Umrechnungsfaktor 1,02 oder 1,03
- Die Änderung und deren Folgen

Verschiedene Verbände haben in den letzten Jahren immer wieder den Umrechnungsfaktor für Milch heiß diskutiert. Was hat es mit dem Umrechnungsfaktor auf sich und welche Folgen hätte eine Änderung für Milchbauern, Molkereien und den Milchmarkt?
 
Warum brauchen wir einen Umrechnungsfaktor?
 
Der Sammelwagen erfasst die Milch in Liter (Volumen). Bezahlt wird die Milch jedoch, dies schreibt die Milchgüteverordnung vor, nach Gewicht (kg).
 
In Deutschland rechnen die Molkereien mit dem Faktor 1,02 um. Für einen abgelieferten Liter Milch bekommt der Milcherzeuger den Auszahlungspreis für 1,020 kg von der Molkerei ausbezahlt.
 
Die seit 1984 eingeführte Milchquote wurde nicht in Liter, sondern in Kilogramm festgesetzt und zugeteilt. Die daraus resultierende Liefermenge musste über einen Faktor umgerechnet werden. In Deutschland wurde seinerzeit von der Milchforschungsanstalt in Kiel ein Gewicht der Milch von 1.020 kg je Liter ermittelt und in der Milchgüteverordnung festgelegt. Dänemark rechnete damals ebenfalls mit 1,02, Österreich mit 1,025, Großbritannien mit 1,02969, alle anderen Länder mit 1,03. Seit dieser Zeit hat kein Land den Faktor geändert.
 
In den 90er Jahren hat die Milchforschungsanstalt in Kiel erneut ermittelt und festgestellt, dass in Abhängigkeit vom Fettgehalt und anderen Faktoren damals der „richtige“ Faktor 1,034 gewesen wäre. Aufgrund der aktuellen Diskussion wurde die Milchforschungsanstalt Kiel erneut beauftragt den Faktor zu ermitteln. An der Tatsache, dass der Umrechnungsfaktor nicht mehr dem Niveau von 1984 entspricht, besteht kein Zweifel.
 
 
Gesetzliche Grundlage
 
§ 4 der Milchgüte-Verordnung legt folgendes fest:
“Die Anlieferungsmilch ist monatlich, (…) nach Gewicht zu bezahlen. Werden Umrechnungen von Volumen in Gewicht nicht mit dem Faktor 1,020 vorgenommen, ist der von der Molkerei zugrundegelegte Umrechnungsfaktor in der Milchgeldabrechnung auszuweisen.“
 
Nach geltendem Recht kann die Molkerei und eine Milcherzeugergemeinschaft von diesem Faktor abweichen, dazu bedarf es lediglich eines entsprechenden Beschlusses. Der abweichende Umrechnungsfaktor muss auf der Milchgeldabrechnung gesondert ausgewiesen werden. In Deutschland wenden derzeit alle Molkereien den Faktor 1,020 an.
 
 
Folgen bei Änderung des Umrechnungsfaktors
 
Für den Milcherzeuger wirkt sich die Veränderung des Umrechnungsfaktor wie folgt aus:
 
Ein Milcherzeuger müsste bei einem geänderten Faktor 952 Liter weniger abliefern, um seine Quote von 100.000 kg zu erfüllen. Theoretisch wäre das Milchgeld das Gleiche wie beim Umrechnungsfaktor 1,02, da nach kg ausbezahlt wird. Würden alle Milcherzeuger nach der Umstellung weniger abliefern, würde sich die Milchmenge in Deutschland um ein Prozent reduzieren.
 
Für die Molkerei wirkt sich die Änderung des Umrechnungsfaktors folgendermaßen aus:
 
Wenn zum Beispiel 98.039 Liter Milch (=> 100.000 kg Quote) zu Käse verarbeitet und dafür je kg 3 Euro erlöst werden, kann die Molkerei bei Änderung des Umrechnungsfaktors statt 29.409 Euro nur noch 29.124 Euro und damit um 285 Euro weniger am Markt erlösen. Dies würde einem Milchgeldrückgang von 0,28 Cent pro kg für den Milcherzeuger.
 
Welche Auswirkungen auf den Markt durch ein Prozent weniger Anlieferung hinsichtlich der Preise für Käse oder andere Produkte zu erwarten sind, kann nicht vorhergesagt werden. Die Aussicht, dass die aus einer verringerten Liefermenge resultierenden Einnahmeverluste über einen besseren Molkereiverkaufspreis (weniger Angebot, höherer Preis) ausgeglichen werden, ist in einem offenen Binnenmarkt gering. Die nationale Änderung des Umrechnungsfaktors würde die Milchmenge in der EU-27 um max. 0,2 Prozent verringern. Nur wenn die gesamte EU-Quote reduziert werden würde, könnte dies positive Milchpreisentwicklungen mit sich bringen.
 
 
Aktueller Stand der Umsetzung
 
Beim Milchgipfel am 29.07.2008 hatte Bundesminister Horst Seehofer bereits angekündigt, dass das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz dem Bundesrat einen Verordnungsvorschlag zur Änderung des Faktors bei der Umrechnung der Anlieferungsmilch von Volumen in Gewicht zuleiten werde. Dieser Vorschlag liegt nun mit dem Entwurf einer siebten Verordnung zur Änderung der Milch-Güteverordnung (Milch-GüV) vor.
 
Nach dem Entwurf soll mit Wirkung ab dem 01.04.2009 in § 4 der Milch-GüV (Berechnung des Auszahlungspreises) in Abs. 1 Satz 2 die Angabe „1,020“ durch die Angabe „1,030“ ersetzt werden.
 
 
Das Merkblatt "Umrechnungsfaktor 1,02 oder 1,03 - Die Änderung und deren Folgen" steht hier zur Ansicht und zum Download für Sie bereit:

Datum
Beschreibung
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08.10.2008
Umrechnungsfaktor 1,02 oder 1,03 - Die Änderungen und deren Folgen
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