter den Werten von 2016 und 2015. Asien bleibt die wichtigste Wachstumsregion. Die Nachfrage in China war höher als erwartet, obwohl die inländische Milcherzeugung (in China) anstieg. Gute Absatzbedingungen bestehen für Käse und Butter in die Vereinigten Staaten. Durch die hohe Verfügbarkeit der öffentlichen Intervention an Magermilchpulverbeständen in der EU, verhalten sich die Einkäufer und Händler spekulativer in ihrem Nachfrageverhalten. Hohe Preise haben die Käseausfuhren der EU in den letzten zwei Monaten beeinflusst. Der Handel mit Butter verlangsamt sich aufgrund des erhöhten Preisniveaus und der geringeren Verfügbarkeit. Dennoch hat die EU generell ihre Lieferungen in die USA, China, den Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate ausweiten können. Die wachsende globale Milchproduktion verursacht eine gewisse rückläufige Marktstimmung. Die Nachfrage bleibt angeregt, wird aber vom Angebot allmählich überholt, so dass Überlegungen notwendig sind, um das derzeitige Ungleichgewicht zu beseitigen und Lageraufbau zu vermeiden.