01.12.2017

Das Thema Glyphosat zieht Kreise

Glyphosat beschäftigt bayerische Molkereien, in Österreich werden Fakten geschaffen

Ende letzten Monats sorgte die Entscheidung der Molkerei Berchtesgadener Land für Aufsehen, ihren 1.800 Milchlieferanten mit sofortiger Wirkung die Anwendung des Herbizids Glyphosat zu verbieten und dies in der Lieferordnung zu verankern. Nicht ganz überraschend führt diese Entscheidung auch zu Diskussionen in anderen bayerischen Unternehmen.
Das Thema beschäftigt die Branche, auch wenn Glyphosat in
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der Milchwirtschaft insgesamt eine weit geringere Rolle spielt als im Ackerbau, ein Einsatz nur in Ausnahmefällen im Rahmen der guten landwirtschaftlichen Praxis stattfindet. Schwierig gestaltet sich die Diskussion deswegen, da das Thema eher emotional als sachlich diskutiert wird und die Verbraucher sich durch die kontroverse Diskussion auf politischer Ebene und die mediale Begleitung durchaus überproportional beeinflussen lassen.
Verstärkt werden wird die Diskussion wohl durch die Entscheidung der EU-Kommission in dieser Woche, den Einsatz von Glyphosat für weitere 5 Jahre zuzulassen - mit der Stimme der geschäftsführenden Bundesregierung. Damit wurde - sachlich betrachtet - nur umgesetzt, was Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem diesjährigen Bauerntag in Berlin vor den Delegierten verkündet hat.
 
In Österreich ist die Diskussion bei den dortigen Molkereien bereits weiter fortgeschritten: So hat dieser Tage die größte österreichische Molkerei, die genossenschaftliche Berglandmilch, entschieden, dass die Milchbauern ab sofort kein Glyphosat mehr verwenden dürfen. Das Verbot bezieht sich auf alle Äcker und Wiesen der dortigen Lieferanten von Schärdinger Tirol Milch und der Stainzer Milch in der Steiermark, die alle zur Berglandgruppe gehören. Betroffen sind nach VMB-Informationen auch die bayerischen Lieferanten des ehemaligen Rottaler Milchwerkes in Karpfham, die im Jahr 1999 in die Berglandmilch eingetreten sind. Wie einer Presseaussendung der Berglandmilch zu entnehmen ist, sei die Umsetzung eines Glyphosat-Verbotes "nur logisch". Die Entscheidung entspreche dem Selbstverständnis der Milchbauern; die Unternehmensleitung wolle damit unterstreichen, dass die Konsumentenerwartung oberste Priorität habe. Und das Thema zieht in Österreich weitere Kreise: Kommende Woche will sich der Vorstand der Kärntner Milch mit dem Verbot von Glyphosat beschäftigen.